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„Bin kein Freund von Alleingängen“

40 Jahre in einem Betrieb. Keine Seltenheit. 40 Jahre als geschäftsführender Gesellschafter ist jedoch mehr als ungewöhnlich.
Als der Mainkanal zwischen Volkach und Gerlachshausen fertig gestellt war, waren es die beiden LZR-Schiffe MS „Georg Hermann“ und SK „Concordia“, die am 23. April 1957 die Ehre der ersten Fahrt übernehmen durften – an Bord auch Hermann Reifenscheid.
 
Hermann Reifenscheid kann auf ein bewegtes Berufsleben zurückblicken. Schluss ist noch lange nicht. „Ich fühle mich fit. Die Arbeit macht mir jede Menge Spaß“, sagt der 66-jährige Geschäftsführer des Kitzinger Sand- und Kiesunternehmens Lenz, Ziegler, Reifenscheid (LZR).

Frage: Haben Sie als kleiner Junge auch davon geträumt, Fußballprofi oder Feuerwehrmann zu werden?

Hermann Reifenscheid: Nein, mir war schon sehr früh klar, dass ich im elterlichen Betrieb einsteigen wollte. Als kleiner Junge bin ich jeden Sonntag mit meinem Vater durch den Betrieb gelaufen, mit 15 Jahren habe ich in den Ferien im Labor gearbeitet, später in anderen Abteilungen. Ich habe den Beruf wirklich von der Pike auf gelernt.

Wer war Ihr Vorbild?

Reifenscheid: Mein Vater. Ganz klar. Er ist leider gestorben, als ich elf Jahre alt war.

Sie mussten früh Verantwortung übernehmen?

Reifenscheid: Ich habe mit 19 Jahren unser Betonwerk in Kitzingen mit aufgebaut und bin nach meinem BWL-Studium gleich in den Betrieb eingestiegen.

Klingt nicht gerade nach einer ausgelassenen Jugendzeit.

Reifenscheid: Doch, die hatte ich. Wir haben das Arbeiten und Feiern miteinander verknüpft. Unser Wohn- zimmer war damals im Gasthaus „Zum Löwen.“ Wir waren oft in unserem Wohnzimmer.

Haben Sie wegweisende Entscheidungen – Gründung eines Stahlbiegebetriebes, Expansion in die Neuen Bundesländer, Erschließung neuer Geschäftsfelder – stets alleine getroffen?

Reifenscheid: Im Gegenteil. Ich habe mich immer mit meinen Gesellschaftern besprochen. Übrigens auch mit meinen Mitarbeitern. Ich bin kein Freund von Alleingängen.

Welche Fähigkeiten sollte ein Geschäftsführer auf jeden Fall mitbringen?

Reifenscheid: Er sollte flexibel sein, sich in Kunden hineindenken können und kommunikativ sein. Und dann hilft es natürlich, auch einmal über den Tellerrand zu schauen.

Sie sind seit Jahrzehnten Vorstandsmitglied im Bayerischen Industrieverband Steine und Erden e.V.

Reifenscheid: Ja, der Kontakt mit anderen Kollegen ist mir sehr wichtig, ebenso wie international zu Kollegen in Österreich, der Schweiz und Frankreich. Wir tauschen uns regelmäßig aus, haben im Grunde genommen die gleichen Sorgen. Unser Rohstoff wird knapper, die kritischen Stimmen aus der Bevölkerung werden lauter.

Sie erleben das zurzeit ganz massiv in Nordheim. Verstehen Sie die Aufregung.

Reifenscheid: Letztendlich geht es immer darum, dass die Menschen keine Veränderung vor Ort wollen.

Die Angst vor Lärm und einem Eingriff in die Natur ist unbegründet?

Reifenscheid: Wir haben ein Lärmgutachten in Auftrag gegeben, das ganz klar zu dem Ergebnis kommt, dass die Lärmemission erheblich unterhalb des zulässigen Grenzwertes liegen wird. Auch in Köhler, gegenüber der geplanten Abbaustelle. Es wird im Schnitt zu rund 40 Lkw-Fahrten pro Tag kommen. Unseren Probebetrieb haben die Nordheimer gar nicht mitbekommen. Die Fahrer sind angewiesen, rücksichtsvoll und nicht schneller als Tempo 30 zu fahren.

