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Gut leben im Alter: Neue Pflegeformen

In Würde altern – das ist ein frommer Wunsch, aber auch leicht daher gesagt. Viele Menschen suchen nach neuen Betreuungsformen für Pflegebedürftige. Eine Möglichkeit ist die 24-Stunden-Pflege durch ausländische Pflegehilfen. Was ist davon zu halten?
Bei den Aktionswochen 60+ lauschten viele Gäste den Ausführungen von Monika Bader (am Pult) über die 24-Stunden-Pflege.
 
von ROBERT WAGNER

In Würde altern – das ist ein frommer Wunsch, aber auch leicht daher gesagt. Denn bei der Frage, wie das gelingen kann, herrscht große Unsicherheit. Die hat auch Herbert Köhl von der Fachstelle für Bürgerschaftliches Engagement und Seniorenfragen am Landratsamt erlebt.

Vor vier Jahren ist Köhl von der Jugendarbeit in den Seniorenbereich gewechselt. Er musste sich erst einarbeiten, habe deshalb sehr bewusst auf die Fragen der Menschen geachtet. Eine, die immer wieder auftauchte, war jene nach den 24-Stunden-Pflegekräften. „Ist das legal? Kann man das machen? funktioniert so etwas? Und wenn ja, was kostet es? Solche Fragen habe ich immer wieder gehört“, erzählt der Seniorenbeauftragte. „Viele Menschen wissen nicht, was sie von solchen Angeboten halten sollen.“

Auch deshalb war die 24-Stunden-Pflege Thema bei der Abschlussveranstaltung der Aktionswoche 60+ des Landratsamtes in der vergangenen Woche. Der große Sitzungssaal des Landratsamtes war gut gefüllt. Neben anderen Experten stellte auch Monika Bader von den „Pflegehelden Würzburg“ ihre Arbeit vor.

Statt in ein Pflegeheim zu gehen, wollen viele Menschen ihre letzten Lebensjahre zuhause verbringen, erklärt Bader. Um das zu ermöglichen, stellen die „Pflegehelden“ und ähnliche Dienstleister den Senioren eine Pflegehilfskraft zur Verfügung. Die meist aus Polen stammenden Menschen leben mit den Pflegebedürftigen unter einem Dach. Im besten Fall sind sie nach kurzer Zeit „Teil der Familie“, wie es Bader ausdrückt. „Es muss auch menschlich passen.“

Die Pflegehilfskräfte, von denen rund 80 Prozent Frauen seien, bleiben in der Regel zwei Monate. Dann würden sie zurück in die Heimat gehen – und nach einiger Zeit zum Arbeiten nach Deutschland zurückkehren. „Wir versuchen, dass sich immer zwei Pflegehilfskräfte auf einer Stelle abwechseln“, erklärt Bader. Dies ist natürlich mit Kosten verbunden. Einen festen Betrag kann die Leiterin der Pflegehelden nicht nennen – dazu unterscheiden sich die Anforderungen in jedem speziellen Fall zu stark. Jedoch bewegt sich die Summe um die 2000 Euro im Monat. Auch bei hohem Pflegegrad bleibt dann ein Teil, der selbst finanziert werden muss. „Nicht jeder kann sich das leisten – leider.“

Die Pflegehilfskräfte kümmern sich um die Bedürftigen, waschen, kochen und gehen einkaufen. Der medizinische Teil muss jedoch weiterhin von einem ambulanten Pflegedienst übernommen werden. „Wir unterstützen und ergänzen den ambulanten Dienst – ersetzen können wir ihn nicht.“

Überhaupt sind es viele rechtliche Fragen, um die sich Bader kümmern muss. Die polnischen Pflegehilfskräfte würden legal über das europäische Entsendegesetz nach Deutschland kommen, seien sozial- und krankenversichert. Man achte auf die Einhaltung von Standards. „Die Pflegehilfskräfte werden nicht ausgenutzt.“

Es kommt nicht von Ungefähr, dass Monika Bader dies betont. „In diesem Bereich gibt es leider einige schwarze Schafe“, erläutert Herbert Köhl. Anbieter, die ihre Pflegehilfskräfte schlecht bezahlen oder erst gar nicht anmelden. Andere, bei denen die Qualität der Pflege zu wünschen übrig lasse.

Das ist es auch, was Helmut Witt vom Haus der Pflege in Kitzingen Sorgen bereitet. Grundsätzlich höre sich das Angebot gut an, doch oft würden die Arbeitskräfte schlecht behandelt. „Bei einer 24-Stunden-Pflege muss man sich schon fragen: Haben die genug Freizeit? Wird das Arbeitsrecht eingehalten?“

Dass fast ausschließlich ausländische Pflegekräfte in der 24-Stunden-Pflege arbeiteten, hätte allein monetäre Gründe, vermutet Witt. Doch daraus könnten eben auch kulturelle Probleme entstehen: Zum Beispiel beim Kochen. „Was kochen sie als Polin einem demenzkranken Franken?“ Gerade für Demenzkranke sei das Essen ein Anker der Erinnerung.

Auch Monika Bader weiß von solchen Schwierigkeiten: In der Arbeit mit alten, schwer kranken Menschen könne es immer Probleme geben. „Da geht es auch darum, unsere Mitarbeiter zu schützen.“ Und auf der anderen Seite natürlich darum, den Pflegebedürftigen zu helfen.

Einig sind sich Monika Bader, Helmut Witt und Herbert Köhl derweil in einem Punkt: Im Bereich der Pflege muss sich dringend etwas tun. Nur eine Vielzahl unterschiedlicher Angebote könne gewährleisten, dass jeder Pflegebedürftige das für ihn passende Konzept findet.

Und wie sollte die Zukunft der Pflege aussehen? Helmut Witt denkt da an Vorbilder in den Niederlanden. Dort gebe es ganze Quartiere, kleine Stadtteile, die ganz auf die Bedürfnisse alter Menschen zugeschnitten sind. Mit einer eigenen Infrastruktur, beispielsweise einem ambulanten Dienst vor Ort.

„Ich glaube, die Zukunft liegt in den alternativen Pflegeformen“, sagt auch Monika Bader. Sie könnte sich selbst vorstellen, später in einer Art „Senioren-WG“ zu leben. Zusammen mit ein paar Leuten könnten sie sich dann ein oder zwei Pflegekräfte teilen, die sie im Alltag unterstützen.

Auch Herbert Köhl kann sich Seniorenwohngemeinschaften gut vorstellen. Im Moment lebten viele alte Menschen noch allein in ihrem viel zu großen Haus. „Die wollen da nicht raus, auch wenn sie selbst total überfordert damit sind.“ Zu der Überforderung komme dann oft noch soziale Vereinsamung. „Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen“, sagt der Seniorenbeauftragte. „Ich denke, dass sich die Kultur langsam wandelt und sich gerade die jüngeren Älteren vorstellen können, sich später einmal mit anderen Menschen zusammen zu tun.“

Ob dann tatsächlich eine 24-Stunden-Pflegekraft zum Einsatz kommt oder eine andere Alternative gefunden wird, ist erst einmal egal. Wichtig ist, und auch da sind sich alle drei Experten einig, dass sich die Menschen frühzeitig mit dem eigenen Altern auseinandersetzen. Nur dann kann es in Würde gelingen.






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