VOLKACH

Jagd ohne Fallen und Waffen

Thomas Marquart ist ein Zahnarzt mit einem seltenen Hobby. Mit seiner besonderen Jagdgefährtin Emmi pflegt er eine jahrtausendalte Tradition.
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Falkner Thomas Marquart holt den Wüstenbussard aus seinem Jeep. Die Jagd kann beginnen.
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Wenn der Volkacher Zahnarzt Dr. Thomas Marquart in seinem Jagdrevier bei Astheim unterwegs ist, hat er nicht immer seine Jagdwaffe dabei. Es ist ein ausgefallener Jagdgenosse, mit dem der passionierte Jäger durch die Gegend streift: ein Greifvogel, ein Wüstenbussard um genau zu sein. Thomas Marquart übt die Falknerei aus, eine spezielle Form der Jagd mit jahrtausendalter Tradition.

Langer Weg bis zum Falknerjagdschein

Für dieses eher seltene Hobby musste der Volkacher eine besondere und langwierige Zusatzausbildung absolvieren. Seit fünf Jahren hat er nun den Falknerjagdschein, seit zwei Jahren besitzt er einen Bussard.

„Obwohl es 'Falknerjagdschein' heißt, muss es nicht zwangsläufig ein Falke sein, den man zur Jagd mitnimmt“, sagt der Zahnarzt und Jäger und erklärt, dass auch Habichte und Steinadler durchaus zur Beizjagd, wie diese besondere Jagdart genannt wird, eingesetzt werden können. Marquart öffnet die Heckklappe seines Jeeps, in den eine Transportbox eingebaut ist. Durch die Gitterstäbe schaut – mit bedrohlichem Blick – der Greifvogel heraus.

Emmi weiß, dass sie Beute machen kann

Routiniert greift der Falkner mit seinem Arm – durch einen schweren Lederhandschuh geschützt – in die Box und holt den Bussard vorsichtig heraus. Ein majestätisches Tier, das sich aufmerksam umblickt. An beiden Beinen des Greifvogels sind kleine Glöckchen angebracht. Und Lederband, das Marquart in der Hand hält, verhindert, dass der Bussard sofort in die Luft steigt. „Ich habe keine Angst, dass der Vogel fortfliegt und nicht wiederkommt“, sagt Marquart lächelnd und zeigt auf seine „Atztasche“: ein Lederbeutel, in dem sich kleine Fleischstücke befinden.

Emmi, so heißt sein Bussard, erkennt in dem Falkner nicht ihren Herrn, sondern ihren Jagdpartner. Sie weiß, dass sie mit ihm Beute machen kann. Er ist es, der sie in das Jagdrevier bringt und die Beute zeigt. „Ab und zu gebe ich ihr etwas von den Fleischstücken, was jedes Mal ein Beutemachen für den Vogel bedeutet“, sagt Marquart. „Einen Greifvogel kann man nicht strafen wie zum Beispiel einen Hund bei der Abrichtung. Einen Greif kann man nur belohnen, und zwar mit der Atzung.“

Inzwischen sitzt Emmi auf der hochgestellten Heckklappe des Jeep. Von diesem erhöhten Punkt sieht sie besser. Ein Blick noch – dann fliegt sie mit mächtigen Flügelschlägen auf, in einen nahegelegenen Baum.

„Wenn jetzt zum Beispiel ein Kaninchen oder ein Hase in der Nähe wäre, würde die Jagd sofort beginnen“, sagt Marquart. Manchmal hat er noch einen weiteren Jagdkameraden dabei, seinen Hund Cindy, der die Beute aufstöbern soll. Cindy und Emmi seien echte Freunde, sagt der Jäger: „Sie sind ein richtig gutes Team bei der Jagd.“

Manchmal entwischt der Hase

Und es sei nicht immer so, dass das Wild der Verlierer sei. Oft entkomme das Kaninchen in einem Bau oder der Hase fliehe in ein dichtes Gestrüpp, in das der Bussard nicht hineinkommt, sagt der Falkner. Es ist seine Art, den Kritikern der Falkenjagd zu begegnen. Marquart spricht von einem Spiel der naturgegebenen Kräfte. Das Wild habe „alle Chancen“, seinem natürlichen Feind zu entkommen. Der Volkacher beschreibt die Beizjagd als eine ökologische Form, nicht umsonst sei sie von der Unesco in die Liste des „immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen worden.

Laut Marquart liegt der Preis für einen Bussard, je nach Größe und Geschlecht, zwischen 400 und 800 Euro. Damit ist es aber nicht getan: Der Vogel braucht eine große Voliere – und viel Zeit.

Weil an diesem Tag keine Kaninchen unterwegs sind, holt Marquart ein künstliches Beuteteil und bindet es an eine lange Schnur: ein vogelähnliches Knäuel aus Federn, gefüllt mit etwas Fleisch. Unter Drehbewegungen lässt er die Beute durch die Luft fliegen. Lautlos schießt der Bussard von der Baumkrone los, schnappt sich im Flug die Beute und landet damit in der Wiese, wo er mit wuchtigen Schnabelhieben auf das Teil einhackt. „Das schnelle Töten der gefangenen Beute ist auch ein Teil der Greifvogelausbildung“, sagt Marquart. „Der Vogel hackt und greift immer zuerst auf den Kopf, wodurch das Tier nicht unnötig leiden muss.“

Nachdem Emmi alles gefressen hat, klettert sie auf den geschützten Arm des Falkners und lässt sich in die Transportbox zurücksetzen. Offenbar ist sie zufrieden gewesen mit ihrem Jagdpartner. Denn der hat sie auch heute wieder erfolgreich zu einer Beute geführt.

Traditionsreiches Hobby

Die Falknerei ist das Abrichten, die Pflege und das Jagen mit Hilfe eines Greifvogels. Ziel der Beizjagd sind Feder- und Haarwild. Trotz des deutschen Namens werden bei der Falknerei beziehungsweise „Falkenbeize“ auch andere Greifvögel als Falken eingesetzt.

2010 wurde die Falknerei von der Unesco für die Mongolei, Korea, Katar, Syrien, Saudi-Arabien, Marokko, Spanien, Frankreich und mehrere andere Länder in die weltweite, repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Seit 2016 gehört auch Deutschland dazu, wo die Falknerei seit 2014 auf der nationalen Liste zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes steht.

Der nächste Falknerkurs für Bayern, in dem man den Falknerjagdschein machen kann, beginnt im April in Wunsiedel und wird vom Deutschen Falkenorden abgehalten. Er besteht aus einem Einführungswochenende, wo es einen ersten Überblick über die Thematik gibt. Danach folgen noch nicht terminierte Praxistage mit Greifvogelexkursionen und Einblicke in Greifvogelauffang- und Pflegestationen. Im Herbst findet der Hauptteil des Kurses mit einem einwöchigen Lehrgang statt, wo Greifvogelkunde, Haltung, Ausübung der Beizjagd und allgemeine Rechtsgrundlagen behandelt werden.

Ende Januar 2019 ist dann die Falknerprüfung. Kurz davor gibt es noch ein intensives Lern- und Wiederholungswochenende. Kosten: 530 Euro.

Nähere Informationen gibt's beim Deutschen Falkenorden: www.d-f-o.de

 

 
 
 
 
 
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