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Region  // Kitzingen

Ein Prosit auf den Gerstensaft

Produkte aus der Region liegen im Trend: Davon profitieren auch die heimischen Brauereien. Was sie zum „Tag des Bieres“ vorhaben:
Bei der Brauerei Kesselring trafen sich die mainfränkischen Bierbrauer (von links) Friedrich Düll (Düll/Krautheim), Karl-Heinz Pritzl (Kauzen/Ochsenfurt), Karl Wolf (Wolf/Rüdenhausen), Peter-Michael Himmel (Kesselring/Marktsteft), Erik Löschner (Sternbräu/Albertshofen), Dietrich Oechsner (Oechsner/Ochsenfurt) und Sebastian Rank (Düll/Gnodstadt).
 
von NORBERT HOHLER

An einem lässt Friedrich Düll keinen Zweifel: „Wir mittelständischen Brauereien sind gut vernetzt und halten zusammen gegen die Großbrauereien“, betont der frühere Präsident des Bayerischen Brauerbundes.

Konzerne würden mit Lockangeboten zu 9,99 Euro pro Kasten Bier um die Kunden in der Region buhlen. „Die verkaufen mehr als 70 Prozent als Aktionsware. Sonst würden die in der Region kaum etwas losbekommen, ihre Biere würden auf Dauer aus den Regalen verschwinden“, ergänzt Kollege Peter-Michael Himmel.

Selbstbewusst sind sie, die Bierbrauer aus der Region. Vor dem „Tag des Bieres“ (23. April) trafen sie sich diesmal in Marktsteft: Neben den Gastgebern Peter-Michael und Eckhard Himmel von der Kesselring-Brauerei waren auch Friedrich Düll (Düll, Krautheim), Karl-Heinz Pritzl (Kauzen, Ochsenfurt), Dietrich Oechsner (Oechsner, Ochsenfurt), Sebastian Rank (Düll, Gnodstadt), Karl Wolf (Wolf, Rüdenhausen) und Erik Löschner (Sternbräu, Albertshofen) mit von der Partie.

Umdenken der Verbraucher

Die lokalen Brauereien profitieren nachhaltig vom Umdenken der Verbraucher: Stark nachgefragt werden nun schon seit geraumer Zeit Produkte aus der Region, am besten aus direkter Nachbarschaft. „Den Leuten ist zum Glück wieder bewusst geworden, dass wir unser Bier vor Ort produzieren, mit Quellwasser, Malz und Gerste aus der Region oder dem näheren Umfeld“, frohlockt Peter-Michael Himmel.

Da die genannten Brauereien im Radius von 30 bis 40 Kilometern den Löwenanteil ihrer Produktion verkaufen, sind die Vertriebswege entsprechend kurz. „Wir müssen die Haltbarkeit nicht mit Zusätzen künstlich verlängern wie die Großen. Und natürlich ist es umweltfreundlicher, Bier nicht weiter als nötig durch die Landschaft zu fahren“, sagt Karl-Heinz Pritzl, der Vorsitzende der Gemeinschaft „Mainfranken-Bier“.

Reinheitsgeobt ausgeibig gefeiert

2016, da sind sich alle einig, war ein gutes Jahr. Und ein besonderes obendrein, schließlich wurde der 500. Geburtstag des Reinheitsgebotes von 1516 ausgiebig gefeiert. „Dadurch war die Aufmerksamkeit von Politik, Medien und Öffentlichkeit riesig“, so Friedrich Düll. Das habe sich etwa bei der Wanderausstellung „Die Wächter des Reinheitsgebotes“ gezeigt, bei der 100 bayerische Brauer in großformatigen Bildern porträtiert worden waren. „Im Raum München waren die Zeitungen voll mit Fotos.“

Auch die zahlreichen Feste und Veranstaltungen zum 500. Geburtstag des Reinheitsgebotes seien gut besucht gewesen. Herausragend sei das Festwochenende in Ingolstadt mit Kanzlerin Angela Merkel gewesen. „Wir Brauer haben drei Tage nur gefeiert“, frohlockte Friedrich Düll.

Landesausstellung gut besucht

Nach Anlaufproblemen sei auch die Landesausstellung in Aldersbach im Passauer Land gut gelaufen: 169 000 Besucher waren in die Klosterbrauerei gekommen, hatten sich die Ausstellung „Bier in Bayern“ angesehen. Bierherstellung und Bierhistorie sei dort anschaulich gezeigt worden, „und probiert werden konnte natürlich auch“, bemerkte Dietrich Oechsner mit einem Lächeln.

