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Portrait

"Festival der Neuentdeckungen": Die Hofer Filmtage beginnen

Die Hofer Filmtage sind in Bewegung: Das Festival hat einen neuen künstlerischen Leiter. Er präsentiert junge Filmemacher und kontroverse Themen.
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Rechnet mit 30 000 Besuchern bei den diesjährigen Hofer Filmtagen: Festivalleiter Thorsten Schaumann Foto: A. Geiger, dpa
Rechnet mit 30 000 Besuchern bei den diesjährigen Hofer Filmtagen: Festivalleiter Thorsten Schaumann Foto: A. Geiger, dpa
Von all den Vorurteilen, dass es in Deutschland keine guten Filme und keine talentierten Filmemacher gibt, möchte der neue Chef der Hofer Filmtage nichts wissen. "Der deutsche Film ist breit aufgestellt. Das ist echt spannend, mit welchen Themen sich die jungen Regisseure beschäftigen", sagt Thorsten Schaumann. 130 Spielfilme, Dokumentationen, Kurzfilme und Independent-Filme werden bei den Filmtagen in Oberfranken vom 24. bis 29. Oktober 2017 gezeigt.


"Eine Menge Überraschungen"

"Es geht um soziales Engagement, um wildes Partyleben, um Selbstbestimmung - und um aktuelle gesellschaftspolitische Probleme. Wir haben eine Menge Überraschungen." Schaumann war im vorigen Jahr im Kuratorium der Hofer Filmtage - gemeinsam mit Linda Söffker und Alfred Holighaus. Diese Lösung war notwendig geworden, weil der Gründer und langjährige Chef Heinz Badewitz gestorben war.

In diesem Jahr steht nun Thorsten Schaumann an der Spitze des Festivals. "Hof ist Hof und eine Mission, der man folgt. Das Festival ist extrem gut aufgestellt und ständig in Bewegung", sagt Schaumann, der darauf setzt, dass die Internationalen Hofer Filmtage zudem als ein Festival der Neuentdeckungen gelten.


Den Kurzfilm stärken

"Ich möchte, dass angeregt über Film gesprochen und diskutiert wird. Dafür gibt es dieses Jahr zusätzlich ,Hof PLUS‘: unser Rahmenprogramm, bei dem wir aktuelle Themen der Filmbranche angehen." Es soll dabei offen über Schauspielgagen, über Hochschul- und Debütfilme gesprochen werden. "Ich möchte ganz besonders den Kurzfilm stärken. Die meisten Filmemacher fangen letztendlich in diesem Format an", sagt Schaumann.

Schaumann ist gelernter Wirtschaftswissenschaftler. "Film war schon immer meine persönliche Leidenschaft. Nach meinem Studienabschluss bin ich nach New York gegangen und über meine damalige Mitbewohnerin als Praktikant in einer Filmproduktion gelandet. Danach habe ich noch bei einem der damaligen Verleiher, October Films, reingeschnuppert. Da habe ich zum ersten Mal erfahren, dass es auch für mich, ohne primär filmische Ausbildung, Jobs beim Film gibt", sagt der 49-Jährige.


Leidenschaft zum Beruf gemacht

Die Leidenschaft wurde zum Lebensinhalt. Schaumann kehrte nach Deutschland zurück, wollte unbedingt an dem Punkt, an dem er in New York aufgehört hatte, weitermachen. Das ist ihm gelungen. Er arbeitete für die Bavaria Film International, war zuständig für Verkauf und Betreuung deutscher und internationaler Filme wie Helmut Dietls "Rossini", Tom Tykwers "Lola rennt", Wolfgang Beckers "Good Bye, Lenin!" oder Caroline Links "Nirgendwo in Afrika".

In dieser Zeit knüpfte Schaumann auch Kontakte zu den Filmemachern. Er wurde Vorstandsmitglied des Verbandes Deutscher Filmexporteure sowie Gründungsmitglied der European Film Export Association mit Sitz in Paris. zuletzt arbeitete Schaumann bei Sky Deutschland, wo er für die Bereiche Filmrechte, Lizenzen, Einkauf und Vermarktung zuständig ist.

Während der Filmtage wird Schaumann natürlich in Oberfranken sein. Doch die Vernetzung sei in München besser: "Es ist in München einfacher, Leute zu treffen, sich über neue Projekte und Tendenzen auszutauschen." An der neuen Aufgabe reizt Thorsten Schaumann vor allem eines: dass Hof ein Festival ist, das von Herzen kommt. Sein persönlicher Wunsch sei, dass sich alle Gäste wohlfühlen. Auf mindestens 30.000 Besucher hofft er.


Schwäche für Film-Oldtimer

Persönlich hat Thorsten Schaumann eine Schwäche für Filme, die durch ihre Geschichte oder ihre Machart die Menschen in ihren Herzen berühren: "Bei solchen Filmen lasse ich mich gerne reinsinken und in eine andere Welt entführen. Außerdem habe ich ein gewisses Faible für das Kino der Vierziger und Fünfziger, aber gleichzeitig bin ich immer neugierig auf das, was Neues kommt."
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