Der Fall Frieda: 1500 Euro fürs Gemüt

Wie viele Kunstwerke Theo Steinbrenner auch geschaffen haben mag – nichts gelangte so sehr in die Schlagzeilen wie „Jagdhund Frieda“. Die Geschichte einer Räuberpistole.
Hat zwei Diebstähle überstanden und ist inzwischen gerichtsbekannt: „Jagdhund Frieda“ kann auf eine bewegte Vergangenheit verweisen.
 
von FRANK WEICHHAN

Wie viele Kunstwerke Theo Steinbrenner auch geschaffen haben mag – nichts gelangte so sehr in die Schlagzeilen wie „Jagdhund Frieda“, der zusammen mit der „Fauchenden Katze“ gleich zweimal vom Anwesen des Schwarzacher Künstlers gestohlen wurde.

Die Geschichte nimmt Ende 2013 ihren Anfang. Plötzlich waren die Bronzeskulpturen – trotz Sicherung – erstmals weg. Nach einem entsprechenden Suchaufruf in der Zeitung entdeckte eine Joggerin Hund und Katze in einem Gebüsch nahe der A 3 – nicht allzu weit weg vom Tatort.

„Frieda“ war zwar schwer gezeichnet, doch das ließ sich ausmerzen. Theo Steinbrenner beseitigte die Schäden, danach kamen die Skulpturen wieder an ihren angestammten Platz – noch fester verankert als vorher. Von den Dieben fehlte jede Spur.

„Vorsätzlich begangene, unerlaubte Handlung.“
Schuldeeingeständnis auf Juristendeutsch

Tat Nummer zwei ereignete sich Anfang Juni vergangenen Jahres. Wieder verschwanden, während sich die Hausbesitzer im Urlaub befanden, Hund und Katze aus dem Garten des Künstlers. Wobei es „Frieda“ immerhin auf eine Höhe von 1,10 Meter und beachtliche 40 Kilo bringt. Und selbst die „Katze“ weist bei 40 Zentimetern noch zehn Kilo auf.

Auch Kidnapping Nummer zwei zog eine Suchmeldung in der Öffentlichkeit nach sich. Und siehe da: Ein aufmerksamer Zeitungsleser entdeckte Hund und Katze bei einem Würzburger Schrotthändler. Wenig später hätten die Figuren wohl ihr Leben ausgehaucht, wären eingeschmolzen worden und damit in die ewigen Jagdgründe eingegangen. Diesmal konnte die Polizei einen Tatverdächtigen schnappen: den 22-jährigen B.

B. hatte noch so einiges mehr angestellt: Von einer Baustelle im Kitzinger Innopark ließ er Kabelrollen im Wert von 2400 Euro mitgehen. Im Wiesentheider Friedhof wütete er ebenfalls und entfernte zunächst vom Leichenhaus ein sechs Meter langes Regenrohr. Außerdem stahl der junge Mann mehrere Grableuchten und Grablichter sowie weitere Gegenstände. Der angerichtete Schaden: 2280 Euro.

Im April dieses Jahres gab es dann die Quittung vom Kitzinger Schöffengericht: Mit zwei Jahren wird die höchstmögliche Strafe verhängt, die gerade noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Die Bewährungszeit wird auf fünf Jahre festgesetzt. Zudem muss B. 200 Stunden soziale Hilfsdienste leisten.

Wobei B., der für die beiden Bronzefiguren 163 Euro von dem Schrotthändler bekommen haben will, seinerzeit steif und fest behauptet, die Kunstwerke nicht gestohlen, sondern zufällig am Waldrand bei Hörblach gefunden zu haben.

Während der strafrechtliche Aspekt damit geklärt war, ging Theo Steinbrenner mit Blick auf den ihm entstandenen Schaden noch einen Schritt weiter – und strengte eine Privatklage gegen B. an.

Steinbrenners Rechnung: Um die Schäden an den beiden Skulpturen auszumerzen, habe er – inklusive 500 Euro Belohnung für den Finder – Kosten von insgesamt 3000 Euro gehabt. Ein Schaden, den der Schwarzacher von dem Übeltäter wiederhaben möchte.

So landete der Fall erneut vor dem Kitzinger Amtsgericht, diesmal durfte sich Gerichtsdirektor und Zivilrichter Walter Konrad mit der Angelegenheit befassen. Zunächst scheinen die Fronten verhärtet: Der Beklagte B. bestritt im Vorfeld in diversen Schriftsätzen zunächst alles. Der Schaden wird generell angezweifelt, was frechweg in der Frage mündet, ob es sich bei den Bronzestatuen überhaupt um Kunst handelt.

Kein leichter Einstieg in eine Verhandlung, die dann aber doch eine überraschende Wende nimmt. Der Verteidiger des Angeklagten lenkt ein. Das wohl nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund, dass sich der Prozess ohne Einigung über Jahre hinziehen und so richtig teuer werden könnte. Wobei bei B., auch das wird schnell deutlich, nur schwer etwas zu holen ist – zumindest nicht die volle Summe von 3000 Euro.

Weshalb es schließlich doch auf so etwas wie eine gütliche Einigung hinausläuft: Der Vorschlag des Gerichts, dass B. innerhalb eines Jahres 1500 Euro an den Schwarzacher Künstler zu zahlen hat, wurde angenommen. B. erkennt seine „vorsätzlich begangene unerlaubte Handlung“ an, wie es im Juristendeutsch heißt. Man könnte auch einfacher sagen: Er erkennt seine Schuld an.

Für den Fall, dass die 1500 Euro nicht gezahlt werden, sind automatisch die ursprünglich geforderten 3000 Euro fällig. Ein Kompromiss, der übrigens den schönen Namen „Chicago-Vergleich“ trägt.

Während der Beklagte, der bei der Verhandlung nicht anwesend und durch seinen Verteidiger vertreten war, dem Vergleich erst noch zustimmen muss, zeigte sich Theo Steinbrenner letztlich einigermaßen zufrieden. Nach all dem Stress und Ärger waren die 1500 Euro vor allem für eines gut: sein Gemüt.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.