MARKTBREIT

Lernen mit den Händen

Die Baubranche stellt sich in der Mittelschule Marktbreit vor – und alle Schüler packen kräftig mit an.
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Steven Gotsch von der Firma Haag zeigt den Mittelschülern in Marktbreit, wie Pflastersteine am besten verlegt werden.
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Niklas haut richtig zu. Der Hammer knallt auf den Pflasterstein. Sitzt, passt, alles wunderbar. Dabei ist Niklas gar kein gelernter Pflasterer. Aber wer weiß: Was nicht ist, kann noch werden.

Mittwochmittag auf dem Pausenhof der Mittelschule Marktbreit: Die Sonne brennt vom Himmel, auf dem Hof sind 16 Jungs und Mädels trotzdem eifrig bei der Sache. Die Schüler der siebten und achten Klasse tauschen drei Tage lang ihre Stifte und Hefte mit Hammer und Meißel. Einfach mal reinschnuppern in die Berufswelt der Maurer, Steinmetze und Pflasterer.

Zertifikat am Ende des Projektes

Die Idee für das Projekt hatte Dieter Haag, Bauunternehmer aus Marktsteft. Mit Sven Gotsch hat er einen jungen Mitarbeiter für die drei Tage freigestellt. Nach einer kurzen theoretischen Einführung macht sich Sven mit den Schülern an die Arbeit – unterstützt vom gelernten Steinmetz Marcel Huber, der genauso wie Arthur Meinlschmidt für das Bfz in Würzburg/Kitzingen arbeitet. Während Huber den Schülern dabei hilft, eine neue Sitzgelegenheit im Schulhof zu bauen und gleichzeitig ein Relief mit ihren Namen anzufertigen, beobachtet Meinlschmidt ganz genau, wie sich die Schüler bei der Arbeit verhalten. „Ich gebe ihnen am Ende der drei Tage ein Feedback über ihre Schlüsselqualifikationen“, erklärt er. Wie steht es um die Motivation? Wie funktioniert die Integration in die Gruppe? Fähigkeiten, die auch schriftlich festgehalten werden. „Jeder erhält am Ende des Projektes ein Zertifikat“, erklärt Schulleiterin Ute Krüger. Keine schlechte Sache für eine etwaige Bewerbung als Maurer oder Steinmetz.

Die Arbeit im Schulhof war von langer Hand geplant, das Ziel klar umrissen: Eine gut sichtbare Wurflinie für den Basketballkorb sollte her. Klingt leicht, ist aber harte Arbeit, wie die Schüler schnell merken. Die alten Pflastersteine entfernen, den Untergrund wieder ebnen und gut sichtbare rote Steine einfügen. Außerdem muss ein alter Abfallkorb entfernt werden und an dessen Stellen frische Steine eingepasst werden. Niklas und Dominik lassen sich nicht zweimal bitten und machen sich an die Arbeit. „Das macht richtig Spaß“, meint Niklas und lässt den Hammer für ein paar Sekunden in der Luft schweben. Ob er sich eine Ausbildung in diesem Bereich vorstellen kann? „Klar“, meint der Achtklässler. „Maurer wäre nicht schlecht.“

16 Schüler hat die stellvertretende Schulleiterin Helen Popp für das Projekt ausgewählt. „Es gab viel mehr Anmeldungen“, verrät sie. Erstaunlich viele Mädchen waren darunter. Bei der ersten Abfrage am Mittwochmorgen meldeten sich allerdings nur zwei, als es darum ging wer sich für einen Beruf auf dem Bau begeistern könne. Dominik würde zum Beispiel lieber Schlosser lernen. „Aber ich wollte das hier mal ausprobieren“, sagt er. Marie interessiert sich mehr für einen sozialen Beruf und Lukas will lieber Landmaschinenmechaniker lernen und dann Landwirt werden. „Aber das hier ist ein schöner Beruf“, sagt er und knackt mit einem lauten Knall den nächsten Pflasterstein mit dem Steintrenner.

Wiederholung? Warum nicht!

Am heutigen Freitag endet das Projekt, dann sollen Wurflinie, Sitzgelegenheit und Relief fertiggestellt sein. Diejenigen Schüler, die dieses Mal nicht zum Zuge kamen, werden das Essen für ein Grillfest zubereiten und vielleicht im nächsten Jahr dabei sein. Schulleiterin Krüger kann sich jedenfalls gut vorstellen, dass es eine Wiederholung gibt. Auch andere Berufsfelder dürfen sich an der Mittelschule gerne präsentieren. „Für unsere Schüler ist es doch ideal, wenn sie im handwerklichen Bereich Erfahrungen sammeln können“, bestätigt Helen Popp.

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