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Volontärsprojekt (IV)

Auf eine Brotzeit mit... Matthias Mölter, dem Neuen im Freizeitland Geiselwind

Matthias Mölter ist neuer Chef des Freizeitparks Geiselwind. Wie es dazu kam und welche Herausforderungen es gibt, verrät er bei einem Piratenburger.
Eine entspannte Unterhaltung, während im Hintergrund geschrien wird: Freizeitland-Besitzer Matthias Mölter (rechts) im Gespräch mit Volontär Andreas Schmitt unterhalb der Achterbahn "Boomerang" Fotos: Matthias Hoch
 
von ANDREAS SCHMITT
Als Matthias Mölter seine "Brotzeit", einen Piratenburger, serviert, rauscht der "Boomerang" über die Köpfe hinweg. Die perfekte Kulisse, um mit dem neuen Besitzer über das Freizeitland Geiselwind zu sprechen.

Herr Mölter, warum wollten Sie Inhaber des Freizeitlands werden?
Matthias Mölter: Ganz einfach: Ich wollte ruhiger machen. 17 Jahre lang war ich als Schausteller auf Kirchweihen und Volksfesten unterwegs, da blieb das Privatleben auf der Strecke. Da ich eine acht- und eine einjährige Tochter habe, stellte sich die Frage: Ist das alles?

Warum gleich ein Freizeitpark?
Klar, ich hätte einfach weniger Schaustellerei machen können, mal ein Wochenende aussetzen. Aber das ist nicht meine Natur. Also wollte ich mir etwas Stationäres suchen. Ich dachte an ein Kino, eine Eisdiele, so etwas.



Wie kamen Sie dann auf den Freizeitpark Geiselwind?
Ich kenne den Park seit meiner Kindheit. Und man hat ja immer mal Gerüchte gehört, dass er nicht mehr laufen würde und verkauft werden soll. Deshalb habe ich beim Geschäftsführer einfach mal nachgefragt. Ab Juni 2016 haben wir ein halbes Jahr verhandelt und seit 1. Januar 2017 bin ich der Besitzer.

Vorher mussten Sie noch Ihre Bank überzeugen. Wie war die Reaktion, als Sie einen Kredit für einen Freizeitpark wollten?
Zuerst haben alle gelacht und beim Blick auf die Zahlen abgewunken. Dann aber konnte ich sie vom Potenzial überzeugen. Die Zahlen waren ja nur schlecht, weil es zuletzt nicht mehr gelaufen ist.

Was waren Ihre ersten Handgriffe und was hat sich seither verändert?
Wir wollen das "neue Freizeitland Geiselwind" sein und mussten einen Schnitt machen. Und dazu benötigten wir anfangs die Brechstange. Zum Beispiel haben wir Verkaufsstände, die jahrelang geschlossen waren, abgerissen. Bis Ende Juni haben wir 700 Tonnen Müll rausgefahren.

Wie ist das neue Konzept - gibt es noch die Kombination aus Tiergehege und Fahrspaß?
Ja. Wir haben jetzt etwas weniger Vögel, aber immer noch knapp 1000 Stück. Außerdem gibt es Kängurus, Stachelschweine, Mini-Ponys, Riesenschildkröten, Affen, Lamas, den Streichelzoo und die Flamingos, unser Fotomotiv Nummer 1.

Was hat sich bei den Fahrgeschäften getan?
Die Klassiker gibt es immer noch. Wir essen gerade unter einem, dem "Boomerang", der einzigen Looping-Achterbahn Deutschlands, die vorwärts und rückwärts fährt. Dann gibt es den 55-Meter-Freifallturm "T-Rex-Tower", den "Top of the world", das höchste transportable Fahrgeschäft der Welt, oder die Wildwasserbahn. Dazu kamen zehn neue Attraktionen - zum Teil frühere Schaustellergeschäfte, zum Teil zugekauft - wie "Dr. Lehmanns Horror-Lazarett" mit Live-Erschreckern.

Nicht mehr da sind die acht Acapulco-Turmspringer. Wo sind sie?
Ich habe gehört in China. Sie waren 23 Jahre fester Bestandteil. Anfangs wurde ich beschimpft, dass wir sie nicht weiterbeschäftigen. Aber das sind Künstler und jetzt sind sie eben woanders. Stattdessen haben wir 14 Events eingeführt - vom Kindertag bis zur Halloween-Party.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie und haben Sie alle alten Mitarbeiter übernommen?
Ja, wir haben zunächst alle übernommen. Von manchen mussten wir uns mittlerweile trennen, der Großteil ist aber weiter hier. In der Nebensaison beschäftigen wir etwa 120, in der Hauptsaison 200 Mitarbeiter. Ungefähr 50 sind fest angestellt.

