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Ein notwendiges Übel

Das Frühjahr ist auch Gülle-Zeit. Neue Technologien sorgen für weniger Gerüche
Auf einer Breite von 15 Metern wird die Erde so bearbeitet.
 

Wenn das Wetter schöner und die Temperaturen wärmer werden, dann hat man sie wieder häufiger in der Nase: die „gute Landluft“. Im Unterton schwingt mit: Von Zeit zu Zeit riecht es in ländlichen Gegenden etwas streng. Grund ist die Gülleausbringung im Frühjahr. Unangenehm, aber notwendig.

Landwirte nehmen Rücksicht

Es ist nicht so, als hätten die Landwirte kein Verständnis für den Unmut der Bevölkerung. „Wir geben uns wirklich alle Mühe, aber wir können uns nicht unsichtbar machen“, erklärt Alois Kraus, Kreisobmann des Bauernverbands Kitzingen. Er und seine Kollegen würden versuchen, die Geruchsbelästigung so gut wie möglich zu reduzieren. „Ich bemühe mich zum Beispiel, keine Gülle auf Feldern südlich der Ortschaft auszubringen, wenn der Wind von Süden weht.“ Das sei natürlich nur bedingt kontrollierbar. Es geht aber auch simpler. „Man kann zum Beispiel darauf verzichten, am Samstagnachmittag mit dem Güllefass durch den Ort zu fahren“, ergänzt Helmut Schmidt, stellvertretender Kreisobmann.

Mit seinem Betrieb ist er Teil eines kleinen „Zentrums“ für Schweinehaltung, ein wenig außerhalb des Martinsheimer Ortsteils Unterickelsheim. „Hier stehen in einem Umkreis von 300 Metern ungefähr 4000 Schweine“, erklärt er. Das sei eine große Ausnahme: „Die Viehwirtschaft ist insgesamt massiv rückläufig.“ Tatsächlich sei die sogenannte „Viehdichte“, also Großvieheinheit pro Hektar, in der Region nur etwa halb so hoch wie in Oberbayern. Es könnte also auch deutlich schlimmer sein mit der Gülleausbringung, dennoch kämen immer wieder Beschwerden aus der Bevölkerung. „Früher gab es mehr Landwirte, da gehörte das für die Leute einfach mehr zur Normalität“, vermutet Helmut Schmidt.

Tatsächlich seien die innerorts gelegenen Betriebe, die es früher in jedem Ort gab, vom Aussterben bedroht, berichtet Alois Kraus, der selbst noch einen solchen Betrieb führt. Oft findet sich kein Nachfolger, und um wirtschaftlich zu arbeiten mussten viele Landwirte ihre Betriebe erheblich vergrößern – und damit vor den Ortsgrenzen ansiedeln.

Technik wird immer größer

Ein weiterer Grund hängt direkt mit der Gülleausbringung zusammen. Seit einiger Zeit ist eine neue Technik im Einsatz, die schlicht die Platzkapazitäten vieler Höfe sprengt. Eine Spannweite von 15 Metern hat beispielsweise der sogenannte Schleppschuh, der bei der Ausbringung wie ein Rechen den Ackerboden in langen Linien aufbricht, und die tierischen Hinterlassenschaft gleichzeitig direkt in die Erde spritzt. Das bringt erhebliche Vorteile, was die Geruchsbelästigung angeht. „Die Zeit, als alle Felder im Frühjahr schwarz waren, ist vorbei“, erklärt Helmut Schmidt an einem Winterweizen-Acker, der am Vortag erst bearbeitet wurde. Nahezu kein Geruch oder sichtbare Güllespuren.

An einem Feld in der Nähe ist der Schleppschuh gerade im Einsatz. Auch hier hält sich der Geruch deutlich in Grenzen. Doch so effektiv die neue Technik auch ist: „Der Nutzen ist nicht so groß, wie die Technik teuer ist“, merkt Helmut Schmidt an. Die Anschaffung der neuen Geräte werde zwar vom Staat bezuschusst, sei für den Einzelnen aber kaum zu stemmen. Deshalb habe sich Schmidt das Gespann, das den Neuwert eines Einfamilienhauses innehat, zusammen mit sieben Kollegen angeschafft.

Bald werde nur noch Düngung auf diese Art erlaubt sein, vermutet Schmidt. Es ist die fortschreitende Technisierung einer Jahrtausende alten Prozedur. „Das Prinzip war schon immer gleich. Nur die Art der Ausbringung ändert sich“, macht Kreisobmann Alois Kraus deutlich. Die tierischen Hinterlassenschaften enthalten Stoffe, die den Bedarf der Pflanzen optimal ergänzen. Dazu hält das Düngen einen Kreislauf in der Landwirtschaft aufrecht. Die Exkremente werden mittlerweile durch Rillen im Boden direkt aus dem Stall in große Behälter abgeführt und gesammelt. Später werden damit die Felder gedüngt, wo unter anderem wieder Futter für die Tiere erzeugt wird. „Wir haben allerdings nicht genug Fläche, um genug Futter für unsere Tiere zu produzieren. Deswegen beziehen wir das auch von anderen Betrieben, die dafür keine Viehhaltung haben und deswegen Gülle brauchen“, erklärt Helmut Schmidt.

Der Vorgang des Düngens basiert dabei auf wissenschaftlichen Erkenntnissen: Der Nährstoffgehalt der Gülle wird regelmäßig gemessen, ebenso der Bedarf der Böden. Der generelle Bedarf der Pflanzen ist bekannt, und somit wird die Gülleausbringung zur simplen mathematischen Aufgabe. Nur die benötigte Menge wird auf das Feld gebracht, versichert Alois Kraus. Der perfekte Zeitpunkt sei aber nun einmal leider dann, wenn es auch den Menschen in die Natur zieht: „Jetzt beginnt alles zu grünen, jetzt brauchen die Pflanzen die Nährstoffe. In zwei Monaten sind die Pflanzen schon zu groß, um noch mit schwerem Gerät auf die Felder zu fahren“, erklärt Helmut Schmidt.

Nitratwerte sind Altlasten

Durch erhöhte Nitratwerte im Grundwasser waren die Landwirte zuletzt immer wieder in Kritik geraten. Der Vorwurf: Überdüngung. Helmut Schmidt widerspricht: „Nitrat braucht rund 20 Jahre, bis es im Grundwasser ankommt. Früher gab es einfach noch mehr Tiere, daher wurde mehr gedüngt.“ Zudem sei in einer niederschlagsarmen Region wie Unterfranken der Verdünnungseffekt geringer, so Alois Kraus. Jetzt sähe die Tendenz schon anders aus, dank effizienteren Düngemethoden und neuen Erkenntnissen im Ackerbau. Gänzlich ohne Gülle gehe es aber nicht. „Ohne Dünger muss man immer wieder Felder brach liegen lassen, damit sich der Boden erholt. Langfristig kann man nur mit dem halben Ertrag rechnen“, so Schmidt.

Die Beschwerden der Anwohner über die Vorgehensweise mancher Kollegen und die strengen Gerüche seien aber mitunter berechtigt, gibt Schmidt zu: „95 Prozent der Landwirte geben sich wirklich Mühe, aber es gibt eben auch Ausnahmen. Da gibt es Situationen, wo auch wir sagen, das hätte nicht sein müssen.“



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