Geiselwind
Freizeit

Klettern, Bogenschießen: Erlebniswelt in Geiselwind eröffnet

Direkt hinter dem Autohof in Geiselwind kann man ab sofort Klettern, Bogenschießen und die Natur genießen.
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Im Kletterwald der Erlebniswelt Strohofer können schon Kinder ab drei Jahren klettern. Foto: S: iVANA bISCAN
Im Kletterwald der Erlebniswelt Strohofer können schon Kinder ab drei Jahren klettern. Foto: S: iVANA bISCAN
Vorsichtig setzt Linnea einen Fuß vor den anderen. Die Fünfjährige balanciert konzentriert über einen wackeligen Baumstamm. Erst als sie mit beiden Füßen wieder sicher auf der nächsten Plattform steht, huscht ein Lächeln über ihr Gesicht. Geschafft. Elf Parcours in verschiedenen Schwierigkeitsgraden mit 107 Kletterelementen erwarten die großen und kleinen Besucher in der Erlebniswelt Strohhofer in Geiselwind (Lkr. Kitzingen). Am Freitag wird das Gelände, das sich direkt hinter der bekannten Tank- und Rastanlage Strohofer befindet, offiziell eröffnet.

"Wir wollen Kindern mit unserer Erlebniswelt wieder einen Zugang zur Natur ermöglichen", erklärt Ruth Strohofer, die zusammen mit ihrer Schwester und ihren Eltern das Familienunternehmen leitet. Zur Erlebniswelt gehören vier Tipis und mehrere Baumzelte, in denen man nach der Klettertour übernachten kann. Auf dem Gelände gibt es Kräuterbeete und eine Waldküche. "Die Kinder dürfen über dem offenen Feuer ihr Abendessen und ihr Frühstück zubereiten", sagt Betriebsleiter Fitz Silbermann, der mit seiner Frau Moni die Erlebniswelt leitet.
Moni Silbermann verteilt Sicherheitsgurte mit Karabinerhaken und bunte Helme an die Kleinen. Kinder sind auf die Hilfe eines Erwachsenen angewiesen, der jeweils beide Karabinerhaken für sie einhängen muss. "Wir legen viel Wert auf Sicherheit", erklärt die Trainerin. Durch das Sicherheitssystem ist es unmöglich, dass jemand ungesichert in der Höhe steht. "Mindestens ein Sicherungsseil muss eingehakt sein, sonst bekommt man den anderen Haken gar nicht erst auf."

Die fünfjährige Linnea gewöhnt sich schnell an die wackeligen Stiegen und die schmalen, schwankenden Brückchen. Nachdem sie die ersten vier Kletterelemente mit Vorsicht geschafft hat, turnt sie immer flinker zwischen den Bäumen umher. Um zur nächsten sicheren Insel zu gelangen, muss sie über eine Slackline also ein Schlauchband, das nur etwa fünf Zentimeter breit ist, balancieren. Sieht harmlos aus, von unten betrachtet. Doch wer oben steht, der hat eine ganz andere Perspektive. "Es ist wie damals im Freibad, als man zum ersten Mal auf dem Fünfer stand", erklärt Silbermann.

Je nach Alter, Körpergröße oder gewünschtem Schwierigkeitsgrad stehen verschiedene Kletterparcours zur Auswahl. Der Kinderparcour ist ab drei Jahre. Für die große Klettertour muss man mindestens 1,40 Meter groß sein. "Bei uns kann jeder die Kletterstrecke finden, die er bewältigen kann, erfährt dabei die eigenen Grenzen", sagt Silbermann. Dabei variiert auch die Höhe: von einem Meter für Anfänger bis hinauf zu 15 Meter für Kletterprofis. "Es gibt immer mehr Kinder, die Höhenangst haben", stellt Silbermann fest. Gerade um diese Kinder und auch Erwachsene bemüht sich das Ehepaar. Doch auch körperlichen und geistig eingeschränkte Menschen sowie Ältere können hier ihre Erfahrungen beim Klettern sammeln.

Die Tank- und Rastanlage Strohofer wurde 1981 eröffnet. "Noch im gleichen Jahr fand das erste Trucker Festival statt", erinnert sich Ruth Strohofer. Ihr Vater und Gründer des Eventzentrums, Toni Strohofer hatte die Idee dazu. Heute finden auf dem Gelände 150 Veranstaltungen im Jahr statt, vom Techno-Event über das "Bike and Music Weekend" bis hin zu den Troglauer Buam. Noch dazu gibt es ein 24-Stunden-Restaurant mit eigener Metzgerei, ein Hotel mit Schwimmbad und Fitnessstudio, eine private Autobahnkirche und viel mehr. Die Erlebniswelt ist das neueste Baby des Unternehmens.

