Region // Kitzingen
Den Gorilla retten - per Handy
Was haben Handys mit Gorillas zu tun? "Viel", wissen die AKG-Schüler. Mit einer Sammelaktion wollen sie dazu beitragen, möglichst viel Lebensraum der Menschenaffen zu bewahren.
"Handy-Box" steht in Lettern über dem Kartonkasten. Durch den breiten Schlitz passen Mobiltelefone jeglicher Art. Darunter zieht ein stattlicher Gorilla die Blicke auf sich. Jemand hat das Foto mit einer Sprechblase versehen. Der Menschenaffe sagt "Danke".
Warum sollte sich ein Gorilla freuen, wenn im Kitzinger Armin-Knab-Gymnasium Handys gesammelt werden? Der Achtklässler Lars Chrischilles kennt die Antwort: "Der tropische Regenwald ist der Lebensraum der Gorillas. Doch immer mehr Regenwald wird zerstört, um das Metall Tantal zu gewinnen. Daraus entstehen wichtige Elektronikkomponenten von Handys."
Tantal komm auf der Erde nur selten vor, gehäuft aber in den Böden des tropischen Regenwaldes, etwa im Kongo.
Der Bestand der Menschenaffen sei bereits auf wenige Tausend Tiere zurückgegangen. Um diese zu retten, werden die Kitzinger Schüler aktiv. Ein Besuch im Lehr-Lern-Garten der Universität Würzburg hat ihre Sinne geschärft - und ihren Willen, dem Schicksal nicht untätig seinen Lauf zu lassen.
Das ist zu einem nicht unerheblichen Teil den Lehramtsstudentinnen Sandra Haberkorn und Ilona Kachel zu verdanken. Die beiden haben viel Zeit investiert und eine spannende Unterrichtseinheit zum Thema "Handy und Regenwald" ausgearbeitet. Damit begeisterten sie die Achtklässler des AKG für die Thematik, die gut zum Lehrplan passt: Tropen, Klimaschutz, globaler Zusammenhang.
Eigeninitiative der Schüler
"Wir haben den Schülern nicht einfach etwas Fertiges vorgesetzt, sondern den Tag so gestaltet, dass sie sich selbst ihre Schlüsse erarbeiten konnten", erklärt Sandra Haberkorn, die einst selbst AKG-Schülerin war. "Grüne Praxis statt grauer Theorie" war angesagt - von der Tropenhausführung im Botanischen Garten bis hin zur Analyse der "tropischen" Bestandteile, etwa von Handys. Die Schüler kamen zu dem Schluss, dass es sehr sinnvoll wäre, die wertvollen Stoffe aus alten Handys wiederzuverwerten.
"Jedes Handy ist ein echtes Rohstofflager", sagt Achtklässler Lars Chrischilles. Auch Sandra Schoene hat die Erfahrung in Lehr-Lern-Garten sehr beeindruckt. "Man wird vorsichtiger und achtsamer, zum Beispiel beim Kauf neuer technischer Geräte. Aber es macht einem auch ein bisschen Angst, wie die Zukunft aussieht, wenn man nicht genug darauf achtet." Ina Wunderlich nickt. "Ich habe einen besonderen Bezug zur ganzen Thematik bekommen." Max Horner und Luca Wengler ist es ähnlich ergangen: Bisher haben sie sich in vergleichsweise kurzen Abständen neue Handys gekauft - "alle drei, vier Jahre" (Max) beziehungsweise "alle eineinhalb Jahre etwa" (Luca). Künftig werden sie sich jeden Neukauf besser überlegen.
Mit ihren Erfahrungen haben sie im Geografie-Unterricht bei Carsten Körner beziehungsweise Dietmar Barth unter anderem eine kleine Ausstellung erarbeitet, die seit gestern in der Aula des AKG zu sehen ist und den anderen Schülern - sowie interessierten Besuchern - die globalen Zusammenhänge aufzeigt, zum Beispiel zwischen Gorilla und Handy.
An den Stellwänden hängt auch die Sammel-Box für gebrauchte Handys. Diese werden recycelt, so dass kein weiterer Regenwald gerodet werden muss, um an neue Bodenschätze zu gelangen. Außerdem - das freut Benedikt Lasar besonders - "wird vom Erlös ein Stück Regenwald gekauft".
Eine Schule als Regenwaldbesitzer und -schützer - auch für Schulleiterin Margit Hofmann war gestern ein großer Tag. Gemeinsam mit Dominik Katterfeldt, dem Koordinator des vor anderthalb Jahren eröffneten Lehr-Lern-Gartens der Uni Würzburg, betonte sie, dass das Projekt keine Eintagsfliege sei, sondern nachhaltig fortwirke. Und zwar in verschiedene Richtungen. Zum einen werden die Schüler in ihrem persönlichen Umfeld darüber sprechen, so dass ihr Einsatz weite Kreise ziehen kann. Alle alten Handys werden auch in den kommenden Wochen gern in der Aula des AKG entgegengenommen. Und die Studentinnen werden ihre "Handy und Regenwald"-Lehreinheit weiterhin für Haupt- und Realschulen anbieten - für achte bis elfte Klassen.
Lehrer Carsten Körner ist von der ganzen Geschichte begeistert: "Alles, was aus der Theorie rausgeht, zieht viel mehr. Die Schüler sind jetzt ganz anders motiviert." Zukunftsorientiertes Handeln - ein großes Thema im Unterricht - ist für sie kein leeres Wort mehr.



















