KITZINGEN-

„Völlig sinnlose Spritztour“ wird richtig teuer

Mit über einem Promille Alkohol im Blut hat ein 16-Jähriger im Mai nach einer Geburtstagsfeier einen Unfall gebaut. Jetzt stand er vor dem Kitzinger Jugendrichter.
Artikel einbetten

Mit über einem Promille Alkohol im Blut hat ein 16-Jähriger im Mai nach einer Geburtstagsfeier einen Unfall gebaut. Mit seinem Kumpel auf dem Soziussitz war er mit seinem Motorrad gegen ein Auto gerutscht. Das Auto wurde beschädigt, der Fahrer wie sein Kumpel verletzt. Jetzt stand der Unfallverursacher vor dem Jugendrichter und bekam ein Urteil wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs.

An dem Urteil wird der Auszubildende zu knabbern haben: 3200 Euro seines als Schüler „sauer verdienten“ Geldes hat er wegen der Schäden am Auto schon an die Versicherung überwiesen. Jetzt kommen noch 60 Stunden Arbeit für soziale Hilfsdienste dazu. Was ihn noch mehr treffen dürfte, ist der Entzug der Fahrerlaubnis. Der junge Mann braucht den Führerschein für die Ausbildung, in der er Maschinen bewegen muss. Darauf wird er allerdings sechs Monate verzichten müssen. Erst danach kann er den Führerschein wieder beantragen.

Blöde Idee

Und das alles wegen eine „völlig sinnlosen Spritztour“, wie sein Verteidiger die rund 200 Meter lange Fahrt mit dem Leichtkraftrad bezeichnete. Das sieht der junge Mann heute auch so. „Ich weiß nicht, warum wir auf die blöde Idee gekommen sind zu fahren“, sagte der 16-Jährige dem Gericht. „Die Fahrt hatte weder Sinn noch Zweck.“

Falsch eingeschätzt

Es war nach dem Fußballtraining: Der junge Mann fuhr zur Geburtstagsfeier eines Kumpels. Es wurde getrunken. Einige Bier waren es wohl. Das beförderte wohl die „blöde Idee“.

Jedenfalls setzte sich der 16-Jährige mit seinem Kumpel aufs Motorrad. 200 Meter weiter kam ihm ein Auto entgegen. Der Alkohol (zwischen 1,02 und 1,14 Promille ergaben die Gutachten) ließ ihn die Situation falsch einschätzen. Er bremste stark ab, kam ins Schleudern und rutschte gegen ein geparktes Auto. Die Folgen: 1500 Euro Schaden an dem Auto; der Fahrer und sein Kumpel wurden immerhin so schwer verletzt, dass sie zwei Nächte im Krankenhaus verbrachten.

Ein paar Monate später weiß der Angeklagte, dass er einen großen Fehler begangen hat. Er räumt vor Gericht alles ein. Das kommt ebenso gut an wie die Wiedergutmachung, die er schon aus eigener Tasche geleistet hat. Dazu hat er sich bei der Halterin des Autos entschuldigt.

Auch dass die zurückgelegte Strecke relativ kurz war, wird ihm gutgeschrieben und ebenso, dass er an einem Kurs teilgenommen hat, der über die Gefahren des Alkohols im Verkehr aufklärt.

Den Regelfall angewendet

Allerdings: „Über ein Promille ist für einen 16-Jährigen heftig“, sagt Richter Wolfgang Hülle. Und wenn dann noch ein Unfall passiert, ist der zur Last gelegte Tatbestand erfüllt. Der Entzug der Fahrerlaubnis ist für eine solche Straftat der Regelfall. Den wendet Hülle auch an. Allerdings bleibt es mit sechs Monaten an der Mindestgrenze.

Damit kann der junge Mann wohl leben. Er nimmt das Urteil an. Auch die Staatsanwältin simmt zu. Damit ist es rechtskräftig.

Verwandte Artikel
Noch keine Kommentare

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.