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Die Bayernmonarchen und ihr Hoflieferant

Der Ur-Opa hat es erarbeitet, die Nachfahren in der Kitzinger Weinkellerei Meuschel vermarkten ihn: den Titel „Königlich Bayerischen Hoflieferant“. Wie kam's dazu?
Wein-Tradition verpflichtet. Bei einer großen Vergangenheit ohnehin, auf die die Kitzinger Weinkellerei Meuschel zurückschauen kann: 1903 ernannte Prinzregent Luitpold von Bayern den Betrieb zum „Königlich Bayerischen Hoflieferanten“. Den Titel trägt jetzt auch eine Premiumlinie des Hauses – mit Weinen des extrem sonnenstarken Jahrs 2015, die die Inhaber Christian und Johannes Meuschel jetzt vermarkten. Der Weg in königliche Lieferanten-Höhen war den Wein-Vorfahren der Meuschels nicht eben vorgezeichnet. Pure Geldnot zwang – laut einer Festschrift von 1909 – den Buchbrunner Weinbergsbesitzer Johann Wilhelm Meuschel 1826 dazu, eine Fuhre Wein auswärts zu verkaufen, weil in Franken nichts mehr ging. Es gab schlicht zuviel Wein. Aus der ersten Fuhre, die Fass für Fass bis nach Ostheim in die Rhön ging, wurde ein Weinhandelsgeschäft, das der Sohn 1845 gründete. Das war so erfolgreich, dass der Umzug an einen größeren Standort – Kitzingen – nötig machte. Schließlich verkaufte das Haus nicht nur edle Tropfen anderer Weingüter, sondern auch von eigenen Weinbergen in Kitzingen, Thüngersheim oder der Pfalz. Die Weingroßhandlung Meuschel, die nach zwei Zwischenstationen am heutigen Standort in der Inneren Sulzfelder Straße landete, fiel dem bayerischen Königshaus auf, wurde mit Urkunde vom 10. März 1903 „Königlich Bayerischer Hoflieferant.“ Die Ernennung hängt in der guten Stube der Weinkellerei. Auf ihrer Rückseite klebt noch ein Hinweis, auf den der damalige Meuschel-Chef Wilhelm Meuschel jr. sehr stolz gewesen sein dürfte: „Mit dem K. Hoftitel ist das Recht verbunden, das grosse Königliche Wappen mit Mantel und Ordensketten in der Firma zu führen“, schreibt da der Königliche Obersthofmeister. Damit nicht genug: Am 7. Juni 1909 besucht Prinz Ludwig von Bayern (als Ludwig III. ab 1913 der letzte bayerische König) die Meuschelsche Kellerei – mit rund 300 Menschen im Gefolge. Eine Festschrift vermeldet, dass seine „Kgl. Hoheit“ vor dem 20 000-Liter-Hoflieferanten-Fass im rund elf Meter tiefen Kellergeschoss verharrte, in das die Köpfe der vier Generationen des Herrscherhauses eingeschnitzt waren. Aus dem Fass, das noch existiert und inzwischen als Probierstube dient, ließ sich Ludwig dann noch einen Schoppen vom Repperndorfer Wilhelmsberg ausschenken. Die königliche Weinvergangenheit ziert jetzt vier Bocksbeutel aus dem Hause Meuschel. Riesling, Silvaner, Kerner und Traminer entstammen dem sonnenverwöhnten Jahrgang 2015, der den Tropfen laut Johannes Meuschel teilweise mehr als hundert Grad Oechsle bescherte. Die Idee, den „herausragenden Weinen“ des Jahrgangs ein Namens-Extra mitzugeben, habe Bezirks-Weinbauberater Hermann Mengler bei einer Verkostung ins Spiel gebracht, so Bruder Christian. Das Alleinstellungsmerkmal, das jetzt samt Wittelsbacher Herrscherwappen auf den Flaschen prangt, entstammte dann der Urkunde vom 1903. Ein trocken ausgebauter Silvaner trifft sich im „Königskarton“ mit drei edelsüßen Gewächsen, die Christian Meuschel als „Pralinen“ bezeichnet. Und über allem steht das, was Ur-Ur-Opa Wilhelm seinen Nachkommen Johannes und Christian als Label vermacht hat: „Königlich bayerischer Hoflieferant.“
 
von HARALD MEYER

Wein-Tradition verpflichtet. Bei einer großen Vergangenheit ohnehin, auf die die Kitzinger Weinkellerei Meuschel zurückschauen kann: 1903 ernannte Prinzregent Luitpold von Bayern den Betrieb zum „Königlich Bayerischen Hoflieferanten“. Den Titel trägt jetzt auch eine Premiumlinie des Hauses – mit Weinen des extrem sonnenstarken Jahrs 2015, die die Inhaber Christian und Johannes Meuschel jetzt vermarkten.

