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80 Prozent Quitten-Ausfall nach Frostnacht im Mai

Er ist der Quittenexperte schlechthin: Marius Wittur hat der gelben Frucht an der Mainschleife wieder eine Heimat gegeben.
Die Quittenernte fällt in diesem Jahr eher mau aus.
 
von FRANK WEICHHAN

Er ist der Quittenexperte schlechthin: Marius Wittur hat der gelben Frucht an der Mainschleife wieder eine Heimat gegeben. Was vor zehn Jahren mit dem Astheimer Quittenlehrpfad begann, mündete in einen Quittenhof in Untereisenheim – inzwischen sogar mit Schafhaltung. Dieses Jahr hat es den 44-Jährigen allerdings ganz schön gebeutelt – von der Ernte bleibt nicht viel übrig.

Frage: Wie lief das Quittenjahr?

Marius Wittur: Es hätte nicht schöner anfangen können: Unsere Fränkische Lammbratwurst mit Quitte gewann im Januar bei dem Wettbewerb 'Bayerns beste Bio Produkte' Gold und gleich darauf wurde unser Quitten Rose?wein auf der internationalen Apfelweinmesse mit dem Pomme d?Or, prämiert. Doch im April krachte der Nachtfrost direkt in die Quittenblüte – mit minus sieben Grad.

Welche Schäden sind entstanden?

Wittur: Wir haben heuer bis zu 80 Prozent Ernteausfälle auf unserem Quittenhof, dass ist bitter. Aber wir hatten vor einigen Jahren schon mal starke Verluste durch höhere Naturgewalt hinnehmen müssen, weshalb ich seit zwei Jahren meine Vision einer azyklisch angepassten Landwirtschaft auf unserem Betrieb umzusetzen versuche. Das bedeutet, dass wir nicht marktgerecht für ein Wirtschaftsjahr Quittenobst produzieren, sondern lernen mit den Wechselwirkungen mehrerer Jahreskreisläufe zu leben und die Chancen darin zu erkennen.

So haben wir vergangenes Jahr überdurchschnittlich viele Quitten geerntet, die wir als Most oder Fruchtmus eingelagert haben, anstatt überschüssige Mengen im vorigen Oktober auf dem Obstmarkt feil zu bieten, wo der Preis sowieso im Keller war. Zu den erfrorenen Blüten haben wir den verbliebenen Fruchtansatz extra abgezupft, damit die Quittengehölze sozusagen in ein Schabbatjahr gehen und sich derart mit Energie aufladen können.

Wann beginnt die Ernte der verbliebenen 20 Prozent ?

Wittur: Da ein schöner Altweibersommer so ziemlich das einzige verlässliche Wetter an der Mainschleife in den letzten Jahren war, setzte ich noch auf ein paar schöne Sonnenstunden, um dann zum Ende der ersten Oktoberwoche die ersten Früchte zum Keltern heim zu holen. Da wir heuer wegen der geringeren Ernte nicht so unter Zeitdruck sind, gibt es Freiräume, um neue Sachen bei der Verarbeitung auszuprobieren.

„Ich kann nicht glauben, was aus einer fantastischen Spinnerei geworden ist.“
Marius Wittur, Herr der Quitten
Welche Arbeiten stehen gerade an?

Wittur: Gerade laufen die letzten Veranstaltungsvorbereitungen für die nächsten Wochen wie für den Kulturherbst Untereisenheim oder für die Genuss-Macher-Messe in Würzburg. Im September habe ich immer wieder Führungen am Quittenlehrpfad in Astheim. Außerdem arbeite ich an den letzten Feinheiten eines Quittenrezeptbuchd, dass bis zum Gelb werden der Quitten fertig werden soll.

Was macht der Astheimer Lehrpfad? Wie groß war das Interesse an den Führungen?

Wittur: Bei der jüngsten Führung am Quittenlehrpfad vergangenen Sonntag waren viele Besucher davon überrascht, dass es den Lehrpfad an der Mainschleife schon seit genau zehn Jahren gibt. Am meisten ich selbst, weil ich es einfach nicht glauben kann, wie aus einer fantastischen Spinnerei die ich als junger Kerl hatte, nun ein Ort entstanden ist, wohin Quittenliebhaber aus nah und fern pilgern. Ein Teilnehmer aus der Gruppe kam aus Aschaffenburg und ließ sich trotz frischer Knieoperation die vier Kilometer lange Wanderung nicht entgehen.

Was gibt es ansonsten noch neues im Quitten-Land?

Wittur: Die Jugendhilfe Keep aus Düllstadt, für die wir immer wieder Praktikastellen auf unserem Quittenhof bereitstellen, wirkt nun auch mit einem pädagogischen Konzept unmittelbar an der Mainschleife, wo mit Jugendlichen die Pflege von Streuobstwiesen organisiert wird und die seit jüngst eine Bio-Apfelschorle unter eigener Marke anbieten. Besonders Sommerach war da auf Zack und hat Streuobstwiesen auf Gemeindeland in die Obhut der Düllstädter gegeben. Bei uns in Untereisenheim soll im Rahmen einer Dorfverschönerung demnächst eine Planierraupe die wunderschöne Quittenhecke an der Dorfmauer plattmachen. Dadurch verschwindet ursprüngliche Identität aus Fränkischen Dörfern.

Was macht das Projekt Schafe?

Wittur: Die Schafhaltung hat sich gut in unseren Betrieb integriert, wir haben 19 Zuchttiere.

Es ist nicht nur so, dass wir inzwischen routinierter beim Umkoppeln der Herde oder beim Klauenschneiden sind, auch die Schafe selbst, insbesondere die älteren Zuchttiere, kennen nun die verschiedenen Wiesen und Baumfelder, wo sie vorher schon mal geweidet haben und verhalten sich so relaxed, dass auch die Jährlinge und Lämmer völlig gelassen beim Umtrieb mitlaufen oder freiwillig auf den Viehanhänger springen. Beim Aufbau der Herde war es mir ein wichtiges Anliegen, die Mutterschafe aus verschiedenen Blutlinien zusammenzustellen. Dazu kommen Fremdböcke, die mit den bayerischen Zuchttiere in keiner engeren Verwandtschaft stehen. Die Nachzucht daraus ist nicht nur für die Erhaltungszucht des Coburger Fuchsschafes interessant, sondern bringt durch die Bank schöne Tiere hervor.

Da fällt das Schlachten mitunter sicher schwer . . .

Wittur: . . . an manchen Tagen könnte man schon Vegetarier werden. Ich glaube, das ist die andere Seite zur konventionellen Massentierhaltern, die jeglichen Respekt vor dem Wert und der Schönheit unserer Nutztierrassen verlorenen haben. Einen Jungbock haben wir heuer zur Blutauffrischung an ein Kloster in Mittelfranken abgegeben. Da kann sich unserer Bock unkeusch benehmen und wird noch mit den saftigsten Weiden des Herrn belohnt.



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