Umfrage: „Kitzingen ist heute viel ruhiger“

Welche Erinnerungen haben die Bürger an Kitzingens Zeit als Garnisonsstadt? Bedauern sie den Weggang der Amerikaner vor zehn Jahren?
Der Blick zurück. Mit einem feierlichen Appell haben sich die Amerikaner am 27. Juni 2006 aus Kitzingen verabschiedet. In den Harvey Barracks wurde zum letzten Mal die amerikanische Fahne eingeholt. Dann waren 61 Jahre Garnison in Kitzingen zu Ende.
 

Vor zehn Jahren endete ein Stück Stadtgeschichte: Die US-Army verließ Kitzingen. 61 Jahre lang – von 1945 bis 2006 – waren die Amerikaner hier stationiert. Bis zu 10 000 GIs lebten einst in der Kreisstadt und prägten das städtische Leben.

Welche Erinnerungen haben die Bürger an Kitzingens Zeit als Garnisonsstadt? Bedauern sie den Weggang der Amerikaner oder sind sie eher froh darüber? Das haben wir bei einer Umfrage auf dem Kitzinger Marktplatz die Passanten gefragt.

Dem 73-jährigen Horst Issig ist die Zeit, als die US-Soldaten die Stadt bevölkerten, noch lebhaft in Erinnerung. Er weiß noch, wie die Amerikaner nach Kriegsende mit Lkw durch die Straßen fuhren und den Kindern Orangen zuwarfen. Auch die wilden Jahre, als die GIs nachts durch Kitzingen zogen und es in den Kneipen hoch herging, hat er miterlebt.

Fünf Bars mit Live-Musik gab es seinerzeit in der Stadt. Sie lockten nicht nur die Soldaten, sondern auch viele junge Kitzinger an. „Das war schön“, meint Horst Issig rückblickend. Allerdings sei nicht alles so „goldig“ gewesen, wie es heute teilweise dargestellt werde. Mitunter sei es auch zu Schlägereien gekommen – unter anderem wegen der „deutschen Mädchen.“

Doch auch manch lustige Episoden fallen Issig ein. „Als junger Mann habe ich für das Gasthaus Goldene Gans Pizzen ausgeliefert“, erzählt er. Wenn er in Würzburg oder Nürnberg gewesen sei und dort zufällig amerikanische Soldaten aus Kitzingen getroffen habe, hätten sie ihn sofort erkannt und gerufen: „Hey, Pizza-Man, what?s going on?“ Auch als langjähriger Wirt von Traudls Schubkarren habe er viele Amerikaner zu Gast gehabt: „Die haben meine Steaks vom Neeser-Metzger geliebt.“

Im Laufe der Zeit entstanden viele Freundschaften und des öfteren wurde Horst Issig von den Soldaten auf ein Glas Whisky zu sich nach Hause eingeladen.

Obwohl er persönlich viele positive Erfahrungen gemacht hat, sieht der 73-Jährige die Zeit der Amerikaner in Kitzingen differenziert. „Es hatte seine Vor- und Nachteile, dass sie hier waren“, meint er rückblickend. Dass der Abzug der US-Armee der Stadt nachhaltig geschadet hat, glaubt er nicht. Im Gegenteil: „Im Nachhinein finde ich, dass Kitzingen schöner und ruhiger geworden ist.“

Dass die Kreisstadt nach der Auflösung der US-Garnison ruhiger geworden ist, meinen auch Natalie und Alexander Maier. Das Kitzinger Ehepaar erinnert sich noch gut an die vielen amerikanischen Autos, die auf der B 8 regelmäßig Staus verursachten. Was den Verkehr betrifft, sind die beiden froh, dass diese Zeit vorbei ist. Ansonsten bedauern sie den Abzug der US-Armee. „Früher war hier viel mehr los und Samstagabend war richtig Leben in der Stadt“, finden sie.

Außerdem hätte die Stationierung der US-Garnison auch wirtschaftliche Vorteile gebracht: Nicht nur Kneipenbesitzer, sondern auch Geschäfte, Wohnungsvermieter und Arbeitnehmer hätten davon profitiert.

Sabine Hartung findet es ebenfalls „schade, dass die Amerikaner nicht mehr hier sind“. Die Willanzheimerin lebte mit ihrer Familie fünf Jahre in den USA, vor dreizehn Jahren kehrte sie zurück nach Deutschland. „Wir haben noch mitbekommen, dass damals in Kitzingen überall Amerikaner waren – in den Restaurants, in den Supermärkten, auf den Straßen“, erzählt die 47-Jährige.

Zusammen mit ihrer Familie habe sie seinerzeit öfters die Spielplätze in der Stadt besucht, in der Hoffnung, die eine oder andere amerikanische Familie kennen zu lernen. Leider habe dies nicht geklappt.

Gisela Kreglinger erinnert sich vor allem an die deutsch-amerikanischen Freundschaftsfeste, die sie als Kind zusammen mit ihrer Familie in Kitzingen besucht hat. Es sei schön für sie gewesen, die amerikanische Kultur etwas näher kennen zu lernen, sagt die 49-Jährige. Die Segnitzerin lebt zurzeit in Schottland und hat auch einige Jahre in den USA verbracht. „Wenn verschiedene Kulturen miteinander in Berührung kommen, ist das immer eine Bereicherung“, schildert sie ihre Erfahrungen.

Das erweitere den Horizont. Natürlich gehe etwas verloren, wenn Menschen, die viele Jahre vor Ort waren, nicht mehr da sind. „Aber vielleicht nehmen andere ihren Platz ein und bringen eine andere, neue Kultur mit ein.“

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