Region // Kitzingen
Lkw verschwinden 2014 aus der Ortsmitte
Der baldige Bau der Ortsumgehung Rüdenhausen ruft bei den Betroffenen gemischte Gefühle hervor. Mit Erleichterung oder auch Skepsis verfolgten sie gestern den 1. Spatenstich.
Peter Hahnsch und seine Familie kennen den Rhythmus der Straße. Die Bewohner der Rüdenhäuser Marktstraße wissen, wann die in der Firma Knauf beladenen Lkw losgefahren sind. Denn zu einem genau bestimmten Zeitpunkt donnern die schweren und breiten Gefährte zwei Meter entfernt auf der Bundesstraße an ihrem Haus vorbei.
Und es sind nicht die einzigen. Nach einer Erhebung des bayerischen Innenministeriums fahren auf der B 286 täglich 4900 Fahrzeuge, fast zehn Prozent davon sind Lkw. Die Ortsdurchfahrt verläuft kurvig und unübersichtlich, die Gehsteige sind schmal und die Fahrbahn ist nur sechs Meter breit. Zu den Hauptverkehrszeiten bilden sich Staus. Dann kommt Peter Hahnsch fast nicht mehr zu seinem Auto auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
Die Familie hat schon so manchen Unfall beobachten müssen. Marie Hahnsch könnte wöchentlich Fenster putzen. Denn die vorbeidonnernden PS-Ungetüme spritzen Regenwasser aus den Fahrrinnen gegen die Hauswand. Seit 1958 wohnt die Familie an der Bundesstraße 286. "Das waren noch Zeiten! Da waren wir fast allein in der Straße", erinnert sich Marie Hahnsch. Doch im Laufe der vergangenen 30 Jahre wuchsen Lärm, Staub und Gestank auf ein unerträgliches Maß. Der ganze Durchgangsverkehr musste sich durch das Nadelöhr der Rüdenhäuser Ortsmitte quälen - auch für die Anwohner eine Qual. Dabei gibt es schon seit 60 Jahren die Idee, den Verkehr um das Dorf herumzuleiten. Jedenfalls sagte dies Gerhard Eck (CSU), der Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium des Innern, beim 1. Spatenstich für die Verlegung der B 286.
Nun stellt also das Staatliche Straßenbauamt in Würzburg einen baldigen Baubeginn in Aussicht. Noch 2012 soll mit der Errichtung der beiden Brücken begonnen werden. Bis zum nächsten Jahr soll dies abgeschlossen sein, so dass danach bis 2014 die durchgehende Strecke der B 286 gebaut werden kann.
Willi Lehner, der gegenüber dem Rathaus in der Marktstraße wohnt, glaubt nicht so recht daran. Er ist absolut frustriert. Dass er Ende der 1970er Jahre sein Wohnhaus auf dem ehemals landwirtschaftlichen Anwesen des Großvaters zur Straße hin gebaut hat, bezeichnet er als seinen größten Fehler. "Die ganze Woche Krach, am laufenden Band. Wir brauchen die Fenster nicht aufzumachen", sagt Lehner. Er fühlt sich als Mensch zweiter Klasse. Die anderen Rüdenhäuser, vor allem die in der Siedlung, wüssten gar nicht, wie grausam der Verkehrslärm Tag und Nacht sei. Es gebe auch Leute im Ort, die gar keine Umgehungsstraße wollten, sagt er.
Tatsächlich gibt es nicht wenige Menschen, die Bedenken haben. Es sind vor allem die Geschäftsleute. Kai Flagge, der den Autohof betreibt, rechnet definitiv mit weniger Kundschaft. Seine Tankstelle werde das bestimmt zu spüren bekommen, noch härter werde es wohl die andere Tankstelle weiter in Richtung Ortsmitte treffen, denkt Flagge.
Bürgermeister Gerhard Ackermann kennt die Sorgen. "Manche Rüdenhäuser haben Angst, dass künftig die Touristen vorbeifahren und wegbleiben." Er ist der Meinung, dass sich die Bürger "auf die Hinterbeine stellen und etwas dafür tun" sollten, damit die Gäste nach Rüdenhausen kommen. Eine Chance könnte die Dorferneuerung sein. Nach dem Bau der Umgehung und der Herabstufung der innerörtlichen Straßen auf Gemeindestraßen sei viel mehr Gestaltung möglich. Ackermann sieht eine gute Zukunft für seine Gemeinde.
Daten und Zahlen
Gesamtkosten Die Verlegungen der B 286 und der St 2420 betragen zirka 5,9 Millionen Euro brutto. Hiervon entfallen zirka 4,9 Millionen Euro auf den Bund und etwa eine Million Euro auf den Freistaat Bayern.
Länge Verlegung der B 286
2,1 Kilometer, der Staatsstraße 0,8 Kilometer, Länge der Anschlüsse 1,8 Kilometer.



















