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Region  // Kitzingen

Keine Berührungsängste

Von Anfang an integrieren: Die Internationale Mutter-Kind-Gruppe in Kitzingen
Impressionen vom  multinationalen Mutter-Kind-Treff mit Eva Virué im Bürgerzentrum Kitzingen.mmmmmmmmm.
 

Donnerstag, halb zehn im Bürgerzentrum. Es duftet verlockend nach Kaffee und Tee, Tassen und Teller stehen bereit. Eva Virué hat eine kleine Frühstückstafel vorbereitet. Daneben liegen bunte Teppiche und Kissen auf dem Boden – eine gemütliche Spielwiese. Mit der Zeit kommen immer mehr Frauen mit kleinen Kindern in den großen Saal im Obergeschoss. Sie begrüßen einander und nehmen am Tisch Platz. Fröhliches Stimmengewirr erfüllt den Raum.

Die Frauen kommen aus Deutschland, Afghanistan, Syrien, Slowenien, Brasilien, Armenien, Rumänien, Äthiopien, Georgien, aus der Ukraine und aus dem Irak. Die einen sind vor dem Krieg in ihrer Heimat geflohen, die anderen sind Migrantinnen, wieder andere sind waschechte Kitzinger. Die „Internationale Mutter-Kind-Gruppe“ (IMKG) ist eine Kooperation des Gesundheitsamtes mit dem Kitzinger Mehrgenerationenhaus und dem Familienstützpunkt Kitzingen. Jeden Donnerstagmorgen, mit Ausnahme von Feiertagen und Ferien, sind alle Mütter (auch werdende) eingeladen, einander in zwangloser Atmosphäre kennen zu lernen, Antworten auf Fragen rund ums Baby und Kleinkind zu bekommen – und quasi nebenbei auch noch Deutschkenntnisse zu verbessern.

Die gebürtige Argentinierin Eva Virué, Diplom-Soziologin und Elternbegleiterin, arbeitet in mehreren Integrationsprojekten der Stadt Kitzingen. Sie leitet die IMKG. „Durch meine eigene Biografie weiß ich um die Schwierigkeiten, die in der ersten Zeit auf einen zukommen“, sagt die zweifache Mutter. „Ich weiß, wie es ist, wenn man das deutsche System nicht kennt und unsicher ist, was hierzulande von einem erwartet wird.“

Eva Virué gibt den Müttern Informationen und Orientierungshilfen fürs deutsche Alltagsleben, sie klärt über spezielle Erziehungs- und Gesundheits-Themen auf, beispielsweise über Impfungen für Kinder. „Mir ist aber auch wichtig, dass sich Mütter und Kinder einfach wohl fühlen. Das Ankommen in Deutschland soll mehr als Behördengänge und Ungewissheit sein. Die Frauen und ihre Kinder können hier in einer fröhlichen, entspannten Atmosphäre Geborgenheit und Zuwendung spüren.“

Es werden auch jahreszeitliche Feste gefeiert oder Bastelaktionen angeboten. „Das erleichtert das Verständnis der Kultur und der Gewohnheiten im neuen Zuhause“, findet Eva Virué. „Außerdem singen wir immer Mitmach-Lieder, die Groß und Klein Spaß machen und bei denen Kind und Mutter durch Mimik und Gestik sowie Bewegung auch neue Worte erfahren.“

In der Gruppe wird Deutsch gesprochen. Wenn die Sprachkenntnisse noch rudimentär sind, ist das nicht schlimm. Sabah zum Beispiel behilft sich mit Gesten. Die junge Mutter, die früher in Aleppo gelebt hat und vor dem Bürgerkrieg geflohen ist, deutet auf das nackte Füßchen ihres sechs Monate alten Sohnes Yassin. „Oh“, sagt Eva Virué, „er hat eine Socke verloren!“ – „Socke, ja!“, antwortet Sabah lachend und deutet unter Evas Stuhl. Da liegt der gesuchte Strumpf. Yassin gluckst vor Wonne, als Eva Virué ihm das bunte Söckchen hinhält.

Sobald alle Mamas und Kinder ihr Frühstück beendet haben, setzen sie sich in einem großen Kreis auf die Spielwiese. Eva Virué geht mit einer goldenen Klangschale auf die Kinder zu und lässt jedes mit dem Schlegel einmal gegen die Schale klopfen, so dass der märchenhafte Ton erklingt. Alle Kinder sind nun ganz Ohr. Die Gruppenleiterin nutzt die Aufmerksamkeit und stimmt Lieder wie „Halli-Hallo“, „Aramsamsam...“ oder „Alle Leut“ an. Groß und Klein machen eifrig mit.

„Ich bin jedes Mal, wenn ich zu Besuch komme, begeistert von der Atmosphäre“, sagt Christine Erhard von der Schwangerenberatung des Gesundheitsamts. Durch Erhards Initiative kam die internationale Gruppe im Jahr 2015 zustande. „Mir war aufgefallen, dass viele ausländische Frauen sich gerne integrieren möchten, aber kaum Kontaktmöglichkeiten haben. Als das bayerische Gesundheitsministerium das Thema 'Kindergesundheit' besonders in den Fokus rückte, war das eine optimale Gelegenheit, eine Mutter-Kind-Gruppe ohne religiöse oder kulturelle Grenzen zu gründen.“

Vor allem durch Mundpropaganda sprach sich das Angebot rasch herum. „Es gibt in und um Kitzingen viele Frauen, die sich für andere Kulturen interessieren und die vor allem auch lernbegierig sind, was die deutsche Sprache und Kultur angeht“, weiß Eva Virué. Oft befänden sich diese Frauen aber in einem Teufelskreis: „Wer für seine Kinder keine Betreuungsmöglichkeit hat – und Krippenplätze für Kleinkinder sind in Kitzingen momentan sehr schwer zu finden –, der kann auch keinen Sprachkurs oder Ähnliches besuchen.“ Der Mutter-Kind-Treff biete da zumindest einmal wöchentlich die Möglichkeit, soziale Kontakte zu knüpfen und dabei ein Stück weiter in Deutschland und Kitzingen anzukommen.

Mit kleinen Kindern ist Integration plötzlich gar nicht mehr so schwer: Weder Yassin, der in Deutschland geboren wurde, noch die kleine Syrerin Simma oder Adenan und Kalid aus Äthiopien kennen irgendwelche Rassenunterschiede. Sie singen und spielen einfach drauflos. Und stecken damit die Erwachsenen an.

INFO: Die internationale Mutter-Kind-Gruppe (mit Kindern bis zu drei Jahren) trifft sich jeden Donnerstag – mit Ausnahme von Ferien- und Feiertagen – von 9.30 Uhr bis 11 Uhr im Kitzinger Bürgerzentrum, Schrannenstraße 35. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Infos: Eva Virué, Tel.0176/ 72189637. derzeit sind 18 Mütter angemeldet, im Durchschnitt kommen pro Treffen acht bis zehn. Die nächsten Treffen: 27. April, 4., 11. und 18. Mai.



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