Sind Sie eigentlich schon mit jedem Fahrgeschäft selbst gefahren?
Ich bin zwar eigentlich nicht der große Fahrer, habe aber schon jedes einmal getestet. Zuletzt fahre ich auch immer mehr. Je älter meine Tochter wird, desto öfter will sie, dass ich mitfahre.

Wenn Sie nicht Achterbahn fahren: Wie sieht der Arbeitstag eines Freizeitland-Besitzers aus?
Früh bin ich zuerst im Büro. Danach wird geprüft, ob der Park ordentlich sauber ist. Derweil starten die Probefahrten der Bahnen. Dann kommen hoffentlich viele Gäste und wir haben Chaos an den Kassen (grinst). Um 11 Uhr bin ich wieder im Büro. Und danach gilt es, einfach präsent zu sein. Ich habe zwar ein gutes Team und könnte mich auch mal ein paar Tage nur hinsetzen und Kaffee trinken...

Oder Burger essen...
Oder Burger essen und Interviews geben (lacht). Im Ernst, andere Selbstständige stimmen mir zu. Man muss sich als Chef schon mal sehen lassen. Oder aushelfen, wo der Schuh drückt. Wenn Mittags was los ist, bin ich auch mal in der Küche.
Was hat eigentlich die Familie zum Kauf des Parks gesagt?
Als ich von den ersten Plänen erzählte, haben sie noch alle ein wenig geschmunzelt. Als klar war, dass es klappen würde, gab es aber keine große Diskussion. Ich habe die Unterstützung von der ganzen Familie. Mein Schwager kümmert sich um Personal und Technik, meine Schwester und meine Mutter um Süßigkeiten und Souvenirs, meine Frau ist die Buchhalterin und auch meine Nichte und meine Schwiegereltern helfen im Park.

Coburg ist Ihre Heimat, deshalb trinken wir auch aus Krügen mit der Skyline der Vestestadt. Fahren Sie dort jeden Tag hin?
Nicht mehr. Wir haben in Coburg ein Haus und im Park zusätzlich eine Wohnung. Ich bin neun Monate lang gependelt. Die einfach 105 Kilometer sind zwar gegenüber meinen Schaustellerreisen kurz, aber irgendwann geht es doch ein wenig aufs Gemüt. Aber wir bleiben trotzdem Coburger, wollen nicht wegziehen.

So ein Freizeitpark soll sich ja auch rechnen. Wie viele Menschen müssen dafür pro Jahr kommen?
Letztes Jahr waren es 180 000. Ich hoffe auf mindestens 200 000. Wenn wir irgendwo bei 230 000 bis 250 000 stehen würden, wäre es für das erste Jahr schon ein großer Erfolg.

Ein Blick auf den Winter: Dann ist der Park geschlossen, es laufen aber die Vorbereitungen neuer Attraktionen. Verraten Sie uns, was die Gäste 2018 erwartet?
Es wird eine Wildwasserbahn für Kinder ab drei Jahren geben. Geplant sind auch eine Überkopfschaukel, ein Abenteuerspielplatz und ein Splash Battle, bei dem man durch einen Wasserparcours fährt und auf Ziele schießt. Aber alles können wir natürlich noch nicht verraten.

Das Gespräch führten Andreas Schmitt und Jann Weckel


Rezept
Eine klassische Brotzeit ist nicht Mölters Leibgericht. Stattdessen gibt es "Piratenburger" mit Pommes. Die Zubereitung: Die zwei Hälften eines Hamburgerbrötchens auf dem Grill anrösten, parallel dazu die mit Edamer belegte Fleischscheibe anbraten. Danach das Brötchen mit hausgemachtem Chilli-Dip bestreichen, der aus roter Paprika, Chilli-Schoten, gekochten Kartoffeln, Knoblauch, Mayonnaise und Gewürzen besteht. Und dann wird belegt: mit Salat, Fleisch, Käse, honiggeröstetem Bacon, Tomate, Gurke und Röstzwiebeln.

Shop

Aus unserem Heimat-Shop steuern wir zur Brotzeit in dieser Woche eine große Frankenfahne als Tischdecke bei. Hinzu kommen zwei Brotzeitbrettchen mit der Aufschrift "Mei Brettla", zwei Bierkrüge mit der Coburger Skyline und Franken-Servietten.

zum Thema "Voloprojekt2017"

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