KITZINGEN

Aus Zahngold wird Essen

Patienten spenden alte Goldkronen, die eingeschmolzen und beispielsweise zu Schmuckstücken verarbeitet werden.
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Jürgen Richard hat selbst auf dem Zahnarztstuhl noch gut lachen. Er tut mit seiner Goldkronen-Spende Gutes. Das freut auch Iris Soldner und Zahnärztin Dr. Katharina Orlob.
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Klar macht er mit. Jürgen Richard lässt sich nicht zweimal bitten. „Man soll nicht nur nehmen, sondern auch geben“, sagt der Kitzinger mit freundlichem Grinsen und öffnet den Mund ganz weit. Ein paar Minuten später ist die alte, nicht mehr dichte Goldkrone aus Richards Mund verschwunden. Richards Zahnärztin Dr. Katharina Orlob legt sie zu einigen anderen, die ebenfalls von Patienten stammen. Das gespendete Edelmetall soll eingeschmolzen werden und der Erlös einem guten Zweck dienen.

Für Katharina Orlob ist es nicht die erste Aktion dieser Art. „Wir unterstützen jährlich soziale Gruppen mit einer Spende.“ Für Manfred Seigner, den Vorsitzenden der „Kitzinger Tafel“, der Spendenübergaben gewohnt ist, ist es freilich eine Premiere. „Aus altem Zahngold Geld für Essen machen – also das hatten wir noch nicht. Auf so eine Idee zu kommen, das ist schon lobenswert.“

Das findet auch Jürgen Richard, der sich, so sagt er, nicht ungern in den Behandlungsstuhl setzt. Der 61-Jährige hat keine Angst vorm Zahnarzt. „Bei schönen Frauen fühl' ich mich immer wohl“, meint er mit einem Augenzwinkern Richtung Iris Soldner und Katharina Orlob. „Da lass' ich doch gern meinen jährlichen Kundendienst und alles, was so anfällt, machen.“ Zum Beispiel einen Kronenwechsel.

Jürgen Richard kannte Katharina Orlobs langjähriges soziales Engagement bereits. „Sie hat recht: Uns geht es verdammt gut. Wir haben jeden Tag mehr als genug zu essen und zu trinken. Anders als manche Tafelkunden.“ Richard selbst spendet jedes Jahr fürs Tierheim, für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei und für den Bund Naturschutz. „Das gehört für mich einfach dazu.“ Deshalb war es für ihn auch keine Frage, seine Vollgoldkrone zu spenden. „Ich hab' gar nichts gespürt, als das alte Ding entfernt worden ist“, freut er sich.

Zwei Drittel spenden

Zwei Drittel aller Orlob-Patienten tun es Richard gleich. „Ich frage immer, was mit den alten Kronen und Brücken passieren soll. Wenn sie jemand mit heimnehmen möchte, ist das natürlich auch kein Thema“, erklärt die Zahnärztin. „Umgekehrt gibt es aber auch Patienten, die kein Altgold im Mund haben, aber die Aktion trotzdem unterstützen möchten und deshalb etwas Geld spenden.“

Die gesammelten Kronen und Brücken gibt Katharina Orlob an eine bekannte Unternehmerin weiter: Linda Greiner von der Gold- und Münzenhandlung Greiner in Würzburg kümmert sich darum, dass aus den Abfallprodukten wieder etwas Wertvolles wird. „Das Zahngold wird immer eingeschmolzen“, erklärt Linda Greiner. „Wir schicken es zu einer Scheideanstalt nach Pforzheim. Diese trennt es in die Edelmetalle Gold, Silber, Platin und Palladium auf. Die Scheidekosten hierfür sind etwas höher als bei Schmuckstücken, die nur aus Gold und Silber bestehen.“ Aus den Edelmetallen werden später wieder Münzen, Barren, Schmuck und vieles mehr hergestellt.

„Linda Greiner rechnet immer sehr großzügig mit uns ab, weil sie auch den sozialen Aspekt sieht“, erklärt Katharina Orlob. Die Zahnärztin hat die erzielte Summe noch etwas aufgestockt. Deshalb darf sich Manfred Seigner über 1000 Euro für die „Kitzinger Tafel“ freuen.

Auch nächstes Jahr will Orlob mit Hilfe von gespendetem Zahngold wieder eine gute Sache unterstützen. Den ersten Spender dafür hat sie bereits sicher. „Ich habe noch eine alte Goldkrone, die irgendwann mal raus muss“, sagt Jürgen Richard.

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