Und der Eingriff in die Natur?

Reifenscheid: Ich bin überzeugt, dass die Flächen aufgewertet werden. Wir werden Biotope hinterlassen, in denen sich viele seltene Arten heimisch fühlen werden. Letztendlich soll aus der „Nordheimer Au“ eine wirkliche Auenlandschaft werden und als Naturschutzgebiet zur Verfügung stehen. Schauen Sie sich die Böden doch jetzt einmal an. Da ist jahrelang mit dem Unkrautvernichtungsmittel Round-Up gearbeitet worden. Soll keiner glauben, das sei ein Paradies für Tiere und Pflanzen.

Nervt Sie der Widerstand?

Reifenscheid: Nerven ist das falsche Wort. Es geht mir schon an die Nieren. Aber es bringt ja nichts, sich mit Leserbriefen oder ähnlichem zu wehren. Das gießt nur zusätzlich Öl ins Feuer.

Also abwarten und die Behörden entscheiden lassen?

Reifenscheid: So ist es. Die Erfahrung zeigt: Wer erst einmal emotional gegen ein Projekt ist, der lässt sich durch Sachargumente nicht mehr umstimmen.

Haben Sie an andere Stelle ähnliche Probleme?

Reifenscheid: Es kommt immer wieder vor, dass sich die Bevölkerung zu Wort meldet. Bei Aachen gibt es eine Frau, die seit zwei Jahren im Salamander-Kostüm durch die Stadt läuft, um gegen ein Abbaugebiet zu demonstrieren. Aber Nordheim ist auch schon besonders.

Warum?

Reifenscheid: In den 60er-Jahren waren die Nordheimer froh, als wir ihnen die Flächen für das erste Abbaugebiet abkauften. Das ist längst renaturiert und heute fotogener Teil der Mainlandschaft. Jetzt sind wieder einige Grundstücksbesitzer auf uns zugegangen und wollten ihre Fläche verkaufen.

Die Initiative für das Abbaugebiet ging gar nicht von Ihnen aus?

Reifenscheid: Ursprünglich nicht, auf die Idee brachten uns einige Grundstücksbesitzer in der Nordheimer Au. Mittlerweile sind schon fast alle Grundstücke in unserem Besitz. Es ist also sicher nicht so, dass ganz Nordheim gegen die Pläne ist.

Warum suchen Sie nicht woanders nach Abbauflächen?

Reifenscheid: Das tun wir, aber so einfach ist das nicht. Die Möglichkeiten sind begrenzt. Noch haben wir die Kiesgruben in Fahr und Astheim in Betrieb. Aber auch dort sind die Ressourcen endlich.

Wie lange werden Sie dort noch abbauen können?

Reifenscheid: Spätestens in zehn Jahren sollten wir eine Alternative gefunden haben. Davon ist schließlich die Bauwirtschaft in unserer Region abhängig.

Warum?

Reifenscheid: Weil unser Rohstoff dringend gebraucht wird und vor Ort gewonnen werden muss. Denken Sie an den Straßenbau, das Kreiskrankenhaus, geplante Turnhallen, Sanierung von Frei- und Hallenbäder, Kläranlagen, aber auch an die Ausweisung von Baugebieten, um jungen Familien die Möglichkeit zum Eigenheim zu verschaffen. Der Bedarf ist da. Wir können Sand und Kies nicht über hunderte von Kilometern zu den Baustellen bringen. Das hat mit einer ausgeglichenen Ökobilanz gleich gar nichts zu tun.

Geschichte LZR

1906 wurde mit der Gründung der Sand- und Kiesbaggerei „Lenz & Co“ der Grundstein für das Unternehmen LZR gelegt.

Anfang der 1960er Jahre rollten die ersten LZR-Transportbetonmischer zu den unterfränkischen Baustellen. In Kitzingen und Astheim entstanden drei Transportbetonwerke.

Seit 1991 wurden sieben Betriebe in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt errichtet.

Mitarbeiter aktuell: Insgesamt rund 170.






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