Die Angst vor dem Mann mit Messer

Ein Drogenkurier ist am Heiligen Abend 2012 geschnappt worden. Außer jeder Menge Amphetamin und Marihuana hatte er auch noch eine auffällig lange Narbe im Gesicht.
 
Vor allem einer knapp zehn Zentimeter langen, noch recht frischen Narbe im Gesicht, verdankt es ein Drogenkurier, dass er am Montag vom Landgericht Würzburg nur zu drei Jahren und neun Monaten verurteilt wurde. Die Narbe verläuft senkrecht auf der Backe vor dem linken Ohr. Der Mann, der sie ihm zufügte, macht dem Angeklagten auch heute noch Angst.
Bei einer Fahrt auf der A7, von Kassel nach Süden, stand er nach Überzeugung des Gerichts nicht nur unter Alkohol und Drogen, sondern auch unter massiver Angst. In die Zelle kam der 25 Jahre alte Kranfahrer aus Landshut ausgerechnet am Heiligen Abend 2012. Bei einer Kontrolle in der Raststätte Riedener Wald hatte die Polizei im Kofferraum seines Mietwagens, in der Reserverad-Mulde, 850 Gramm Amphetamin gefunden, knapp 200 Gramm Marihuana und in der Hosentasche ein bisschen Kokain "fürs Schnupfen unterwegs". Im Fahrzeug lagen geleerte Bierdosen.
Einen echten Führerschein konnte der Mann den Polizeibeamten nicht vorlegen, nur eine Totalfälschung, die er in Tschechien für 1 000 Euro gekauft hatte. Den eigenen Führerschein hatte er Monate vorher wegen Alkohol und Drogen abgeben müssen,. Das tschechische "Ersatzpapier" begründete der Angeklagte mit Geburtsort in Kasachstan damit, dass er als Beschäftigter einer Zeitarbeits-Firma ja irgendwie zu den häufig wechselnden Arbeitsplätzen kommen musste.
Unterwegs war der Kurier für einen Dealer aus Kassel. Abliefern sollte er die Rauschgiftpäckchen in Nürnberg, abends pünktlich um 23 Uhr, vor einem Cafe, an ihm unbekannte Männer, die auf ihn zukommen wollten. Den Auftrag habe er, so der Angeklagte, nur deswegen übernommen, weil der Dealer, bei dem er Schulden hatte, nicht mehr länger auf sein Geld warten wollte. Der habe ihn nicht nur mit dem Messer "bearbeitet", sondern auch den Eindruck vermittelt, dass als nächste Mutter, Freundin und Kind die Opfer sein könnten.
Drogen kaufte der Kranfahrer aus Landshut regelmäßig in Kassel, weil dort seine Mutter wohnt. So sei er in einer dortigen Disko an den Dealer geraten. Mit der Fahrt nach Nürnberg hätte er, so der Angeklagte, Schulden in Höhe von 1 200 Euro "auf einen Schlag" abarbeiten können.
Die Angst vor dem Mann mit dem Messer, der aus dem ehemaligen Jugoslawien stammt, sei, so Rechtsanwalt Timo Fuchs für seinen Mandanten, "immer noch riesengroß". Deswegen nenne er dessen Namen nicht und beschreibe ihn nur mit "24 bis 25 Jahre alt, 182 cm groß, kurze schwarze Boxerfrisur, weder Bart noch Brille".
Dem Sachbearbeiter bei der Kripo ist aufgefallen, dass der Angeklagte relativ häufig einen Pkw angemietet hat für größere Fahrten. O es dabei auch um Rauschgift ging, habe man nicht ermitteln können. Da sei nichts gewesen, sagte der Angeklagte mit Wohnsitz Landshut, er habe da immer nur die Mama in Kassel besucht oder den Enkel vorbei gebracht und das seien einfach schon 500 Kilometer. Einen Führerschein habe er gehabt, wenn auch nur einen gefälschten, aber kein eigenes Auto und deswegen habe er sich dafür immer Mietwagen besorgt.
Die Frage des Gerichts, warum er denn vor der Kurierfahrt Rauschgift konsumiert und während der Fahrt Bier getrunken hat, beantwortete der Angeklagte mit dem Hinweis auf den Stress wegen der "heißen Ladung".
Da der Angeklagte seit Jahren täglich Drogen konsumiert, hat die Sechste Große Strafkammer des Landgerichts seine Unterbringung in einer Entziehungsklinik angeordnet. Die Dauer der Therapie schätzte ein Gutachter auf mindestens zwei Jahre. Verurteilt wurde der 25-Jährige nur wegen Beihilfe zum Drogenhandel, weil die Fahrt nicht sein eigenes Geschäft gewesen sei, außerdem wegen Urkundenfälschung und Fahren ohne gültigen Führerschein.

Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Kommentieren


Titel:
Text:
 
(noch Zeichen)

Unregistrierte Nutzer
 
 

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:  *
gewünschtes Passwort:  *
Wiederholung Passwort:  *
E-Mail:  *
Anrede:
Frau Herr  
Vorname:
Nachname:
* Ich bin mit den Verhaltensrichtlinien einverstanden
Ich möchte mir exklusive Leservorteile nicht entgehen lassen und gestatte der Mediengruppe Oberfranken – Zeitungsverlage GmbH & Co. KG und deren verbundenen Unternehmen mir auch nach Ablauf des Abonnements telefonisch und per E-Mail Vorteilsangebote zu unterbreiten. Meine Einwilligung kann ich jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen.
Community-Teilnahme *
Ich möchte kommentieren und eigene Leserbeiträge verfassen Ich möchte nicht kommentieren und keine eigene Leserbeiträge verfassen  


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Wieviel ist 12 x 3: