KITZINGEN

Angriff kam aus dem Nichts

Der Angriff kam aus dem Nichts: Grundlos griffen zwei 16-Jährige in Kitzingen einen Gleichaltrigen an. Jetzt saßen die Angeklagten kleinlaut vor dem Jugendrichter.
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Ende Juni – endlich geschafft, die letzte Prüfung ist geschrieben. Die Last der vergangenen Wochen fällt ab, was mit einer Feier spontan mit viel Alkohol begossen wird. Die Schüler der Entlass-Klasse in Kitzingen trinken vor allem Bier, am Nachmittag machen sie sich beschwipst auf den Heimweg. Auch zwei Kumpel laufen – nach vier bis fünf Bier – los und kommen an einer Sitzecke vorbei, wo ein 16-Jähriger mit einer Bekannten plaudert.

Vielleicht guckt der 16-Jährige die vorbeilaufenden Schüler eine Sekunde zu lange an. Jedenfalls finden die beiden Kumpel, dass der Typ auf der Bank komisch schaut. Das reicht, um umgehend zum Angriff zu blasen. Aus dem Nichts fällt das Duo über sein Opfer her: Der 16-Jährige wird gewürgt, getreten und in den Schwitzkasten genommen.

Zum Glück bekommt ein dritter Schüler, der ebenfalls auf der Feier war, den Angriff mit. Er geht dazwischen, beruhigt die Angreifer und schiebt sie weg. Was sonst noch passiert wäre – man will es sich bei der Verhandlung vor dem Kitzinger Jugendrichter am Amtsgericht lieber nicht ausmalen.

Kleinlaute Angeklagte

Die beiden Angeklagten sitzen ziemlich kleinlaut da und versuchen zu erklären, was nicht zu erklären ist. „Ich weiß nicht, warum wir das gemacht haben“, sagt der eine. „Keine Ahnung, was mit uns los war“, betont der andere. Um dann nachzuschieben: „Ich war nicht ich!“ Man ist geneigt, es ihnen abzunehmen: Beide schauen, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Wahrscheinlich war es am Ende der Alkohol, der das Duo ausrasten ließ. Vielleicht glaubten die beiden ebenfalls 16-Jährigen einen Mittelfinger zu sehen, den es so nicht gab und der maximal ein Fingerzeig war. Da sind sich das Opfer und seine damalige Begleiterin sicher – zumal sich Täter und Opfer auch gar nicht kannten.

Der Angegriffene ist nach der Tat geschockt: Durch das Würgen bekam er kurzzeitig keine Luft mehr. Perplex machte er sich auf den Weg zur Polizei, um Anzeige zu erstatten.

Während Angeklagter Nummer eins noch nicht auffällig war, sieht es bei Nummer zwei anders aus: Er verbrachte wegen Erpressung schon mal ein Wochenende im Gefängnis. Genau wegen dieses Aufenthalts habe er sich jedoch „grundsätzlich geändert“, nimmt er jetzt für sich in Anspruch und hofft auf Milde.

Strafen im Elternhaus

Die gibt es tatsächlich – wohl auch, weil in den Elternhäusern schon Strafmaßnahmen nach der Tat vorgenommen wurden. So wird das Verfahren am Ende eingestellt – allerdings unter Auflagen. Angeklagter Nummer eins, der inzwischen eine weiterführende Schule besucht, muss zwei Ferien-Wochen opfern und 80 Stunden soziale Hilfsdienste leisten. Sein Kompagnon, der sich inzwischen in einer Ausbildung befindet, muss als Preis für die Körperverletzung 800 Euro von seinem Gehalt abzweigen.

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