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Kriminalität

So hat der Waldläufer gelebt: Ein perfekt getarntes Versteck

Bei der Verhaftung des "Waldläufers" bietet sich den Polizisten ein nicht alltägliches Bild: Der 61-jährige Tscheche hatte sich im Unterholz nahe des Kornbergs ein imposantes Zuhause geschaffen.
In diesem Unterschlupf hielt sich der "Waldläufer" versteckt. Foto: Polizei
 
von CHRISTIAN PACK
Als die Polizisten den "Waldläufer" am vergangenen Freitag in seinem Versteck im Unterholz überraschen, ist der 61-Jährige gerade erst aufgewacht. Mit einem Pyjama bekleidet sitzt er auf einem Schlafsack und schaut die Beamten mit müden Augen an. Der Tscheche, der wegen zahlreicher Einbrüche im Landkreis Wunsiedel gesucht wird, gibt die Taten zu und lässt sich widerstandslos abführen. "Beim Weggehen hat er wehmütig auf sein Lager zurückgeblickt. Später hat er es als sein Zuhause bezeichnet", berichtet Robert Roth von der Polizeiinspektion in Wunsiedel.

Der Verhaftete soll seit April 2014 knapp 90 Einbrüche rund um den Kornberg im Fichtelgebirge begangen haben. Dabei nahm er meist nur Gegenstände des täglichen Bedarfs aus abgelegenen Schuppen, Hütten, Kellern und Gartenhäusern mit.

Mehrfach war die Polizei dem Gesuchten auf der Spur. Sogar mit Spürhunden und einem Hubschrauber wurde das Gebiet durchforstet. "Er ist uns aber immer wieder entwischt, war für uns unsichtbar. Die Tatorte erstrecken sich aber auf eine Fläche von 60 Quadratkilometern", relativiert Willi Dürrbeck von der Polizei in Wunsiedel.

Körperlich fit

Ein weiterer Grund für die mühsame Fahndung: Der 61-Jährige ist körperlich sehr robust (Roth: "Seine Schrittlänge war enorm"). Und: Das Lager, in dem der Mann entdeckt wurde, entpuppte sich keineswegs als ein provisorischer Unterschlupf. "Es war mit Ästen und Planen nahezu perfekt getarnt. Zudem war es von einem Sumpfgebiet umgeben und lag in unmittelbarer Nähe zu zwei Bachläufen", berichtet Roth.

Wie naturerprobt der Gesuchte ist, offenbart auch ein Blick ins Innere des Lagers. Das Versteck besteht aus mehreren Räumen, in das Schlafzimmer ist sogar ein Zelt integriert - perfekt eingearbeitet und perfekt isoliert. "Als die Kollegen reingekommen sind, haben sie geschwitzt. Vom Staat hätte es wohl eine Förderung gegeben", scherzt Roth. Im vorderen Bereich hatte der Waldläufer eine Heizung und eine Art Räucherkammer errichtet. Zudem finden die Beamten ein großes Arsenal an Jagdwaffen, Angeln, Töpfen, Werkzeug und Lebensmitteln. Die Gegenstände türmen sich derzeit in einer Garage der Wunsiedler Polizei.

Bei seiner Vernehmung gab der Mann an, dass es sich für das Waldleben entschieden hat, weil er "mit Menschen nicht kann". Nachdem er 20 Jahre im Bereich Landwirtschaft gearbeitet hatte, sei er seit 2006 ohne festen Wohnsitz. Nach Deutschland sei er vor neun Monaten zufällig gekommen. Die Einbrüche beging er ausschließlich, um in der Natur zu überleben. "Gegenüber Menschen war er nie aggressiv, ist ihnen konsequent aus dem Weg gegangen. Er wollte unentdeckt bleiben", sagt Roth.

Gegen den 61-Jährigen wurde Haftbefehl erlassen, er sitzt in Untersuchungshaft. Wegen Diebstahls und besonders schweren Diebstahls droht dem Tschechen, der 2010 in Österreich wegen ähnlicher Delikte einige Monate in Haft war, eine Gefängnisstrafe von drei Monaten bis zu zehn Jahren. Der Entwendungsschaden wird derzeit auf 3000, der Sachschaden auf 10 000 Euro geschätzt.

Der Inhaftierte, so Leitender Oberstaatsanwalt Gerhard Schmitt, sei "kooperativ, teils ganz lustig und kein großer Verbrecher". Trotzdem müsse man jeden einzelnen Fall bewerten. Das unterstreicht auch Willi Dürrbeck. "Auch wenn immer von Mundraub die Rede ist, haben wir eine Verantwortung gegenüber der Bevölkerung." Einige Menschen hätten sich nicht mehr sicher gefühlt.

Zum Verhängnis wurde dem Einzelgänger sein letzter Einbruch in eine Fischerhütte. Kurz darauf waren ihm die Ermittler bereits auf den Fersen. Dabei halfen auch die winterlichen Verhältnisse: Im Schnee waren die Spuren des Waldläufers bestens zu erkennen.



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