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Wenn Werkzeug Flügel bekommt

In dem Kitzinger Baumarkt laufen letzte Vorbereitungen für einen „Frauenpower-Abend“, als ganz andere Kräfte zu wirken beginnen: Ein Dieb treibt sein Unwesen.
justice
 
von FRANK WEICHHAN

In dem Kitzinger Baumarkt laufen gerade die letzten Vorbereitungen für einen „Frauenpower-Abend“, als kurz vor Geschäftsschluss ganz andere Kräfte zu wirken beginnen: Ein Dieb ist in den Geschäftsräumen unterwegs und lädt sich zunächst den Einkaufswagen voll bis zum Überlaufen. So voll, dass der 57-Jährige einem Angestellten auffällt – der sich zwar wundert, die ungewöhnliche Fuhre jedoch wieder aus den Augen verliert.

Der Dieb hatte sich inzwischen auf den Außenbereich begeben, um einen ungewöhnlichen Plan in die Tat umzusetzen: Er wirft das hochwertige Werkzeug mit Schwung über etwa vier Meter hohen Zaun. Während die Dinge außerhalb des Marktes auf dem Rasen landen, befindet sich im Marktgelände Betonboden. Das wird einem Fünf-Liter-Ölkanister zum Verhängnis, der wohl zu schwer ist, um über den Zaun zu fliegen. Das Ding kommt ungebremst geradewegs wieder runter und geht kaputt.

Nachgeladen

Irritieren lässt sich der Dieb davon nicht: Er zieht noch einmal mit seinem Einkaufswagen los, um im Markt weitere Ware nachzuladen. Just zu dieser Zeit macht ein Abteilungsleiter eine letzte Kontrollrunde. Um zu schauen, ob für die anstehende Abendveranstaltung alles in Ordnung ist.

Eher durch Zufall wirft der Mann auch einen Blick nach außen und entdeckt die Bescherung: Auf Rasen liegt ein buntes Warensortiment. „Es sah aus wie Ostern“, wird der Mann später als Zeuge dem Kitzinger Strafrichter erzählen.

Der Angestellte läuft zurück in den Markt, alarmiert zwei Kollegen und schnurstracks geht es zurück an den Zaun. Dort noch nicht wieder richtig angekommen, sehen die Markt-Mitarbeiter bereits weiteres Werkzeug im hohen Bogen über den Zaun fliegen. Und dann fällt auch schon der Blick auf den 57-Jährigen, wie er erneut zum Wurf ausholt.

Es sind vor allem hochwertige Werkzeuge, auf die es der Dieb abgesehen hat: Akkuschrauber, Bolzenschneider, Kombizangen – all das bekommt an diesem Abend sozusagen Flügel. Sowohl was hinter dem Zaun liegt als auch das, was sich noch im Einkaufswagen befindet, hat einen Gesamtwert von über 1800 Euro.

Obwohl auf frischer Tat erwischt, streitet der arbeitslose Mann vor Ort ab, etwas mit dem Diebstahl zu tun zu haben. Eine Strategie, die er zunächst auch vor dem Kitzinger Strafrichter anwendet: Ein Geständnis kommt nicht, der Angeklagte schweigt zunächst eisern. Das Bild ändert sich nach den ersten Zeugenaussagen: Der Mann räumt doch noch alles ein und weiß spätestens jetzt: An seinem vierten Gefängnisaufenthalt wird wohl kein Weg vorbeiführen.

Was 1997 unmittelbar nach der Umsiedlung von Russland nach Deutschland mit einem Diebstahl begann, entwickelte sich in den Folgejahren zu einem ausgewachsenen Strafregister: 13 Verurteilungen – überwiegend Diebstähle – schlagen bisher zu Buche, regelmäßig ging's deshalb hinter Gitter.

Fall Nummer 13 war ein Geldbeutel-Diebstahl, für den es Anfang 2013 eine achtmonatige Haftstrafe setzte, die zu fünf Jahren Bewährung ausgesetzt wurde. Damit ist klar: Der Bewährungsversager muss damit rechnen, die acht Monate absitzen zu müssen.

Weitere Verhandlung

Dazu gesellen sich – für den aktuellen Fall – weitere 14 Monate Freiheitsstrafe, die der Kitzinger Strafrichter Bernhard Böhm verhängt. Wobei es noch dicker für den scheinbar unbelehrbaren Mann kommt: Er steht demnächst erneut vor Gericht, wobei es wieder um die Spezialdisziplin des 57-Jährigen geht: Diebstahl.

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