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Region  // Kitzingen

Eisige Aussichten

Fränkische Obstbauern und Winzer müssen sich auf Spätfrostschäden einstellen
(huGO-ID: 35665733) This picture taken on April 21, 2017, shows a Chablis vineyard hit by freeze in Chablis near Auxerre, northern France, as the frost damaged part of French wineyards and orchards.     / AFP PHOTO / PHILIPPE DESMAZES FOTO PHILIPPE DESMAZES
 

Zwischen Schock und Gelassenheit. So lässt sich die Stimmungslage nach den letzten beiden Frostnächten in Franken zusammenfassen.

„Das war schon brutal“, sagt Thomas Riehl, Fachberater für Obstbau am Amt für Ernährung und Landwirtschaft in Kitzingen – und meint damit vor allem die Temperaturen in der Nacht auf Donnerstag und ihre Auswirkungen für die örtlichen Obstbauern. Teilweise sei es zu massiven Schäden gekommen. Kein Wunder bei Minusgraden von teils sechs Grad Celsius und Apfelbäumen, die mitten in ihrer Blütephase sind. Noch schlimmer habe es allerdings diejenigen Zwetschgenplantagen getroffen, in denen sich schon kleine Früchte gebildet hatten. „Die sind noch empfindlicher gegen Frost“, erklärt Riehl, der die Folgen der Frostnächte dennoch relativiert. Von einem Totalausfall sei das fränkische Anbaugebiet weit entfernt. Aber einzelne Betriebe müssten nach derzeitigem Stand von Ertragsbeinbußen von 50 bis 60 Prozent ausgehen. „Frost hat es überall gegeben“, sagt Riehl. „Aber die Schäden sind regional sehr unterschiedlich.“

Für die Gemüsebauern in der Region waren die Frostnächte dagegen kein Problem. „Wir hatten ja noch alles mit Vlies abgedeckt“, berichtet Christian Gräbner aus Etwashausen. Eventuell kann es bei empfindlichen Kulturen wie frisch gepflanzten Sellerie oder Lauch zu kleinen Schäden gekommen sein. „Aber das sehen wir erst in ein paar Wochen.“ Minus 5,2 Grad Celsius hat der Gemüsebauer in der Nacht zu Donnerstag gemessen. Ein paar Grad weniger müssten es sein, um die Kulturen tatsächlich in Gefahr zu bringen.

Für manche Winzer haben die Minusgrade ausgereicht. Vor allem vom Untermain hat Artur Steinmann Schlimmes gehört. Dort war der Austrieb schon deutlich weiter als beispielsweise in den Hängen am Steigerwald. „Es ist aber alles noch sehr diffus“, meint der Weinbaupräsident. Aus Sommerach seien ihm relativ große Schäden gemeldet worden, aus dem nahen Nordheim so gut wie keine. „Die Aussagen sind noch nicht belastbar“, meint Steinmann, stellt eines aber klar: Von einer Weltuntergangsstimmung könne keine Rede sein. Die fränkischen Winzer müssten sich allerdings auf weitere Frostnächte einstellen. Vielleicht schon in den kommenden Tagen. Sicherlich in den kommenden Jahren.

Die Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) experimentiert schon seit Jahren mit Methoden, die gegen den späten Frost in den Weinbergen helfen könnten. Beregnungsanlagen, Paraffinöfen, Hubschrauber, die die kalten Luftmassen verwirbeln. Weinbaupräsident Steinmann setzt seine Hoffnungen auf ein ganz anderes Mittel, das Hausfrauen und Hausmänner von ihrer Küche kennen: Rapsöl oder Sonnenblumenöl.

Experimente mit Rapsöl

Seit zwei Jahren experimentiert die LWG mit Rapsöl in den Weinbergen. Markus Müller erklärt die Vorgehensweise: Im Februar wird das Öl in den Weinbergen gespritzt, die verschlossene Knospe bleibt bis Ende April verklebt, der Austrieb verzögert sich damit um ungefähr zwei Wochen. „Genau das ist auch das Ziel“, erklärt Müller. Diese zwei Wochen könnten schon helfen, die schlimmsten Spätfröste in Zukunft zu überstehen. Die Vorteile des Verfahrens liegen auf der Hand: Das Produkt ist umweltverträglich und noch dazu sehr günstig. Die Behandlung könnte in einer ansonsten eher arbeitsarmen Zeit erfolgen. Eine Zulassung dieses Verfahrens ist im Moment allerdings nicht in Sicht. „Die ist gar nicht so einfach“, berichtet Müller. Gesetzliche Vorgaben müssten eingehalten werden, eine Dokumentationspflicht wäre Vorschrift. Stand heute soll das Projekt Ende des Jahres auslaufen – sicher nicht zur Freude von Artur Steinmann. Der ruft die Winzer dazu auf, sensibler mit dem Thema Frost umzugehen. Steinmann kann sich noch an das Jahr 1985 erinnern und einen Winterfrost, der zu einem kompletten Ernteausfall führte.

25 Jahre lang haben die fränkischen Winzer dann nicht mehr mit Frösten zu kämpfen gehabt, bis der Spätfrost 2011 zumindest einige Weinbauern aufrüttelte. „Aber die Schockphase sitzt offensichtlich noch nicht tief genug“, warnt Steinmann. Die neue Generation Winzer müsse sich unbedingt mit diesem Thema beschäftigen. Denn: „Die nächsten Fröste kommen bestimmt.“



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