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20 Stimmen für die Demokratie

Rafiq Iqbal ist am 23. September jetzt auch offiziell der Gegenkandidat von Landrätin Tamara Bischof - eine längst überfällige Opposition, finden seine Förderer Jens Pauluhn (ödp) und Hans Plate (Bündnis 90/Die Grünen).
Jens Pauluhn (ödp), Landratskandidat Rafiq Iqbal und Hans Plate (Die Grünen) geben ihre Stimme ab.  Foto: Christina Uhl
 

Die Atmosphäre war auffällig locker, obwohl es einene offiziellen Anlass gab. Man kennt es nicht anders von ödp und dem Bündnis 90/Die Grünen als ein bisschen unkonventionell. Gitarrenmusik, Gegrilltes und muntere Gespräche hinterließen den Eindruck eines Familienfestes mit geselligem Beisammensein, und die Herren des Hauses halten eine Rede.
So sprach der ödp-Kreisvorsitzende Jens Pauluhn von der Kommunalpolitik als "Fundament unserer Demokratie" und ergänzte, dass "ein wesentliches Merkmal der Demokratie der Wettstreit der besten Ideen" sei. Als Tamara Bischof im Jahr 2006 wieder zur Landrätin gewählt wurde, habe es keinen Gegenkanditaten gegeben. "Ohne politischen Wettstreit und ohne Opposition macht sich Selbstgefälligkeit breit”, so Pauluhn. Diese These solle kein Angriff sein, aber sie liege in der Natur des Menschen. Gerade deshalb sei es wichtig gewesen, für die Landratswahl im September einen Gegenkandidat für Tamara Bischof zu stellen.
Das sah auch Hans Plate, Vorsitzender des Bündnis 90/Die Grünen so. "Es entspricht nicht der Politik in unserem Lande, dass kein Gegenkandidat da war." Zudem seien 2006 nur 27 Prozent der Wähler zur Wahl gegangen. "Diese Zahl ist nicht akzeptabel."
Und so kam auch der "Sprössling" selbst zu Wort: "Ein wichtiger Punkt ist es, erneuerbare Energien zu fördern", sagte Rafiq Iqbal gleich eingangs. Das Potenzial im Landkreis und dem ländlichen Raum sei zwar da, werde aber nicht genutzt. Er wolle es vorantreiben, Genossenschaften zu gründen, damit in jeder Gemeinde einzeln nach Potenzialen geforscht werden kann. Ziel sei es, unabhängiger vom Stromnetzwerk zu werden und den Strom im Landkreis selbst zu erzeugen.
Als fünffacher Vater liegt ihm zudem die Bildungs- und Familienpolitik am Herzen. "Viele Bürger wissen nicht, wie hoch die Kinderarmut im Landkreis Kitzingen ist", meinte Iqbal. 11,6 Prozent der Kinder unter drei Jahren seien von Armut betroffen - das ist doppelt so viel wie in Würzburg. Er werde sich dafür einsetzen, dass in die "neue" Klinik ein Kindergarten integriert werde - schließlich sei das Krankenhaus, vor allem auch für Frauen, einer der größten Arbeitgeber in Kitzingen.
Beim Thema Verkehr wird Rafiq Iqbal fast ein bisschen sauer. "Die Rennstrecke ist fast komplett, so dass LKW-Fahrer die Autobahn verlassen, um Mautgebühren zu sparen", erklärt er die Situation auf vielen Staatsstraßen - unter anderem die Strecken zwischen Marktbreit und der Landkreisgrenze zu Schweinfurt. Für die Bürger, die in der Nähe dieser Staatstraße wohnen, sei das Leben sehr anstrengend und gefährlich. "Der LKW-Verkehr soll auf der Autobahn bleiben", forderte Iqbal und schloss mit einem Rundumschlag ab. "Insgesamt will ich, dass nicht die Kostendeckung, sondern die Menschlichkeit nach vorne kommt."
Spätestens jetzt wurde klar, dass es sich doch nicht nur um ein lockeres Beisammensein handelt. Immerhin hatten rund 50 Interessierte den Ausführungen der drei Herren gelauscht. Eine Parallele zu manchem Familienfest gab es aber noch: Es waren längst nicht alle Mitglieder vor Ort. So wurden für die Nominierung Iqbals zum Landratskandidat der beiden Parteien gerade einmal 20 Stimmen abgegeben. Die nannten aber immerhin geschlossen den Marktbreiter als gewünschten Kandidaten - so dass das erste Ziel der beiden Kreisvorsitzenden, eine echte Wahl mit einer Alternative zur Amtsinhaberin herbeizuführen, bereits erreicht ist.

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