Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Ausstellung: Flüchtling und Künstler

Ein junger Afghane malt in seiner Unterkunft in Kitzingen. Ein paar seine Bilder sind im Bürgercafé zu sehen.
Abdul Haya Hamed erklärt seiner ehrenamtlichen Betreuerin Maria Lipp die Bedeutung seiner Bilder.
 
von ROBERT WAGNER

Die grünen Augen scheinen den Betrachter zu fixieren. Die junge Frau blickt ernst und traurig, ihr roter Mantel hebt sich vom düsteren Hintergrund ab. Dort, unter dem von Wolken verhangenen Himmel, laufen vier kaum zu erkennende Männer ein Bahngleis entlang. Abdul Haya Hamed zeigt auf eine der Figuren.„Das bin ich“, sagt der 23-jährige Afghane.

Seit August 2015 lebt Hamed in Kitzingen und wartet auf die Anerkennung seines Asylantrags. In Balkh, einer Stadt im Norden des krisengebeutelten Landes, hatte er zwei Jahre Kunst an der Universität studiert. Danach hatte er als Kunstlehrer gearbeitet. Nun malt er in dem kleinen Zimmer in der Unterkunft in der Kaiserstraße 1, das er sich mit mehreren Männern teilt.

Seine Bilder kreisen meist um die Not in Afghanistan oder um die Flucht. Er verarbeitet so seine Erinnerungen. Fünf seiner Malereien sind zur Zeit im Bürgercafé im Stadtteilzentrum Siedlung ausgestellt. Ein paar hat er noch zuhause. Zwei hat er seiner ehrenamtlichen Betreuerin Maria Lipp geschenkt. „Sie hilft mir sehr“, sagt der junge Mann. Lipp lernt mit ihm Deutsch und unterstützt ihn bei Behördengängen. Auch Bürgermeister Siegfried Müller hat bereits ein Porträt geschenkt bekommen.

Auf Hameds bisher letztem Bild ist ein totes Kind zu sehen. Das Gesicht verdeckt, liegt der Körper zusammengesunken am Boden. Die Ölfarbe ist dick auf der Leinwand aufgetragen – Rot, viel Rot. „Im Moment kann ich nicht malen“, sagt Hamed. Er habe den Kopf dafür nicht frei. Auch in der Schule, beim Deutschunterricht, kann er sich kaum konzentrieren. „Ich bin mit den Gedanken ganz woanders.“

Er hat Angst, erklärt er. Angst zurück zu müssen in die Heimat. Rund 200 Kilometer liegt Balkh von Kunduz entfernt. Dort hatten die Taliban vor wenigen Tagen abermals das Stadtzentrum angegriffen. Auch in einer anderen Nachbarstadt wird aktuell gekämpft. „Es gibt viele Tote“, sagt Hamed. Die EU beschloss zwar vor Kurzem weitere Hilfen für die Afghanische Regierung. „Aber das Geld kommt nicht an.“

Vor wenigen Tagen wurden zwei junge Afghanen aus Hameds Unterkunft abgeschoben, das beschäftigt den jungen Mann. Einer von ihnen habe sogar schon eine Ausbildungsstelle gehabt. „Wir müssen erst einmal abwarten“, versucht Lipp Hamed zu beruhigen. Das neue Integrationsgesetz schaffe Unsicherheit, erklärt sie. Für die Integration sei das keine gute Voraussetzung.

Hamed deutet auf das Bild einer Moschee. „Die blaue Moschee in Balkh“, erklärt er. Er habe das Gemälde den ganzen Weg von Afghanistan nach Deutschland mitgenommen, eingerollt in seinem Gepäck. Zuerst mit dem Flugzeug in den Iran, dann zu Fuß in die Türkei. Auf einem kleinen Transporter mit 40 Mann Richtung Istanbul. Bei Nacht und Nebel durch Bulgarien. Schließlich die Ankunft in Ungarn. „Da war es schlimm“, erzählt der 23-Jährige. Schließlich sind er und drei weitere Weggefährten in Deutschland angekommen. Den Kontakt zu ihnen hat er verloren, genauso wie zu den anderen 15 Afghanen, mit denen er gemeinsam aufgerochen ist.

„Im Moment kann ich nicht malen.“
Abdul Haya Hamed Künstler

Auch mit seiner Familie kann Hamed kaum Kontakt halten. Internet gebe es nicht, Telefonate seien sehr teuer. Vielleicht alle zwei Monate gelinge es ihm, in der Heimat anzurufen. So geht es für den jungen Künstler im Moment darum, hier ein Leben aufzubauen. Maria Lipp sucht gerade zusammen mit ihm eine Ausbildungsstelle. „Es muss nicht unbedingt etwas mit Kunst seien“, sagt der 23-Jährige. „Hauptsache, ich kann arbeiten.“ Sie suchen im Moment nach einer Stelle als Erzieher, erklärt Lipp. Schließlich habe Hamed auch in Afghanistan mit Kindern gearbeitet. Es sei aber kompliziert: Der junge Afghane ist noch nicht anerkannt, eine Arbeitserlaubnis hat er deshalb noch nicht. Andererseits würde ein Ausbildungsplatz seine Chancen auf Anerkennung deutlich erhöhen.

Dann könnte Hamed wohl auch wieder freier malen. Ob er schon von einer eigenen Ausstellung träumt? Er blickt auf seine Bilder an der Wand im Bürgercafé. „Ja schon“, sagt er. „Aber da habe ich doch keine Chance.“






Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:
Benutzer     Passwort    

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.