Das Hirn und die Steinzeit: Der Angst auf der Spur

Angststörungen sind weit verbreitet. Ein Volkshochschul-Kurs widmet sich ganz diesem Thema. Dazu Fragen an Referentin und Heilpraktikerin Christine Krokauer.
Angststörungen sind weit verbreitet: Von Phobien und Panikattacken bis zur generalisierten Angsterkrankung reichen die Krankheitsbilder. Am Mittwoch, 28. September, geht es bei einem Volkshochschul-Kurs im Stadtteilzentrum Kitzingen-Siedlung (Königsberger Straßen 11) ab 19.30 Uhr um das Thema „Angst essen Seele auf?!“ Dazu Fragen an Referentin und Heilpraktikerin Christine Krokauer. Frage: Warum gibt es Angst? Christine Krokauer: Es gibt kein Menschenleben ohne Angst. Realangst besitzt Alarm- und Warnfunktion, etwa beim Überqueren der Straße vorsichtig zu sein. Angst ist vielfältig, Erkrankungen sind Panikstörung, generalisierte Angststörung, soziale Angststörung und Phobien. Woher kommt eigentlich Angst? Krokauer: Aus der Verhaltensforschung kommt die Theorie, dass Angst oft erlernt ist. Ein ursprünglich neutraler Reiz wie der Anblick eines Tiers kann zu einem angstauslösenden Reiz werden, wenn die Person damit unangenehme Erfahrungen verbindet. Wer von einem Hund gebissen worden ist, hat mehr Respekt vor Hunden als andere Menschen. Das Problem bei Angsterkrankungen ist, dass Menschen alles vermeiden, was sie in eine Situation bringt, in der die Angst wiederkommt. Menschen mit Panik in engen Räumen werden nicht freiwillig in einer vollgestopften Straßenbahn fahren. Aus der Menschheitsentwicklung haben wir Ängste wie die vor Gewitter, Naturkatastrophen und Feuer – unser Gehirn reagiert vorsteinzeitlich mit den Reaktionsmustern Angreifen, Totstellen oder Flucht bis hin in die körperlichen Reaktionen. Angst kann also auch helfen? Krokauer: Ängste können sehr wohl sehr nützlich sein, sie bewahren uns vor manchem Blödsinn und helfen uns, Grenzen zu respektieren und zu wahren. Ich glaube nicht, dass ein angstfreies Leben unser inniger Wunsch ist. Viel mehr erfahre ich im Alltag: Die Herausforderungen, die oft mit unseren Ängsten zusammenhängen, wollen bewältigt werden. Dazu braucht es Demut vor der Größe der Aufgabe und daraus entwickelt sich Mut. Mut bedeutet, trotz Angst zu handeln, nicht, frei von Angst zu agieren. Ab wann muss man Angst ernst nehmen? Krokauer: Angst sollte man immer ernst nehmen. Therapeutisch spannend wird es, wenn die Ängste es unmöglich machen, dass wir unser Leben leben, weil wir uns nicht aus dem Haus wagen aus Sorge vor Panikattacken und nachts nicht mehr schlafen, wenn also unser normales Leben beeinträchtigt wird. Hier braucht es natürlich andere Vorgehensweisen als bei Angst vor Männern mit Glatze, flötenspielenden Leuten oder Höhenangst, die Goethe auf dem Straßburger Münster übrigens selbst kuriert haben soll. Angst scheint allgegenwärtig . . . Krokauer: Das Thema habe ich gewählt, weil durch die politische Lage das Wort 'Angst' Dauergast in den Medien ist. Probieren Sie es aus: Sagen Sie sich ganz oft das Wort 'Stress'. Ihr Körper wird gestresst reagieren. Wenn wir dauernd das Wort Angst hören, löst es genau solche Wahrnehmungen verstärkt aus. Alles, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, wird groß.  Was erwartet uns bei dem Vortrag? Krokauer: Der Vortrag wird über die Angst informieren und über die Hauptangsterkrankungen. Im Oktober gibt es ein ergänzendes vhs-Seminar mit zwei Abenden zum Thema 'Mut', das Anleitung zum Umgang mit Angst gibt. Foto: Krokauer
 
