Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Welt-Down-Syndrom-Tag: Valentin bringt alle zum Staunen

Er ist vier Jahre alt und hat das Down-Syndrom. Im Kindergarten in Sulzfeld (Lkr. Kitzingen) ist das aber kein Problem: Valentin gehört dazu.
Mittendrin: Valentin (Mitte) spielt und strahlt mit seinen Freunden Luis und Antonia.
 

„Willst du mit mir spielen?“ fragt Luis. Sein bester Freund überlegt nicht lange. Schnell schnappt sich Valentin eine Schaufel und kurze Zeit später sitzen die beiden einträchtig im Sandkasten. Eine alltägliche Szene in einem Kindergarten. Das Besondere daran: Valentin hat das Down-Syndrom – und trotzdem geht er in einen ganz normalen Kindergarten.

Seit zweieinhalb Jahren besucht Valentin das „Haus für Kinder“ St. Elisabeth in Sulzfeld (Lkr. Kitzingen). Als er vor einem Jahr in die Krippengruppe kam, standen seine Eltern Nina Wirth und Christian Hindemith vor der Frage, ob sie ihren Sohn in eine Fördereinrichtung oder in einen regulären Kindergarten schicken sollten. „Wir waren der Meinung, dass unser Sohn nicht so schwer behindert ist, dass er in einem normalen Kindergarten nicht gut aufgehoben wäre“, erklärt die Mutter. Außerdem war es für die Eltern wichtig, dass Valentin in die Dorfgemeinschaft eingebunden ist. In einer speziellen Einrichtung wäre er zwar optimal gefördert worden, aber den ganzen Tag weg gewesen. Deshalb entschieden sie sich für einen Regelkindergarten.

Das Ehepaar schaute sich mehrere Kindergärten an, darunter auch das „Haus für Kinder“. Dort wurden sie „offen und herzlich“ empfangen. Beim Gespräch mit Alexandra Pfennig, der Leiterin, stießen sie mit ihrer Idee für Valentin auf offene Ohren: „Für uns war das zwar Neuland. Aber ich habe gesagt: Wir probieren das aus.“ In der Folgezeit studierten die Erzieherinnen Fachliteratur, stellten Anträge bei Behörden und kümmerten sich um eine Fachkraft, die Valentin bei der Integration im Kindergarten helfen sollte und dem Team beratend zur Seite steht.

Problemloser Einstieg in den Kindergarten

Anfangs überlegte das Kindergartenteam noch, ob die anderen Eltern und Kinder informiert werden sollten, dass künftig auch ein Kind mit Down-Syndrom den Sulzfelder Kindergarten besuchen wird. Doch das war nicht nötig. „Es war ganz einfach. Wir haben gesagt: Das ist der Valentin und er geht jetzt hier in den Kindergarten“, erzählt die Leiterin. Und so kam Valentin mit eineinhalb Jahren in die Krippengruppe. Genauso problemlos erfolgte später der Wechsel in die Regelgruppe: „Mit drei Jahren ist er eines Tages ganz von selbst in die andere Gruppe gegangen. Und da war er.“

Auch sonst klappte die Integration von Valentin ohne große Probleme. „Er ist integriert und wird wie jedes andere Kind wahrgenommen. Die Kinder akzeptieren ihn so wie er ist und sie gehen ganz normal mit ihm um“, berichtet Alexandra Pfennig. Dass er noch nicht so gut sprechen kann, macht den Kindern nichts aus. „Sie verstehen sich auch ohne große Worte.“

Anfangs haben die Erzieherinnen in einer kleinen Gruppe Gebärden eingeübt, damit sich Valentin und die Kinder verständigen können. Inzwischen ist die sogenannte „Gebärden unterstützende Kommunikation“ kaum noch notwendig, die Verständigung funktioniert auch so.

