Region // Kitzingen
Mehrheit hält nichts von einem Planstopp
Der Dauerbrenner "Neubau der Grundschule mit Kindertagesstätte" (Kita) sorgte am Donnerstag im Prichsenstädter Stadtrat für weitere Diskussionen. Die gingen so weit, dass Wolfgang Brosche (SPD) beantragte, wegen der "enormen Kostenexplosion" einen sofortigen Planstopp zu verfügen.
Mit seinem Antrag fand Brosche allerdings keine Unterstützung im Ratskollegium. Er war der einzige, der für den Antrag stimmte. "Wir können doch nicht wieder bei Adam und Eva anfangen", kommentierte Ursula Reiche (CSU) den Antrag.
Brosche hatte vorgebracht, dass man zunächst von rund 4,7 Millionen Euro Kosten für das Projekt ausgegangen sei "und davon, dass wir im Kostenrahmen bleiben". Jetzt sei man inklusive von Neubau oder Sanierung der Turnhalle bei etwa 7,4 Millionen Euro. "Ich fühle mich hinters Licht geführt und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Stadt das finanzieren kann".
Prioritäten setzen
Bürgermeister Adolf Falkenstein (CSU/FBG) zeigte sich erstaunt, dass Brosche die meisten Entscheidungen zum Neubau mitgetragen habe und jetzt mit Planstopp komme. Er räumte aber ein, dass man nun Prioritäten setzen und auch mal andere Maßnahmen streichen oder verschieben müsse: "Wir brauchen aber Grundsatzentscheidungen und eine komplette Finanzplanung für die nächsten Jahre, da wir wissen müssen, wo die Reise hingeht." Zum Projekt Grundschule samt Kita erinnerte der Bürgermeister daran, dass man rund 3,3 Millionen Euro zurück gelegt habe und auch die staatliche Förderung noch komme.
Wolfgang Brosche beantragte die Vorlage eines Finanzierungsplans, "da durch Schule, Kita und Turnhalle nach meinen Berechnungen eine monatliche Zinsbelastung von etwa 20 000 Euro auf die Stadt zukommen könnte". Lothar Ebert (STOL) machte deutlich, dass ein solcher Finanzplan erst dann erstellt werden könne, wenn die Entscheidung zu Neubau oder Sanierung der Turnhalle gefallen sei. Der Antrag Brosches wurde mit neun gegen drei Stimmen abgelehnt.
Zum Thema Turnhalle schlug Harald Eger (CSU) eine Gesprächsrunde zwischen Stadtrat und Vertretern des TSV Prichsenstadt vor, "denn es wäre der Sache dienlich, wenn wir uns zu einer eventuellen Nutzung der TSV-Halle noch Fakten anhören und Kosten auf den Tisch kommen". Sein Antrag, noch nicht über die Turnhalle abzustimmen, sondern erst diese Informationen abzuwarten, wurde bei einer Gegenstimme befürwortet, die gemeinsame Sitzung soll schon nächste Woche stattfinden.
Mehrere Alternativen bei der Halle
Zur Schulturnhalle informierte Volker Heid vom Planungsbüro Heid, dass eine vom Staat geförderte Kleinsporthalle mit den Maßen 18 mal zwölf Meter rund 1,3 Million Euro inklusive Abbruch kosten würde. Er verlas die Stellungnahme der Sportfachberaterin des Landkreises, nach der die Regierung eine Halle mit den Maßen 27 mal 15 Meter empfehle, aber nicht fördere. "In der Kleinsporthalle kann weder Handball, noch Volleyball oder Korbball gespielt werden". Die Fachberaterin hielt zudem nichts von der Nutzung der TSV-Halle, in der viele Veranstaltungen stattfinden würden, "und die Kinder müssen über die Straße, um zur Halle zu gelangen".
Die Kosten für die Sanierung der jetzigen Schulturnhalle bezifferte Heid auf rund 1,4 Millionen Euro, während ein Neubau mit jetziger Größe (24 mal zwölf Meter) auf etwa 1,83 Millionen Euro komme. 1,9 Millionen Euro kostet eine Einfach-Sporthalle (27 mal 15 Meter), die zudem die Optionen für eine Zweifachhalle (3,5 Millionen, 30 mal 27 Meter) oder Dreifachhalle (5,2 Millionen, 45 mal 27 Meter) offen halten würde. "Die beiden letztgenannten Möglichkeiten gehen zu weit", befand Martin Ebert (STOL). "Es geht um Optionen für die Zukunft und es ist auch klar, dass wir keine Luftschlösser bauen können", meinte Bürgermeister Falkenstein.



