von FRANK WEICHHAN

Angststörungen sind weit verbreitet: Von Phobien und Panikattacken bis zur generalisierten Angsterkrankung reichen die Krankheitsbilder. Am Mittwoch, 28. September, geht es bei einem Volkshochschul-Kurs im Stadtteilzentrum Kitzingen-Siedlung (Königsberger Straßen 11) ab 19.30 Uhr um das Thema „Angst essen Seele auf?!“ Dazu Fragen an Referentin und Heilpraktikerin Christine Krokauer.

Frage: Warum gibt es Angst?

Christine Krokauer: Es gibt kein Menschenleben ohne Angst. Realangst besitzt Alarm- und Warnfunktion, etwa beim Überqueren der Straße vorsichtig zu sein. Angst ist vielfältig, Erkrankungen sind Panikstörung, generalisierte Angststörung, soziale Angststörung und Phobien.

Woher kommt eigentlich Angst?

Krokauer: Aus der Verhaltensforschung kommt die Theorie, dass Angst oft erlernt ist. Ein ursprünglich neutraler Reiz wie der Anblick eines Tiers kann zu einem angstauslösenden Reiz werden, wenn die Person damit unangenehme Erfahrungen verbindet. Wer von einem Hund gebissen worden ist, hat mehr Respekt vor Hunden als andere Menschen. Das Problem bei Angsterkrankungen ist, dass Menschen alles vermeiden, was sie in eine Situation bringt, in der die Angst wiederkommt.

Menschen mit Panik in engen Räumen werden nicht freiwillig in einer vollgestopften Straßenbahn fahren. Aus der Menschheitsentwicklung haben wir Ängste wie die vor Gewitter, Naturkatastrophen und Feuer – unser Gehirn reagiert vorsteinzeitlich mit den Reaktionsmustern Angreifen, Totstellen oder Flucht bis hin in die körperlichen Reaktionen.

Angst kann also auch helfen?

Krokauer: Ängste können sehr wohl sehr nützlich sein, sie bewahren uns vor manchem Blödsinn und helfen uns, Grenzen zu respektieren und zu wahren. Ich glaube nicht, dass ein angstfreies Leben unser inniger Wunsch ist. Viel mehr erfahre ich im Alltag: Die Herausforderungen, die oft mit unseren Ängsten zusammenhängen, wollen bewältigt werden. Dazu braucht es Demut vor der Größe der Aufgabe und daraus entwickelt sich Mut. Mut bedeutet, trotz Angst zu handeln, nicht, frei von Angst zu agieren.

Ab wann muss man Angst ernst nehmen?

Krokauer: Angst sollte man immer ernst nehmen. Therapeutisch spannend wird es, wenn die Ängste es unmöglich machen, dass wir unser Leben leben, weil wir uns nicht aus dem Haus wagen aus Sorge vor Panikattacken und nachts nicht mehr schlafen, wenn also unser normales Leben beeinträchtigt wird. Hier braucht es natürlich andere Vorgehensweisen als bei Angst vor Männern mit Glatze, flötenspielenden Leuten oder Höhenangst, die Goethe auf dem Straßburger Münster übrigens selbst kuriert haben soll.

Angst scheint allgegenwärtig . . .

Krokauer: Das Thema habe ich gewählt, weil durch die politische Lage das Wort 'Angst' Dauergast in den Medien ist. Probieren Sie es aus: Sagen Sie sich ganz oft das Wort 'Stress'. Ihr Körper wird gestresst reagieren. Wenn wir dauernd das Wort Angst hören, löst es genau solche Wahrnehmungen verstärkt aus. Alles, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, wird groß.

Was erwartet uns bei dem Vortrag?

Krokauer: Der Vortrag wird über die Angst informieren und über die Hauptangsterkrankungen. Im Oktober gibt es ein ergänzendes vhs-Seminar mit zwei Abenden zum Thema 'Mut', das Anleitung zum Umgang mit Angst gibt. Foto: Krokauer

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