Einmal pro Woche kommt eine Integrationskraft in den Kindergarten, um dem heute Vierjährigen unterstützend zur Seite zu stehen. Zudem wird er in der Kitzinger Frühförderstelle durch eine Heilpädagogin und einen Logopäden gefördert. Ansonsten wird Valentin im Kindergarten wie jedes andere Kind betrachtet. „Jeder hat seine Stärken und Schwächen – das gilt für behinderte und nicht behinderte Kinder gleichermaßen. Der eine braucht weniger und der andere mehr Hilfe“, erläutert die Leiterin.

„Die Kinder sind auch sein Motor“

Inzwischen hat der kleine Sulzfelder bereits Freunde gefunden. Etwa den dreijährigen Luis, mit dem er sich besonders gut versteht. Die beiden spielen nicht nur gern miteinander. Wenn Valentin einmal etwas nicht so gut kann, hilft ihm sein Freund ganz selbstverständlich. „Die Mädchen sind besonders fürsorglich und achten auf ihn in seiner Besonderheit“, schildert Alexandra Pfennig ihre Beobachtungen. Natürlich müsse der Vierjährige auch lernen, in bestimmten Situationen zurückzustecken – so wie jedes andere Kind aber auch.

„Valentin darf anders sein und wird in seinem Anders-Sein angenommen.“
Christian Hindemith, Vater von Valentin

Der Besuch des Kindergartens tut Valentin nicht nur gut und macht Spaß: Er hat ihn in seiner Entwicklung ein großes Stück vorangebracht. „Die Kinder sind auch sein Motor. Wenn sie etwas von ihm wollen, geben sie nicht auf und spornen ihn an“, erklärt Alexandra Pfennig. Gleichzeitig profitieren auch die anderen davon: Durch den unmittelbaren Kontakt lernen die Kinder, ganz selbstverständlich mit einem Menschen mit Behinderung umzugehen – völlig zwanglos und ohne Vorurteile.

Nina Wirth und Christian Hindemith sind dem Sulzfelder Kindergarten sehr dankbar, dass ihr Sohn dort so offen aufgenommen wurde. Vor einiger Zeit haben sie deshalb an das Deutsche Down-Syndrom InfoCenter geschrieben, eine Einrichtung, die betroffenen Familien beratend zur Seite steht. Das Ehepaar schilderte dort seine positiven Erfahrungen. Und die blieben nicht ungehört: Anlässlich des Welt-Down-Syndrom-Tages am 21. März konnten sie nun eine Urkunde des InfoCenters an Kindergartenleiterin Alexandra Pfennig überreichen – als Zeichen des Dankes und der Anerkennung für das Engagement ihres Kindergartens für Menschen mit Down-Syndrom.

Gemeinsam mit ihren Kolleginnen freute sich Alexandra Pfennig über die Auszeichnung. Dass die Entscheidung, Valentin in den Kindergarten aufzunehmen, richtig war – davon ist sie überzeugt. Auch die Erzieherinnen seien an der Herausforderung gewachsen. „Durch die Kinder haben wir gelernt, ganz normal damit umzugehen“, sagt sie. Gleichzeitig hätten sie und ihre Kolleginnen begonnen, manches aus einem anderen Blickwinkel zu sehen: „Valentin bringt Dinge mit ein, die einen zum Staunen bringen, wo man denkt: Ja, so kann es auch sein.“

Genau so sieht für Christian Hindemith gelungene Integration aus. „Valentin ist ein bisschen anders. Aber er darf anders sein und wird in seinem Anders-Sein angenommen“, sagt er. Generell sei es wichtig, Möglichkeiten zu schaffen, dass Menschen mit Down-Syndrom in die Gesellschaft integriert werden. Behinderte und Nicht-Behinderte müssten lernen, gemeinsam miteinander zu leben. Wer Valentin und die anderen Kinder beim gemeinsamen Spielen im Sulzfelder Kindergarten beobachtet, erkennt, dass das gar nicht so schwer ist.



noch Zeichen



Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.