Mysteriöser Fall aus Kitzingen: Wer kennt Jacqueline?


Autor: Ralf Dieter

Kitzingen, Mittwoch, 21. Sept. 2016

Die Geschichte ähnelt einem Krimi. Sie ist spannend, aber auch ein wenig verwirrend. Das Ende ist offen. Aber wer weiß: Vielleicht kann der eine oder andere Leser zur Aufklärung beitragen. Die erste Kontaktaufnahme erfolgte am 24. August. Eine Frau mit dem klingenden Namen Jacqueline Mondenegro meldete sich per Email.
Jacqueline Mondenegro (links) mit ihrer Freundin Dorothea Schmidt aus Berlin. Letztere lebt angeblich auf Mallorca davon, in den Straßen von Palma vor Touristen aufzutreten. Jacqueline Mondenegro hat ihr nach eigenen Angaben beim Stylen und Verkleiden geholfen. Wie viel von diesen Angaben stimmt, ist allerdings schwer zu sagen.


„Einen wunderschönen guten Morgen, ich bin in Kitzingen aufgewachsen und ich habe es geschafft und konnte meinen Lebenstraum realisieren und gebe heute Mal- und Zeichenkurse auf der schönen Insel Mallorca und bin bei einer großen Hotelkette diesbezüglich als Malerin angestellt. Um meine Lebenserfahrungen zu dokumentieren und wie ich es zu diesem Leben geschafft habe, habe ich einem Buch zusammengetragen. Meine Mutter und 0ma wohnen in der Ritterstraße und lesen jeden Tag Eure Zeitung und sind auf die Idee gekommen, dass man darüber doch mal etwas berichten könnte.“

Das klang spannend. Wir wollten mehr wissen. Unser Vorschlag: Ein Telefongespräch, damit wir mehr über das Leben dieser ehemaligen Kitzingerin erfahren. Den gleichzeitigen Wunsch nach einem Bild beschied Frau Mondenegro so: „Es sind meistens Bilder, wo ein oder mehrere Malkursteilnehmer mit auf dem Foto sind. Und da ich in einem Luxus-Hotel die Malkurse gebe, bin ich ein wenig irritiert, ob ich diese Fotos dann in der Zeitung präsentieren darf. Da könnte ich Ärger bekommen.“

Mmh. Naja. Eine Woche später das Telefonat. Freundliche Stimme, viel zu erzählen. Mehr als eine halbe Stunde lang berichtete Jacqueline Mondenegro. Wie sie als kleines Mädchen das Kinderzimmer angemalt hat, mit ihrer Mutter und Großmutter in der Ritterstraße aufwuchs. Wie sie in die St. Hedwig-Schule in Kitzingen ging und später in die International School in Oberursel. Anschließend Kunststudium an der renommierten Städelschule – Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt. Seit zweieinhalb Jahren arbeite sie für ein Luxus-Hotel der Starwood-Kette auf Mallorca. Dort lebe sie auch. Blick auf den Yachthafen von Palma. Von Mai bis Oktober viel zu tun, nur alle zwei Wochen ein Tag frei. Ab und zu besuche sie ihre Oma in Kitzingen. „Das ist so eine ganz andere Welt.“

Der Eindruck nach mehr als 40 Minuten Telefonat mit Jacqueline Mondenegro, geborene Müller? Irgendwie nett, irgendwie spannend, aber irgendetwas stimmt nicht. Also mal nachforschen, Erkundigungen einholen. Die Bilder, die sie auf Wunsch schickt, sind nicht sehr aussagekräftig, könnten überall aufgenommen worden sein. Der Wunsch, mit der Oma in Kitzingen zu reden, wird freundlich aber bestimmt abgelehnt. Schwere Hüftoperation vor Wochen. Die Oma liege fast nur im Bett.

Ich glaube jedoch, wenn Sie unseren Artikel lesen wird, da sie ja jeden Tag mehrere Stunden mit Zeitungslesen verbringt, wird es ihr Auftrieb geben.

Nachfrage bei den Kollegen vom Vertrieb: Gibt es eine Frau Müller in der Ritterstraße als Abonnentin? Negativ. Es gibt nur einen Dr. Müller. Muss ja nichts heißen. Anfrage bei Starwood-Hotels in Mallorca. Malkurse werden nicht angeboten, der Name Mondenegro findet sich nicht auf der Personalliste. „We are really sorry to inform you, there is nobody with this name in the hotel.“

Die Zweifel wachsen.