Mit Fritz Silbermann konnte ein echter Profi in Sachen Kletterparks gewonnen werden. "Ich bin seit 20 Jahren im Geschäft", erklärt der drahtige, braugebrannte Mann stolz. Mit seiner Frau hat er den "Kletterwald am See" in Schweinfurt gebaut und acht Jahre lang geleitet. In Geiselwind sucht das Paar nun neue Herausforderungen. Wieder ist jedes Element mit der Hand gefertigt und eigens für den Park gebaut. Sein Ziel: "Hier soll Europas größter Kletterpark entstehen", sagt Silbermann.

Alle Parcours sind gleich aufgebaut. Sie bestehen aus mehreren Plattformen, zwischen denen das eigentliche Kletterabenteuer stattfindet: Man schwingt, klettert und hangelt sich über verschiedene Elemente zur nächsten Plattform. Die Elemente variieren. Seilelementen, schwankenden Brücken oder auch mal aus so etwas Abgefahrenes wie eine Art Fass. Am Ende jeder Route kommt der coolste Teil: das Abseilen mit dem Flying Fox, einer "Stahlseilrutsche". Hier werden die Karabiner der Sicherung am Stahlseil eingehängt und man rutscht am Seil zur Landungsbox.

"Klettern ist ein richtiger Sport", erklärt Fritz Silbermann, jeder Muskel des Körpers werde dabei angespannt. "Das Gleichgewicht wird trainiert und auch Haltung und Koordination profitieren." Die Ursprünge der Kletterparks liegen bei den Hindernisparcours der Militärs. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden solche Parcours genutzt, um die Soldaten zu trainieren. "In Deutschland ist das starke Interesse an Kletterparks erst in den letzten Jahren aufgekommen."

Wer nach dem Klettern noch nicht genug hat, kann sich im Bodenschießen versuchen. "Bereits nach einer Stunde Übung landet man richtige Treffer", freut sich Moritz Strohofer, der als Eventmanager im Familienunternehmen arbeitet. Ruhe und Konzentration sind beim Schießsport mit Pfeil und Bogen gefragt. Fritz Silbermann hat in der Zwischenzeit vor den Tipis Feuer gemacht. Innen liegen kuschelige Felle am Boden und ein ausgestopfter Bärenkopf. Von der Decke hängen Traumfänger und Indianerschmuck. "Hier würde ich gerne übernachten", sagt Linnea. Heute klappt es nicht, aber vielleicht ein anderes Mal.


Kurzinformation zur Erlebniswelt

In Geiselwind, einem kleiner Ort direkt an der A3 Würzburg-Nürnberg, gründete Toni Strohofer 1981 seinen Autohof mit Gasthaus und Hotel. Heute kommen etwa 100 000 Besucher pro Jahr auf das Areal der Familie Strohofer. Inzwischen gibt es dort 150 Veranstaltungen im Jahr wie Konzerte, Open Airs, große Festivals - allen voran das Trucker- und Country-Festival.
Der Rasthof bietet Platz für 300 Lkw. Strohhofer beschäftigt derzeit 190 Mitarbeiter davon sind zehn Auszubildende.

Die neue Erlebniswelt wird am Freitag, den 12. Mai, offiziell eröffnet. Dort gibt es 855 Meter Kletterspaß in elf Parcours mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden und 107 Kletterelementen. Klettern kann dort jeder ab drei Jahren bis ins hohe Alter. Ganz Mutige können ihre Schwindelfreiheit am Pamperpool oder an der Jakobsleiter austesten. Hier geht es bis zu 16 Meter gesichert in die Höhe.

Auch Bodenschießen wird auf dem Gelände direkt hinter dem Rasthof angeboten. Es gibt 3D-Bodenparcours mit 30 Zielen. Außer auf Scheiben kann man auch auf Tiere aus Plastik schießen. Ein besonderes Highlight ist das Nachtbogenschießen im Fackelschein.

Vier Tipis bieten Platz für je acht Personen zum übernachten. Die Tipis sind authentisch eingerichtet und eignen sich auch für Geburtstags- oder Firmenfeiern. Im Bau ist auch ein Baumhaus, das übernachten in luftiger Höhe möglich machen soll.

Kontakt: Erlebniswelt Strohofer, Scheinfelder Straße 23, 96160 Geiselwind.



von Claudia Kneifel
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