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Stichling und Co. machen froh

Angehende Natur- und Landschaftspfleger begutachteten die Tierwelt in der renaturierten Sicker bei Mainbernheim. Es ist Teil eines Lehrgangs, der ein Schuljahr lang dauert.
Volker Meinhold aus Düsseldorf hält den Behälter mit einem Stichling hoch. Das Tier wurde in der Sicker gefangen.  Fotos: Sabine Paulus
 

Volker Meinhold hat eine gute Erklärung, wie er von Nordrhein-Westfalen ausgerechnet nach Mainbernheim gelangt. Er ist Werbekaufmann, aber auch Jäger. Letzteres erlaubte ihm, sich um einen Lehrgangsplatz am Fortbildungszentrum für Landwirtschaft und Hauswirtschaft Almesbach bei Weiden in der Oberpfalz zu bewerben. Voraussetzung dafür ist eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem der so genannten grünen Berufe wie Landwirt, Gärtner, Winzer, Forstwirt, Revierjäger, Fischwirt oder Tierwirt.
An diesem Lehrgang nimmt Meinhold teil. Eine Woche Aufenthalt in Kitzingen und Umgebung gehört immer dazu. Landwirtschaftsrätin Theresia Addokwei vom Almesbacher Fortbildungszentrum begleitet die Schüler im Erwachsenenalter.
Meinhold möchte mit dem Kurs, der schon im September 2011 begann, eine Zusatzqualifikation erwerben und einen grünen Abschluss machen. Im Moment hat er einen Beruf, den er nicht ausübt, und einen Tätigkeit, die er nicht erlernt hat. Es scheint ihm wenig auszumachen. Der Mann aus Nordrhein-Westfalen sprüht vor Ideen und hat viel vor. "Ich könnte mir vorstellen, Ranger in einem Nationalpark zu werden", sagt er. Vielleicht gehe er aber auch in den Norden, an die See...
Diese Woche sind die 17 Lehrgangsteilnehmer aus ganz Deutschland an der renaturierten Sicker am Radweg von Mainbernheim nach Iphofen. In der 13. von 17 Seminarwochen geht es um Pflanzen- und Tierarten und ihre Lebensräume. Der Biologe Peter Krämer von der Regierung von Unterfranken zeigt anhand des munter sprudelnden Bächleins die Flora und Fauna eines Feuchtlebensraumes und Gewässers. Bürgermeister Karl Wolf erklärt der Gruppe, was an dem Bach gebaut und verändert wurde. Schnell kommt es zu einer Diskussion.
"Was könnte man hier nachbessern?", fragt Krämer, um die Kenntnisse der Teilnehmer zu prüfen. Die Antwort: Zu beiden Seiten der Brücke, auf der die Gruppe steht, sind die Steine so hoch zu Rampen aufgeschichtet, dass das Wasser regelrecht abstürzt und für Tiere wie Fische eine Barriere darstellt.
Apropos Fische: Als einziges Wirbeltier entdecken die vor der staatlichen Prüfung stehenden Natur- und Landschaftspfleger einen Stichling. Mit Keschern und kleinen Behältern holen sie Tierchen wie Kriebelmückenlarven aus dem Gewässer und sortieren sie je nach Art in Wannen, um sie bestimmen zu können.
Nun heben sie einen Stein hoch. Bachflusskrebse kommen zum Vorschein und zischen durchs Wasser. Doch rasch wird ihr Fluchttrieb von einem weißen Becher gestoppt, in den sie zuckend hineinschwimmen. Peter Krämer, der Artenschutzreferent der Regierung von Unterfranken, erläutert, wie er das Gewässer einschätzt. Anhand der gefundenen Arten kann er sagen, dass es Güteklasse 2 hat. Die Individuenzahl ist hoch, die der Arten eher niedrig. Vor allem Steinfliegenlarven fehlen, ein Indiz dafür, dass es noch leichte Mängel gibt.
Der Unterricht im Gelände macht den Schülern Spaß. Als einer von ihnen eine Smaragdeidechse zwischen den Brennnesseln am Ufer entdeckt, ist die Begeisterung groß.

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