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Ein Kleinod barocker Orgeltradition

Es war schon etwas besonderes, was der Organist und Musikwissenschaftler Harald Wießner in der Gaibacher Kreuz-Kapelle vorstellte. So überraschte es nicht, dass die kleine Rundkirche auf dem Sonnenberg an der Straße nach Kolitzheim bis auf den letzten Platz besetzt war, als er die Zuhörer mit nahm auf eine Zeitreise, wie er zur Begrüßung sagte.
Harald Wießner an der historischen Orgel der Kreuz-Kapelle in Gaibach.
 
von ELISABETH VERSL-WAAG

Es war schon etwas besonderes, was der Organist und Musikwissenschaftler Harald Wießner in der Gaibacher Kreuz-Kapelle vorstellte. So überraschte es nicht, dass die kleine Rundkirche auf dem Sonnenberg an der Straße nach Kolitzheim bis auf den letzten Platz besetzt war, als er die Zuhörer mit nahm auf eine Zeitreise, wie er zur Begrüßung sagte.

Vor mehr als 350 Jahren, zur Zeit des 30-jährigen Krieges, sind die Orgeltabulaturen geschrieben worden, die Wießner in der Kirchenbibliothek seiner Heimatstadt Neustadt an der Aisch entdeckt hat. Eben aus dieser Zeit sind die ältesten Teile der fast komplett erhaltenen Orgel, die der Bamberger Hoforgelmacher Adam Philipp Schleich im Auftrag des Kurfürsten Lothar Franz von Schönborn im Jahr 1699/1700 gebaut hat.

„Eine kleine musikhistorische Sensation“ sei der Fund der Orgeltabulatur aus dem frühen 17. Jahrhundert, beschreibt es Harald Wießner. Sie sei eine eigene Art der Musiknotation, die wie eine Geheimschrift aussieht und wegen der Kriegswirren größtenteils verloren ging. Die Neustädter Handschriften aus einem aufgelösten Kloster überlebten nur, weil sie in einem separaten Raum der Stadtkirche aufbewahrt wurden und dadurch mehrere Brände unbeschadet überstehen konnten, erfuhr das interessierte Publikum von Bibliothekar Reinhold Ohlmann.

Umfangreiche Recherchen musste Wießner anstellen, um auch die dritte Tabulatur zuordnen zu können. In der Turiner Nationalbibliothek wurde er fündig. Wie auch eines der beiden anderen Werke, ist es von einem Nürnberger Komponisten geschrieben worden. Nirgendwo sonst seien diese Stücke von Valentin Dretzel (1578 – 1658) erhalten und damit eine absolute Neuentdeckung, erklärte Wießner in seiner Einführung.

Ideales Instrument für diese Musik

Eine Orgel in solch einem Originalzustand vorzufinden, wie „dieses Kleinod barocker Orgelbautradtition Frankens“, sei wie ein Sechser im Lotto begeisterte sich Orgelbaumeister und Restaurator Hans-Georg Vleugels. Sogar die Bälge und Metallpfeifen seien noch zu 80 Prozent erhalten, wenn auch ganze Generationen von Fledermäusen ihnen zugesetzt hätten. Bei der Einweihung der sechsregistrigen Kleinorgel im Jahr 1700 wurde nur mit den Manualen gespielt. Rechnungen belegen, dass das Pedal erst zwei Jahre später hinzukam, wusste Vleugels.

Eine Kostprobe aus der CD-Einspielung der Neustädter Orgeltabulatur auf diesem historischen Instrument gab Organist Harald Wießner. Kurze Stücke – Miniaturen, wie Präludien und Fugen, Partiten, Couranten und Toccaten, von Johann Erasmus Kindermann (1616–1655) Nürnberg, von Christian Michael (um 1593–1638), Kantor in Leipzig und von Valentin Dretzel (1578–1658) Organist in St. Sebald, Nürnberg. Harald Wießner, geboren 1965 in Neustadt an der Aisch, studierte Klavier und Kirchenmusik und lebt als Dozent und freischaffender Organist, Pianist und Cembalist in Lüneburg.

Musikwissenschaftler Professor Gerhard Aumüller rezensiert die CD-Aufnahme Harald Wießners wie folgt: „Mit der originalen Kleinorgel hat der Interpret ein ideales Instrument gefunden, das den kleinen Kapellraum mit berückender Klangfülle und Klangvielfalt ausfüllt.“ Das sei einfach schöne Musik, mit Kunst und Leidenschaft interpretiert.

Das bestätigte auch der lebhafte Applaus nach dem gut eineinhalbstündigen Konzert des Kirchenmusikers und Dozenten.

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