Besuch in der St. Hedwig-Schule. In den Ordnern findet sich von Anfang bis Mitte der 80-er Jahre keine Jacqueline Müller. Anruf bei der International School in Oberursel: „Es gibt immer wieder viele Schüler, die kommen und gehen. In den gedruckten Jahresberichten findet sich allerdings keine Jacqueline Müller oder Mondenegro.“ Vielleicht auf der Städelschule. „Die Dame ist uns nicht bekannt. Vielleicht war sie ja an der Abendschule.“ Der Verlag, in dem das Buch erschienen ist? „Da die Künstlerin unter ihrem Künstlernamen veröffentlicht hat, verriet sie nicht allzu viel über ihre Person.“ Immerhin so viel hat sie dem Verlag verraten: Sie ist Jahrgang 1976. Am Telefon gab sie ihr Alter mit 38 Jahren an.

Jacqueline Mondenegro – ein Rätsel. Wer ist sie wirklich? Was kann man glauben? Ein Blick ins Internet verwirrt zusehends. Der Berchtesgadener Anzeiger schreibt: „Jacqueline Mondenegro ist in Berchtesgaden aufgewachsen.“ Die Künstlerin wird mit folgendem, irgendwie bekanntem Satz zitiert: „Meine Mutter und Oma leben glücklich in Berchtesgaden und lesen auch jeden Tag Ihre Zeitung.“ Eine ähnliche Meldung ist im Gelnhäuser Tageblatt zu finden: „Schon als kleines Mädchen malte Jacqueline Mondenegro mit Leidenschaft die herrlichen Blumen im Garten ihrer Großmutter in Gelnhausen.“ Im Hanauer Anzeiger und im Maintal Tagesanzeiger steht zu lesen, dass die Autorin aus Dörnigheim (Main-Kinzig-Kreis) stammt. Zusammen mit Kitzingen ergibt das vier Kindheitsorte und mindestens drei Omas – in Dörnigheim war nicht von einer Großmutter die Rede.

Nachfrage per Mail bei der rätselhaften Autorin, die ihr Buch einer breiten Öffentlichkeit vorstellen will.

„Ich kann sehr gut verstehen, dass Sie hier irritiert sind. Es ist wirklich so, dass die familiären Verbindungen zwischen Hessen und Bayern bestehen. Geboren bin ich in Hessen. Meine Eltern wurden geschieden und haben jeweils wieder neue Ehen geschlossen. Diesbezüglich veränderte sich auch der Wohnort und ein Teil der Familie wohnt in Hessen und ein anderer Teil in Bayern.“

Jacqueline Mondenegro liefert auch Antworten auf die Fragen nach ihrer Schulzeit und jetzigen Beschäftigung – wenn auch keine zufriedenstellenden.

„Bezüglich der Antwort von Starwood gehe ich davon aus, dass es jeweils Sache des Hotelmanagements ist, inwieweit Kunst-Aktionen durchgeführt werden. Bezüglich des Städl habe ich dazu noch an der Uni studiert und somit ist dies mein Hauptcampo gewesen.“

Freundlich, wie sie ist, schließt die Autorin die Mail mit einer Einladung:

„Gerne kann ich Ihnen anbieten mich auf der Insel zu besuchen und gerne nehme ich mir die Zeit Ihnen und Ihrer Familie die schönen Seiten der Insel zu zeigen und dann können Sie sich auch ein Urteil über meine Sprachkenntnisse machen.“

Die Sprachkenntnisse sind das Letzte, das wir anzweifeln. Die gewünschten Beweise über ihre Lebensgeschichte in Form von Geburtsurkunde, Schulzeugnis oder Adressen von Mutter oder Großmutter bleibt Jacqueline Mondenegro schuldig. Die Unterlagen befänden sich in Deutschland. Und überhaupt: Per Mail komme es nur zu weiteren Verwicklungen.

Jacqueline Mondenegro schreibt, dass sie im November wieder nach Deutschland kommt. Dann will sie sich persönlich in der Redaktion vorstellen und Beweise für ihre Geschichte liefern.

Wir freuen uns schon auf den Besuch. Bis dahin gilt natürlich die Unschuldsvermutung. Auch wenn Jacqeline Mondenegro jede Menge Zweifel gesät hat.

Hilfe? Kennt jemand die Frau auf dem Foto? Ging jemand mit Jacqueline Mondenegro/Müller auf die St. Hedwig-Schule? Kennt jemand die Großmutter oder Mutter, die angeblich in der Ritterstraße leben? Wir freuen uns über jeden sachdienlichen Hinweis! Telefon: 09321/700918 oder Email: redaktion.kitzingen@infranken.de