Region // Kitzingen
Faultier Sid und Otto Waalkes zum Anfassen im Dettelbacher Kino
Das animierte Faultier "Sid" und sein deutscher Stimmgeber Otto Waalkes mischten am Sonntag das Cineworld auf. Der Ostfriese sprach über sein Leben mit einem Faultier...
Wirklich gute Komiker sind in der Lage, mit einer einzigen Geste oder einem Ton ein ganzes Kino zum Lachen zu bringen. Otto Waalkes kann das - bewiesen erst am Sonntag im Mainfrankenpark in Dettelbach. Im Cineworld stellte der 63-jährige Ostfriese den Kinofilm "Ice Age 4" vor, in dem er erneut dem Faultier "Sid" seine Stimme leiht. Seit dem Deutschland-Start am 2. Juli haben rund drei Millionen Kinogänger den Film gesehen.
Wieder bestehen das Mammut "Manni", Säbelzahntiger "Diego" und Otto als Faultier Sid allerhand Abenteuer. Ein solches war die Fahrt für Otto nach Dettelbach nicht. Bereits zum dritten Mal kam der Komiker ins Cineworld. Mit im Gepäck war diesmal aber tatsächlich das Faultier "Sid". Das prähistorisch-ostfriesische Duo mischte sich auf dem roten Teppich unter die Fans und gab Autogramme. Otto genoss das Bad in der Menge, war quirlig wie man ihn kennt und sorgte für einen Lacher nach dem anderen.
Unser Mitarbeiter Tom Müller hat sich mit Otto unterhalten.
Tom Müller: Hier im Kino warten Hunderte von Menschen auf Dich. Was ist das für ein Gefühl?
Otto: Das ist nach wie vor eine künstlerische Bestätigung. Wenn dir nach so vielen Jahren alle Altersgruppen noch so zujubeln, meine Projekte toll finden oder mich akzeptieren, das ist doch herrlich. Da freut man sich und das gibt auch Kraft. Ich brauch' das auch irgendwie. Es ist wie eine Droge.
Wie lange hat es gedauert, bis Ice Age vertont war?
Naja, man bekommt den Film erst einmal zu sehen. Und dann sitzt du da im Studio und hast 700 bis 800 Takes vor dir, jeden Tag ungefähr zehn Stunden. Du sagst bestimmt fünfmal den Satz (spricht wie Sid): "Nun kommt doch endlich her" und immer wird er abgelehnt. Dann sagst du einmal "Nun kommt doch endlich her, hollaridüh" und das ist es dann. Dafür braucht man schon so drei bis vier Wochen.
Du leihst Sid die Stimme. Woher kommen denn die Worte, die Du für ihn sprichst? Liegt Dir ein Drehbuch vor oder bist Du in der Wortwahl frei?
Wir bekommen das fertige Produkt vorgelegt. Das zu vertonen ist schwierig, aber ich habe die Freiheit, etwas Otto-Spezifisches einfließen zu lassen (jodelt kurz), so wie es die Figur mit den Lippenbewegungen zulässt. Ich bin mittlerweile auch vorab mit den Zeichnern zusammen. Die passen die Gestik von Sid schon mal meiner an (gackert und schnalzt).
Was hat dich dazu bewegt, Sid deine Stimme zu leihen?
Ich war ursprünglich gar nicht für Sid vorgesehen. Aber mir hat das Wesen ganz gut gefallen, dieser wunderbar stromlinienförmige Körper, dieses samtweiche Fell und der naive Charme. Außerdem hat Sid die grandiose Einstellung, immer das Beste aus allem zu machen. Das entspricht einfach meinem Wesen. Die Otto-Stimme passt da gut rein. Mittlerweile ist es ja nicht mehr so, dass Sid ein Faultier mit der Stimme von Otto ist. Stimme und Figur sind zusammengewachsen. Wir sind ein Wesen.
Sid ist im Film ja auch mal traurig. Wenn Otto mal traurig ist, was machst Du dann?
Dann setz ich mich in ein Eck und warte bis der Anfall vorüber ist (lacht). Nein, wenn es mir mal nicht so gut geht, schnapp ich mir die Gitarre und spiele. Meine Gitarre ist für mich wie Mediation.
Gibt es ein Synchronsprecher-Leben nach Sid?
Als richtiger Synchronsprecher fühle ich mich nicht. Den ganzen Tag in einem abgedunkelten Studio zu stehen und etliche Male immer den gleichen Satz zu sagen, das ist schon sehr anstrengend. Aber wie es nach "Ice Age" weitergeht, kann ich jetzt noch gar nicht sagen. Momentan fühle ich mich wie Sid. Ich wache morgens auf und sage: "Liebling, machst du mir mal Frühstück" (nuschelt dazu wie Sid und räuspert sich). Kein Wunder, dass ich momentan wieder solo bin. Das hält niemand lange aus.
Was sind Deine nächsten Projekte?
Ich geh im nächsten Jahr wieder mal auf Tour in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dann schweben mir neue Filmprojekte vor, vielleicht ein Animationsfilm mit Ottifanten. Oder ich spiele eine Rolle in "James Blond - Du lachst nur einmal". Ich kann mir auch die Trilogie der Zwerge vorstellen. Wenn man so einen Erfolg hat wie jetzt mit Sid, dann hast du auch einen gewissen Freiraum bei den Filmstudios.
Wie beurteilst Du denn die deutsche Comedy-Szene?
Es gibt heute viel mehr Sender als zu meiner Anfangszeit. Die bieten vielen jungen Talenten eine Plattform. Für mich ist das wie ein Füllhorn. Ich kann dann einige nehmen und mit ihnen ein neues Filmprojekt machen. In meinem nächsten Film wünsch ich mir, dass Hape Kerkeling einmal Frau Holle spielt. Er hat aber noch nicht zugesagt.



















