MAINSTOCKHEIM

Aures gibt der CSU Saures

Landtagsvizepräsidentin Inge Aures legt beim Politischen Aschermittwoch der Kreis-SPD Defizite der CSU-Staatsregierung blank.
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SPD-Kreisvorsitzender Heinz Galuschka (vorne von links) beglückwünschte die Landtagsvizepräsidentin Inge Aures zu ihrer Rede und Landtagsabgeordneter Volkmar Halbleib überreichte ihr ein Weinpräsent. Außerdem sprachen beim Politischen Aschermittwoch der Kreis-SPD (hinten von links) Landtagskandidat Jürgen Kößler und Bezirkstagskandidatin Astrid Glos.

Der hiesige Landtagsabgeordnete Volkmar Halbleib stellte Inge Aures als „Politikerin von Korn und Schroth“ vor und er titulierte sie beim Politischen Schermittwoch der Kreis-SPD in der Mainstockheimer Turnhalle als „Königin der fränkischen Sozialdemokratie“. Derart geadelt, fühlte sich die Landtagsvizepräsidentin pudelwohl in Kitzinger Gefilden und hielt eine von viel Applaus begleitete Rede.

1,645 Millionen Überstunden

Aures wollte nichts davon wissen, dass Ministerpräsident Horst Seehofer Bayern als „Vorstufe zum Paradies“ deklarierte habe und fragte sich, in welchem Paradies er selbst bald landen werde. Sie hielt der Staatsregierung vor, dass ein Notstand an den Schulen herrsche, wie ihr Landtagskollege Martin Güll analysiert habe und die Polizei leide an chronischer Unterbesetzung.

Die Beamten hätten alleine im Jahr 2016 1,645 Millionen Überstunden angehäuft. Die Landes- und Kommunalpolitikerin monierte, dass im so reichen Bayern, in dem es einem Teil der Bevölkerung gut bis sehr gut gehe, 1,6 Millionen Menschen an der Armutsgrenze stünden und dass viele Rentner von ihrer Rente kaum leben könnten.

Rentenreform nötig

Dass jetzt schon mehr als zwölf Prozent der bayerischen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze leben müssten, wertete die Politikerin, die Architektur studier hat, als „Skandal in einem reichen Land wie Bayern“. Deswegen müsse die SPD auf Landes- und Bundesebene weiter auf eine Rentenreform drängen.

Die ehemalige Oberbürgermeisterin von Kulmbach und ehrenamtliche Kreisvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt brach eine Lanze für die 5,2 Millionen (47 Prozent der Bevölkerung) Ehrenamtlichen in unserem Land und hob die freiwillig Feuerwehrleute hervor, unter denen die Frauen in manchen Kommunen oder Regionen eine immer wichtigere Rolle einnehmen würden – besonders wenn es tagsüber um die Ausrückstärke geht.

Defizite in der Pflege

„Wir wissen es zu schätzen, was unsere Vorfahren beim Wiederaufbau unseres Landes geleistet haben“, erklärte die Landtagsvizepräsidentin. Deswegen hätten es Senioren nicht verdient, dass sie heute die Defizite im Pflegebereich ausbaden müssten. Zudem stünde die SPD für eine bessere Bezahlung, mehr Personal und höhere Pflegestandards sowie mehr Respekt für das Pflegepersonal, was die CSU bislang kaum beherzigt habe.

„Ich bin für die GroKo, denn ich will mitregieren, denn sonst machen die anderen was sie wollen“, bezog die 61-jährige Spitzengenossin klar Stellung. Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion machte deutlich, dass nur ein Eintreten in die Große Koalition es ermögliche, dass die Politik der Bundespolitik eine sozialdemokratische Handschrift hat.

Keine Ideen aus der Klamottenkiste

„Die SPD ist doch populärer als uns manche darstellen“, konstatierte Landtagsdirektkandidat Jürgen Kößler angesichts des erfreulichen Besuchs von 250 Besuchern. „Die Politik der SPD zeigt Wirkung, dass sieht man in der Bildungs- und Familien-Politik und hat sich auch deutlich im Koalitionsvertrag niedergeschlagen“, erklärte Kößler. Er verwahrte sich gegen die Abqualifizierung von politischen Gegnern, wenn Politiker anderer Parteien behaupteten, dass die Ideen der Sozialdemokraten aus der Klamottenkiste kämen.

Bezirkstagskandidatin Astrid Glos bemerkte, dass ihre Partei stürmische Zeiten hinter sich habe und die SPD die Verpflichtung gehabt habe, sich den Sondierungen und Koalitionsverhandlungen für eine Neuauflage der Großen Koalition in Berlin zu stellen. „Man kann unterschiedlicher Meinung darüber sein, dass unser Kanzlerkandidat nach unten durchgereicht wurde“, kritisierte sie und zeigte sich nicht einverstanden mit der Rolle der Parteiführung und des dominierenden Landesverbandes Nordrhein-Westfalen. „Das hätte so nicht passieren müssen“, meinte Astrid Glos. Sie erläuterte ihre Vorstellungen von Familien- und Flüchtlings-Politik, sowie Handlungsbedarf in der Region beim ÖPNV und bezahlbaren Wohnraum.

Kabarett mit Carmen Ruth

„Volkmar, du kannst es bestätigen, dass wird im Landtag oft auch ein Kabarett erleben“, sagte Inge Aures und leitete damit zum Kabarett-Teil des Abends über. Die Kabarettistin Carmen Ruth unterhielt das Publikum prächtig mit ihrem Programm „Carmen spielt Carmen“.

Dass die Resonanz gut war und die Turnhalle schön geschmückt war, dafür dankte Kreisvorsitzender Heinz Galuschka dem Mainstockheimer Ortsverein mit dem besonders engagierten Otmar Röhner.

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