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Wirtschaft

Arbeitsplätze bei Fehrer in Gefahr

Schlechte Nachrichten: Der Automobilzulieferer Fehrer mit Hauptsitz in Kitzingen muss mehr sparen als gedacht. Auch betriebsbedingte Kündigungen sind nicht ausgeschlossen.
Das Fehrer-Werk in Kitzingen. Foto:  Ralf Dieter
 
von RALF DIETER
Nach drei Stunden Betriebsversammlung informierte die Geschäftsführung von Fehrer gestern Nachmittag die Presse. Und die Nachrichten waren alles andere als gut:

Der ursprüngliche Sanierungsplan wird verfehlt, die erhofften Umsätze können nicht erreicht werden. Statt des im Sommer prognostizierten Wachstums von rund zehn Prozent in 2013 deuten die aktuellen Abrufzahlen bei den Kunden darauf hin, dass kein Wachstum erzielt werden kann. Die Konsequenzen müssen auch die Arbeitnehmer tragen.

"Die Automobilnachfrage hat in den letzten Monaten stark nachgelassen und wird 2013 weiter stagnieren", informierte der Sprecher der Geschäftsführung, Dr. Bernd Welzel. Gerade in Deutschland werden die Aufträge immer weniger. Das Problem von Fehrer, das die Kitzinger Traditionsfirma mit vielen anderen Automobilzulieferern teilt: Die großen Automobilhersteller verlagern Teile ihrer Produktion ins billigere Ausland. "Wir können unsere Produkte nicht quer durch Europa oder gar nach China transportieren", so Welzel. Da die Kunden verstärkt im Ausland fertigen, muss auch Fehrer diesem Trend folgen. "Damit wir wettbewerbsfähig bleiben", sagte Welzel.

Umsatzprognosen sind gesunken

Die Auswirkungen werden auch die Mitarbeiter von Fehrer zu spüren bekommen - und das über den Sanierungstarifvertrag hinaus, der erst im Sommer dieses Jahres beschlossen wurde. 80 Millionen Euro wollte Fehrer für ein umfassendes und auf zwei Jahre angelegtes Restrukturierungsprogramm in die Hände nehmen. Gesellschafter und Mitarbeiter wollten ihren Teil dazu beitragen. Letztere erklärten ihren Verzicht auf Teile des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes. Die tariflichen Lohnsteigerungen sollten um ein Jahr verschoben werden. Ein Ziel des Sanierungsprogramms: Alle Abläufe in Produktion, Vertrieb und Verwaltung so effizient und schlagkräftig wie möglich ausrichten. "Wir sind mit dem Maßnahmenprogramm gut unterwegs", versichert Welzel. Allerdings haben sich die Umsatzprognosen in den letzten sechs Monaten drastisch reduziert. Die Geschäftsführung musste nachjustieren.

Arbeitsplätze auf dem Spiel

Beschlüsse sind noch keine getroffen worden, die Szenarien für die nahe Zukunft deuten sich aber schon an. Demnach soll das Werk Leipzig II, in dem Hartschaumteile produziert werden, geschlossen und nach Großlangheim verlagert werden. 49 Arbeitsplätze sind davon betroffen. In Kitzingen steht die Kaltschaumanlage zur Disposition - und mit ihr 100 Arbeitsplätze. "Wir müssen das aber noch detailliert betrachten", betont Welzel. Fakt ist: Die Anlage ist rund 30 Jahre alt, die Produkte, die dort hergestellt werden, wurden auf einem Kostenniveau kalkuliert und verkauft, das eher dem osteuropäischen, sprich, tschechischen und ungarischen Niveau entspricht. Ende 2013 wird die Anlage nach Stand der Dinge aus dem Betrieb genommen. Die Kapazität wird in ausländische Werke verlagert.

Damit nicht genug der Schreckensmeldungen: Das Unternehmen prüft, die Leistungen des Anlagen- und Werkzeug-baus - ebenfalls in Kitzingen angesiedelt - zu konzentrieren.

Sämtliche Werke Fehrers im In- und Ausland werden von den rund 150 Arbeitern versorgt. 80 Mitarbeiter in diesem Bereich müssen um ihre Stelle bangen. Der Hintergrund ist der gleiche wie bei der Kaltschaumanlage: Werkzeuge nach China zu liefern, ist nun mal nicht wirtschaftlich.

Alles auf den Prüfstand

Der Sprecher der Geschäftsführung will die Lage nicht schön reden: "Uns fehlt jetzt Liquidität, wir brauchen zusätzliche Mittel." Die Geschäftsführung wird deshalb neu mit den Kunden verhandeln und alle Kapazitäten, sprich , Arbeitsstellen, auf den Prüfstand stellen. Auch in der Verwaltung ist von einer deutlichen Anpassung die Rede.
Hat die Automobilzuliefererindustrie unter diesen Vorzeichen überhaupt noch eine Zukunft in Deutschland? Der kaufmännische Geschäftsführer Tom Graf bejaht. "Es wird auch künftig einen Bedarf an Schaumprodukten geben", prophezeit er. All zu weit sollten Zulieferer und Automobilwerk aber nicht auseinander liegen.
Für die Geschäftsführung geht es jetzt aber erst einmal um die nahe Zukunft. Und die ist aufreibend genug. Zunächst einmal sollen die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern aufgenommen werden. Und das so schnell wie möglich. Welzel: "Wir stehen unter einem enormen Zeitdruck."

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