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Giftköder

In der Wurst lauert der Tod

Drei tote Hunde, zerkratzte Autos, Giftwürste am Radweg und aufgebrachte Bürger: In Mainstockheim grassiert die Angst vor einem Hundehasser. Wie real ist die Gefahr tatsächlich?
Bürgermeister Karl-Dieter Fuchs sammelte fünf vergiftete Cocktail-Würstchen ein.  Foto: Tobias Schneider
 
Es ist die Angst, die so manchem Mainstockheimer die Kehle zuschnürt, die verhindert, lautstark seiner Wut und Trauer Ausdruck zu verleihen, nach Hilfe zu schreien. Also wird geschwiegen, aus Furcht, wieder zum Opfer zu werden. Wer zu solchen Mitteln greife, sei zu noch mehr fähig, wird unter der Hand gesagt. "Solche Mittel" - damit ist die Auslegung von Giftködern gemeint.

Seitdem drei Vierbeiner qualvoll verendet sind, geht unter den Hundebesitzern die Angst um. Einer, der redet, ist Bürgermeister Karl-Dieter Fuchs. Er steht an einem Tresen in seiner Bäckerei, rührt in seinem Kaffee und sucht nach Antworten. Die dringendste Frage kann aber auch Fuchs nicht beantworten. Sind die Hunde in Mainstockheim mutwillig vergiftet worden? "Sicher weiß ich es auch nicht", sagt Fuchs, selbst Hundehalter. Die Indizien sprächen aber dafür.

Fuchs ist vorsichtig in seinen Formulierungen, die Bürger sind aufgebracht, in erster Linie natürlich die Hundebesitzer. Als Gemeindevorsteher spricht er aber für alle Bürger, auch für diejenigen, die womöglich keine Freude an Kothaufen und Hundegebell in ihrer unmittelbaren Umgebung haben.

Angefangen hatte die leidvolle Giftköder-Geschichte im August vergangenen Jahres.

Damals verendeten zwei Hunde, jeweils waren die Besitzer mit ihren Tieren auf einer Wiese am Main unterwegs. Dass die Hunde tatsächlich an einer Schneckenkorn-Vergiftung eingegangen sind, ist eine Vermutung, kein Beweis. Dann war über Monate Ruhe. Bis Anfang März. Wieder traf es zwei Hunde, diesmal am Ortsrand. Womöglich, auch das ist eine Vermutung, sind die Köder in einen Garten geworfen worden. Ein Welpe starb, eine ausgewachsene Hündin überlebte die Vergiftung nur um Haaresbreite. Eine Obduktion des Welpen brachte den Nachweis einer Vergiftung, allerdings nicht mit Schneckenkorn, einem Pflanzenschutzmittel, sondern einem anderen Gift.

Fuchs war es, der in der Folge mehrere Giftköder gefunden beziehungsweise sich diese von Bürgern übergeben hat lassen. Fünf kleine Würstchen waren es insgesamt, die am Sportplatz und dem daneben gelegenen Radweg gefunden wurden. Äußerlich waren die Würstchen unversehrt. Fuchs schickte die Beweisstücke ans Gesundheitsamt. Der Befund: Alle fünf Würste wiesen erhebliche Spuren von Schneckenkorn auf. "Wahrscheinlich wurde das Mittel zuvor in Wasser aufgelöst und mit einer Spritze injiziert. Man hatte von außen ja nichts gesehen", meint Fuchs.

Der Bürgermeister lief den Fundort gestern erneut ab, am Radweg reihte sich Hundehaufen an Hundehaufen, oftmals nur durch wenige Zentimeter getrennt.

Fuchs schüttelt den Kopf: "Ich kann natürlich verstehen, dass man darüber nicht erfreut ist. Wer einen Hund hält, sollte auch dessen Häufchen entsorgen." Als Rechtfertigung für Giftanschläge, gleich welcher Art, tauge dies natürlich nicht.

Neben den Giftköder-Funden sorgt ein weiterer Vorfall für Erregung: Zwei Hundebesitzer, die ihre Autos an der Ziegelhütte zum Gassi-Gehen abstellten, fanden ihre Fahrzeuge bei der Rückkehr zerkratzt vor. Eine Verbindung zu den Giftködern liegt auf der Hand, ist aber, wie so oft in diesem Fall, reine Vermutung.

Gemeinde und Polizei sind weitgehend machtlos, präventive Schutzmaßnahmen kaum durchzuführen:


"Wir können keine 800 Hektar Flur bewachen", sagt Fuchs. Er baut auf die Aufmerksamkeit der Bürger, genauer hinzusehen, ungewöhnliche Dinge zu melden und dafür zu sorgen, dass die Tiere beim Gassi-Gehen nichts Fremdes fressen. Ratschläge, die auch die Polizei unterbreitet.

Womöglich hatte sich ein ähnlicher Giftköder-Vorfall bereits im Januar in Iphofen zugetragen. Sicher ist aber auch dies nicht. Damals hatte sich eine Bürgerin an die Stadt gewandt, ihr Hund sei mit Schneckenkorn vergiftet worden, eine Tierärztin habe dies bestätigt. Einen Nachweis, der wohl nur durch eine Obduktion zu erbringen gewesen wäre, blieb die Hundehalterin schuldig. "Uns ist darüber hinaus auch kein weiterer Fall bekannt", sagte Hans Übelacker von der Stadtverwaltung. Auch Karl-Dieter Fuchs hat von dem Vorfall gehört. In Mainbernheim und Volkach soll es ebenfalls zu Funden von Giftködern gekommen sein, werde im Dorf erzählt. Nachfragen bei den jeweiligen Verwaltungen verliefen aber negativ.





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