Eine schreckliche Tragödie, der Amoklauf von München am 22. Juli mit zehn Toten, hat die bayerischen Brauereien kalt erwischt: Statt mit Gästen aus aller Welt an mehreren Plätzen der Stadt zu feiern, herrschte blankes Entsetzen. „Wenn GSG-9-Beamte mit Maschinenpistolen vor den Stand rennen und 'Raus, raus!' rufen, ist die Gefahr plötzlich ganz nah,“ so Karl-Heinz-Pritzl. Natürlich habe man angesichts der Toten dann Samstag und Sonntag nicht gefeiert. „Für die beteiligten Brauereien zwar ein hoher sechsstelliger Verlust. Aber was ist Geld angesichts von Verletzten oder Toten“, sagte Friedrich Düll. Das wollte niemand aufrechnen, zumal die Bierbrauer 2016 ja trotzdem ein kleines Absatzplus erzielt haben.

Kostenfaktor Rohstoffpreise

„Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Aber es ist eine sportliche Leistung, in einem schwierigen Umfeld noch zuzulegen“, bilanzierte Gastgeber Himmel. Bei den Prognosen fürs laufende Jahr waren sich alle einig: Vieles sei abhängig von den Rohstoffpreisen – sprich den Preisen für Hopfen, Gerste und Malz. Die Vorzeichen seien eher negativ, weil Flächen an den Rapsanbau verloren gingen, sprich „Tank vor Teller“ komme. In Unterfranken sei noch vor 20 Jahren 35 000 Hektar Braugerste angebaut worden, 14 000 seien heute übrig geblieben.

Langfristig werde es schwer sein, das Absatz-Niveau bei Bier zu halten: Das Wirtshaussterben geht weiter, Sportvereinen fehlen Aktive (und Sportheimen damit Besucher), auch Kneipen- und Kartenabende gingen unaufhaltsam zurück. „Es kann nicht mehr viel sterben,“ findet Sebastian Rank, der ein Lob von Kollege Pritzl kassiert: Rank habe als einer der Wenigen früh die Zeichen erkannt, die Brauerei in Gnodstadt verkleinert, auf bodenständige fränkische Küche gesetzt. „Das Konzept als Brauereigaststätte funktioniert.“

Keine Illusionen

Doch auch dort sei bisweilen die Frage, wie man sicher nach Hause kommt. „Viele Leute feiern inzwischen lieber auf der eigenen Terrasse oder im eigenen Garten, weil sie dann nicht mehr ins Auto steigen müssen“, so Peter-Michael Himmel. Und während sich manche Berufsgruppen einiges von den Migranten erhoffen – sei es als Arbeitskräfte oder Konsumenten – geben sich die Bierbrauer keinen Illusionen hin. „Moslems und Bier gehen nicht zusammen“, erklären sie unisono.

150 Liter Bier seien in Deutschland in den Jahren nach der Wiedervereinigung von 1990 pro Person im Schnitt getrunken worden, jetzt sind es 105. Dass die anwesenden Brauereien gut im Geschäft sind, habe auch mit einer starken Marktbereinigung zu tun: Früher hatte fast jeder Ort seine eigene Brauerei, allein in Kitzingen gab es fünf. So betrachtet sind die Aussichten also doch ganz gut!

Wichtige Termine mainfränkischer Brauereien

• Die Gemeinschaft Mainfranken-Bier lädt zum „Tag des Bieres“ auf den Würzburger Marktplatz. Am 25. April (ab 16 Uhr) schenken sechs Brauereien Freibier aus; auch die Bayerische Bierkönigin Sabine Ullrich aus Bürgstadt wird dabei sein.

• Die Brauerei Düll in Gnodstadt wartet zu ihrem Fest am 28. April (19.30 Uhr) mit einem Novum auf: Mit SPD-Fraktionschef Markus Rin- derspacher (47) redet dort erstmals ein „Roter“.

• Seinsheimer Kellerbier wird am 28. April (19 Uhr) zum Tag des Bieres der Landkreis-CSU ausgeschenkt. Hauptrednerin Monika Hohlmeier (54) ist Abgeordnete im Europaparlament.

• Die Brauerei Kesselring in Marktsteft stellt Interessierten ihre neue Abfüllanlage im Herbst an einem „Tag der Offenen Türe“ vor. Der genaue Termin steht noch nicht fest.

• Bei Friedrich Düll in Krautheim gibt es am 21. Mai eine Premiere: Zusammen mit dem Sportverein gibt es Bierwanderungen mit Verkostungen rund um den Volkacher Ortsteil.

• Für die Kauzen-Brauerei in Ochsenfurt ist das Bratwurstfest (3. bis 6. Juni) ein Höhepunkt, ebenso das Hopfenzupfen am 2. September.

• Die Oechsner-Brauerei lädt zu den Herbst-Impressionen nach Ochsenfurt am 29. September (Kabarett), 13. Oktober (Gedichte und Wortbilder) und 27. Oktober (Ochsenfurter Saxtett).

• Die Brauerei Wolf in Rüdenhausen hat am Sonntag, 13. August, ihr Kellerfest. Auch zur Kirchweih (ab 26. August) soll es hoch hergehen.

• Die Sternbräu Albertshofen lädt Bierfreunde wieder im September zum Herbstfest; der genaue Termin steht noch nicht fest.

 


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