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Region  // Kitzingen

Große Geburtstagsfeier im Casteller Schloss

Da behaupte noch einer, die Blaublütigen sind nicht von dieser Welt: Fürst Albrecht feiert am Donnerstag mit 400 Gästen einen ganz besonderen Geburtstag.
Dankbar: Albrecht Fürst zu Castell-Castell sitzt am Abend gerne vor seinem Schlösschen. Dass er am Donnerstag seinen 90. Geburtstag bei guter Gesundheit feiern kann, betrachtet er als Geschenk Gottes.Foto: N. Hohler
 
von NORBERT HOHLER

Da behaupte noch einer, die „Blaublütigen“ sind nicht von dieser Welt: Jeden Abend sitzen sich Albrecht Fürst zu Castell-Castell und seine Frau Marie-Louise im Salon ihres Schlösschens gegenüber, spielen eine Partie Rummikub.

Mit Verlieren umgehen, den Sieg genießen – beides gehört zu dem Zahlen-Ablegespiel aus Israel. Gehört zum Ritual, das die Beziehung belebt, wie der Fürst festgestellt hat. „Man muss sich konzentrieren, wir machen etwas zusammen: Das ist wunderbar.“

Wer sich insgeheim wundert, warum der Mann, der am Donnerstag mit 400 Gästen seinen 90. Geburtstag feiert, so fit ist, so klar zu denken vermag: Das tägliche Spiel ist ein Mosaikstein, das Treppensteigen ein anderer („ich meide Aufzüge“). Am wichtigsten jedoch, findet der Jubilar „ist die aktive Teilnahme am Leben in der nahen Heimat und in der Welt. Man darf sich das Faulenzen nicht angewöhnen.“

Rege Korrespondenz

Zwei Tageszeitungen, drei Wochenzeitungen, Bücher, Fachaufsätze: Kein Tag vergeht, an dem der Fürst nicht ausgiebig liest, zudem pflegt er rege Korrespondenz. „Ich schreibe meine Briefe mit der Hand. Für die neuen Medien, fürs Skypen mit der weit verstreuten Familie, ist meine Frau zuständig.“

Ohne Gott um Beistand zu bitten, würde der Protestant keinen Tag beginnen. „Noch vor dem Frühstück ist meine erste Lektüre die Losung zum Tag aus dem Wort Gottes. Und wenn morgens um sieben Uhr die Glocken in Castell läuten, bete ich ein Vaterunser. Egal, ob ich im Bad bin, beim Frühstück oder schon unterwegs. Im Vaterunser kommt alles vor, was mir wichtig ist.“

32 Enkel und 28 Urenkel

Das ist jetzt, 25 Jahre nach der Übergabe aller Geschäfte an seinen Sohn Ferdinand, insbesondere die Familie. Alle sechs Kinder sind verheiratet, zur Feier in Castell werden 32 Enkel und 28 Urenkel erwartet. „Der letzte wurde gerade geboren, drei sind in Erwartung. Und das Schönste ist: Alle sind gesund und kommen gerne auf uns zu.“

Albrecht Fürst zu Castell-Castell freut sich, dass keine unerledigten Aufgaben auf ihn warten, Loslassen und Abgeben die bestimmenden Gedanken seines Daseins geworden sind. Letzter Schritt in diese Richtung war nach der Inbetriebnahme des Walderlebniszentrums im Handthal, sich dort nicht mehr zum Beirat wählen zu lassen.
„Ich freue mich sehr darauf, dass ich dieses Zentrum jetzt meiner ganzen Familie zeigen, sie teilhaben lassen kann. Und die Gründe für mein Engagement vor Ort erläutern kann.“

Gerolzhöfer Reiterfreunde

Auf der Gästeliste stehen Menschen aus Bereichen, für die der Fürst die Verpflichtungen längst abgegeben hat, aber eine persönliche Verbundenheit besteht. „So kann ich die Beziehungen weiter erleben.“

Fürst Albrecht nennt als Beispiel den Reitverein Gerolzhofen, von dem zwei Männer kommen, die mit ihm 1950 bei der Gründung dabei waren. Erwartet werden die Reiterfreunde Kurt Mergler aus Sulzheim, Olympiateilnehmer im Vielseitigkeitsreiten, sowie Erich Gehring aus Traustadt. „Die beiden sind altersmäßig am nähesten bei mir.“

Während durch Wald und Flur zu reiten früher zu den Lieblingsbeschäftigungen von Fürst Albrecht zählte, frönt er seit 2006 dem vergleichsweise eher banalen Fußballspiel. „Seit der WM damals schaue ich mir gerne gute Spiele an, am liebsten vom FC Bayern. Ich war sogar einmal in der Allianz-Arena, um die Atmosphäre live zu erleben.“

Über die Würzburger Kickers weiß der Jubilar als aufmerksamer Leser dieser Zeitung zwar Bescheid, mitfiebern jedoch ist seine Sache nicht. „Die Idee mit dem Stadion in Dettelbach gefällt mir. Das passt wunderbar zu Markus Söders Initiative der Dezentralisierung. In Würzburg ist so viel geboten, die Stadt könnte das gut verkraften.“

Bei einer Frage muss der Fürst passen: Einen Lieblingswitz vermag er nicht zu erzählen, „Ich kann mir Witze nicht merken. Und es ist mir ein paarmal passiert, dass ich die Pointe verhaut habe, deshalb lasse ich es lieber.“ Kein Witz ist, weshalb sich der Fürst gelegentlich schon jetzt auf den Herbst freut. „Dann gibt es endlich wieder die Bauernente, mein Lieblingsfleisch.“

Am Donnerstag ist nach dem gemeinsamen Frühstück der Fürstenfamilie um elf Uhr der offizielle Festauftakt mit einem Dankgottesdienst in der Casteller Dekanatskirche. Anschließend folgt ein Empfang im Schloss, ehe die Gäste zum Essen auf dem Festplatz gebeten werden.

Am Abend sind insbesondere die Bürger aus Castell und den Ortsteilen Greuth und Wüstenfelden eingeladen: Ab 19 Uhr kann jeder, der mag, dem Fürsten persönlich zum 90. Geburtstag gratulieren. Gute Wünsche könne es in seinem Alter gar nicht genug geben, sagt er und lächelt. Fürst Albrecht freut sich auf den Abend, „und zu essen gibt es auch was“, fügt er an.

Kein Verlierer

Gewiss ist: Die Rummikub-Partie mit seiner Frau Marie-Louise muss am Donnerstagabend ausfallen, verlieren wird am 13. August keiner. Für die Schar der Gratulanten kann Albrecht Fürst zu Castell-Castell also sein strahlendstes Lächeln aufsetzen – ein Sieger ist er mit seinen 90 Jahren und in dieser Verfassung sowieso.

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