Am Anfang war die Geldnot

Der Weg in königliche Lieferanten-Höhen war den Wein-Vorfahren der Meuschels nicht eben vorgezeichnet. Pure Geldnot zwang – laut einer Festschrift von 1909 – den Buchbrunner Weinbergsbesitzer Johann Wilhelm Meuschel 1826 dazu, eine Fuhre Wein auswärts zu verkaufen, weil in Franken nichts mehr ging. Es gab schlicht zuviel Wein.

Aus der ersten Fuhre, die Fass für Fass bis nach Ostheim in die Rhön ging, wurde ein Weinhandelsgeschäft, das der Sohn 1845 gründete. Das war so erfolgreich, dass der Umzug an einen größeren Standort – Kitzingen – nötig machte. Schließlich verkaufte das Haus nicht nur edle Tropfen anderer Weingüter, sondern auch von eigenen Weinbergen in Kitzingen, Thüngersheim oder der Pfalz.

Die Urkunde hängt in der guten Stube

Die Weingroßhandlung Meuschel, die nach zwei Zwischenstationen am heutigen Standort in der Inneren Sulzfelder Straße landete, fiel dem bayerischen Königshaus auf, wurde mit Urkunde vom 10. März 1903 „Königlich Bayerischer Hoflieferant.“ Die Ernennung hängt in der guten Stube der Weinkellerei.

Auf ihrer Rückseite klebt noch ein Hinweis, auf den der damalige Meuschel-Chef Wilhelm Meuschel jr. sehr stolz gewesen sein dürfte: „Mit dem K. Hoftitel ist das Recht verbunden, das grosse Königliche Wappen mit Mantel und Ordensketten in der Firma zu führen“, schreibt da der Königliche Obersthofmeister.

Der Prinz genoss Repperndorfer Schoppen

Damit nicht genug: Am 7. Juni 1909 besucht Prinz Ludwig von Bayern (als Ludwig III. ab 1913 der letzte bayerische König) die Meuschelsche Kellerei – mit rund 300 Menschen im Gefolge. Eine Festschrift vermeldet, dass seine „Kgl. Hoheit“ vor dem 20 000-Liter-Hoflieferanten-Fass im rund elf Meter tiefen Kellergeschoss verharrte, in das die Köpfe der vier Generationen des Herrscherhauses eingeschnitzt waren. Aus dem Fass, das noch existiert und inzwischen als Probierstube dient, ließ sich Ludwig dann noch einen Schoppen vom Repperndorfer Wilhelmsberg ausschenken.

Mehr als hundert Grad Oechsle

Die königliche Weinvergangenheit ziert jetzt vier Bocksbeutel aus dem Hause Meuschel. Riesling, Silvaner, Kerner und Traminer entstammen dem sonnenverwöhnten Jahrgang 2015, der den Tropfen laut Johannes Meuschel teilweise mehr als hundert Grad Oechsle bescherte. Die Idee, den „herausragenden Weinen“ des Jahrgangs ein Namens-Extra mitzugeben, habe Bezirks-Weinbauberater Hermann Mengler bei einer Verkostung ins Spiel gebracht, so Bruder Christian.

Das Alleinstellungsmerkmal, das jetzt samt Wittelsbacher Herrscherwappen auf den Flaschen prangt, entstammte dann der Urkunde vom 1903. Ein trocken ausgebauter Silvaner trifft sich im „Königskarton“ mit drei edelsüßen Gewächsen, die Christian Meuschel als „Pralinen“ bezeichnet. Und über allem steht das, was Ur-Ur-Opa Wilhelm seinen Nachkommen Johannes und Christian als Label vermacht hat: „Königlich bayerischer Hoflieferant.“

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