HELLMITZHEIM

Landwirtschaft im Kitzinger Land

Oft stehen Bauern in der Kritik, unter anderem wegen vermeintlich schlechter Bedingungen in Ställen. Deshalb will der Bauernverband zeigen, wie es dort wirklich aussieht.
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Gemeinsam führen sie den Betrieb: Kathrin und Matthias Blank.
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Mit der Grünen Woche startet am 19. Januar eine der größten internationalen Ausstellungen für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau in Berlin. Dann werden Themen wie Tierhaltung und Ackerbau wieder in den Fokus der Öffentlichkeit rücken – und es wird zu vielen Kontroversen kommen.

Meist verteidigen Landwirte die traditionellen Formen von Agrarwirtschaft und Nutzviehhaltung – Tier- und Umweltschützer kritisieren diese. Und der Verbraucher steht irgendwo dazwischen. Doch Landwirtschaft findet nicht auf der großen Bühne der Grünen Woche statt, sondern im Kleinen. In Betrieben in ganz Deutschland.

Der Mensch versorgt die Tiere

Wie das im Kitzinger Land funktioniert, zeigte der Bayerische Bauernverband (BBV) beim Stallgespräch auf dem Hof der Familie Blank in Hellmitzheim. „Es geht uns darum zu zeigen, wie Tiere in einem normalen Betrieb gehalten werden“, erklärte Kreisobmann Alois Kraus. „Denn auch in modernen Betrieben ist es nicht die Technik, die die Tiere versorgt. Sondern der Mensch.“

Tiere, um die er sich kümmern muss, hat Matthias Blank genug: Etwa 200 Kälber und 400 Mastschweine stehen in den Ställen des erst 28-jährigen Jungbauern. Spezialisiert hat er sich auf die Fresseraufzucht – als einziger Landwirt im Landkreis. Dazu kauft er männliche Kälber, zieht sie auf und verkauft sie dann an Bullenmäster.

Trotz der vielen Arbeit ist Blank von seinem Beruf begeistert. „Ich würde es immer wieder so machen“, sagte er. Um von den Umsätzen leben zu können, müsse er aber immer mehr Tiere halten. Damit passt er genau in das Bild, das sich im gesamten Landkreis zeigt: Es gibt zwar immer weniger Landwirte, aber dafür immer größere Viehbestände in den einzelnen Ställen.

Immer weniger Landwirte

Gab es im Landkreis 2000 noch 384 Milchviehhalter mit etwa 7700 Tieren, liegen die Zahlen jetzt bei nur noch 131 Bauern mit rund 5400 Rindern. Noch extremer ist die Entwicklung bei den Mastschweinen. Hier ist die Zahl der Betriebe von 520 auf 170 zurückgegangen. Die Zahl der Tiere ist allerdings gestiegen: von rund 35 000 auf mittlerweile 44 000 Schweine.

„Die Tendenz geht zu weniger, aber dafür größeren Betrieben“, erklärte Gerd Düll vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen. Trotzdem geht es den Tieren laut BBV Kreisobmann Kraus gut. „Wir sind Experten und erkennen, wie es den Tieren geht.“

Die Landwirtschaft passt sich an

Ein Problem sei die Akzeptanz der Landwirtschaft in der Gesellschaft. „Die Kritik ist uns wichtig. Die Landwirtschaft verändert sich ja auch und passt sich an“, erklärte Kraus. „Aber in die guten alten Zeiten, die immer so gepriesen werden, will niemand mehr zurück.“

„Das funktioniert so auch nicht mehr“, sagte Blank. „Es ist einfach nicht möglich, jedes Tier auf Stroh zu halten.“ Schon die Hygiene bei der Kälberaufzucht sei so nicht zu gewährleisten. „Außerdem sind die Kosten für die Landwirte in den letzten 50 Jahren extrem gestiegen. Die Preise, die sie für ihre Waren erhalten sind aber gleich geblieben“, sagte der stellvertretende Kreisobmann des BBV Helmut Schmidt. Da müsse man sich anpassen.

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