Münchberg
Busunglück in Oberfranken

Nach Busunglück auf A9 in Oberfranken: Polizei gibt Unfallursache bekannt

Eine Pressekonferenz von Staatsanwaltschaft und Polizei brachte nun Erkenntnisse über die Unfallursache.
Artikel einbetten Artikel drucken
Polizei gibt Unfallursache bekannt. Foto: NEWS5 / Grundmann
Polizei gibt Unfallursache bekannt. Foto: NEWS5 / Grundmann
+5 Bilder
Der Busunfall mit 18 Toten auf der Autobahn 9 in Oberfranken ist nach Angaben der Ermittler durch eine Unaufmerksamkeit des Fahrers verursacht worden. Der Reisebus sei daher vor einem Monat bei Münchberg auf den Anhänger eines Sattelzugs aufgefahren, teilten Staatsanwaltschaft und Verkehrspolizei Hof am Mittwoch mit.

Daraufhin sei es zu Kurzschlüssen bei der Batterie und der Elektrik im vorderen Bereich des Busses gekommen. Dadurch habe sich Kraftstoff entzündet; der Bus stand innerhalb kürzester Zeit in Flammen. Die Reisegruppe, überwiegend Senioren aus Sachsen, war unterwegs nach Italien. 18 Menschen kamen ums Leben, darunter auch der Busfahrer; 30 Menschen wurden verletzt.


Gottesdienst für Rettungskräfte

16 Tage nach dem verheerenden Busunglück auf der A9 in Oberfranken mit 18 Toten und Dutzenden Verletzten hat am Mittwoch (19. Juli) in Münchberg ein ökumenischer Gottesdienst für die am Einsatz beteiligten Rettungskräfte stattgefunden. Dabei sprach die Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner den Helfern ihre Dankbarkeit, Hochachtung und Respekt für deren stundenlangen Einsatz am Unfallort aus. "Sie haben getan, was Sie tun konnten", sagte Greiner in ihrer Predigt in der Münchberger Stadtkirche. Auch das Bergen der Toten sei ein wichtiges Werk der christlichen Barmherzigkeit.


Auch der Fahrer des Unglücksbusses rettete Leben

Wie aus Aussagen von Überlebenden klar wird, hat der Fahrer des Unglücksbusses, in dem am 3. Juli bei Münchberg 18 Menschen gestorben sind, ebenso wie der Ersatzbusfahrer, viele Leben gerettet. Der Fahrer lotste eine Reihe von Insassen aus dem Bus, bevor er selbst zusammenbrach und ums Leben kam. Drei Reisende bestätigten, dass der Fahrer ihnen aus dem Bus geholfen hatte.

Nach dem tragischen Busunglück am 3. Juli auf der A9 bei Münchberg sind mittlerweile alle 18 Getöteten identifiziert. Dies teilte die Polizei am Montag (10. Juli) mit. Von den 30 Verletzten befinden sich derzeit noch sechs Menschen in Krankenhäusern. Indes dauern die Ermittlungen zur Unfallursache noch an.


Schnelles Handeln des Beifahrers rettet Menschenleben

Nach bisherigen Erkenntnissen dürfte der beherzte Einsatz des zweiten Fahrers zahlreichen Fahrgästen das Leben gerettet haben. Der 43 Jahre alte Mann saß während des Unfalls auf dem Beifahrersitz und öffnete nach dem Unglück geistesgegenwärtig manuell die Türen. Er half zudem etlichen Fahrgästen aus dem Bus und brachte sie in Sicherheit.


Identifizierungsmaßnahmen abgeschlossen

18 Insassen entkamen den Flammen allerdings nicht mehr. Sie konnten nur noch tot aus dem vollständig ausgebrannten Bus geborgen werden. Im Zuge der durchgeführten Verständigung von Angehörigen konnten zum Zwecke der Identifizierung in allen Fällen Vergleichsmaterialen sichergestellt werden. Den Spezialisten der Rechtsmedizin Erlangen und des Bundeskriminalamts gelang es somit bis zum Wochenende die Identität aller Verstorbenen zu klären.

Von den 30 Verletzten konnten bis zum Wochenende die meisten das Krankenhaus verlassen. Derzeit befinden sich noch sechs Männer und Frauen in stationärer Behandlung. Obgleich vier davon noch intensivmedizinisch betreut werden, ist der Zustand aller Patienten derzeit stabil.

Der Bus mit den zwei Fahrern und den Fahrgästen aus der sächsischen Landeshauptstadt Dresden, den Landkreisen Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Görlitz, Bautzen, Meißen, Mittelsachsen sowie den brandenburgischen Landkreisen Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße startete am Montagmorgen von Sachsen aus nach Italien.

Die Ermittlungen der Verkehrspolizei und der Staatsanwaltschaft Hof sowie zwei beauftragter Sachverständigen dauern immer noch an. Nach vorläufiger Einschätzung beider Gutachter liegen bisher keine Hinweise darauf vor, dass der Reisebus bereits vor dem Aufprall auf den Anhänger gebrannt hat. Vieles spricht dafür, dass bei dem Bus erst aufgrund der Kollision mit dem Anhänger das Feuer ausgebrochen ist.


Ökumenische Andacht für die Opfer des Busunglücks in der Dresdner Frauenkirche

Während sich oben beim Glockengeläut der Dresdner Frauenkirche Touristen in Urlaubsstimmung tummelten, herrschte in der Unterkirche des Gotteshauses minutenlange Stille. Nur ein kurzes Schluchzen war zu hören: Mit einer ökumenischen Andacht ist am Samstag der 18 Opfer des schweren Busunglücks von Münchberg in Oberfranken.
Rund 250 Menschen hatten sich dazu in der Unterkirche der Frauenkirche versammelt, unter ihnen Angehörige und Freunde der Toten und Verletzten sowie Vertreter von Einsatzkräften und aus Politik und Kirchen. Viele von ihnen hatten weiße Rosen und Lilien zum Gedenken der Opfer mitgebracht. Als Gast nahm auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) an der Gedenkveranstaltung teil.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte für diesen Samstag (8. Juli) Trauerbeflaggung angeordnet. Die Trauerbeflaggung wurde für alle staatlichen Dienstgebäude in Bayern angeordnet. Gemeinden, Kreise, Bezirke und die übrigen Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts wurden gebeten, in gleicher Weise zu verfahren.


Verdacht gegen verstorbenen Fahrer

Die Ermittlungen zur Klärung der Ursache und Umstände werden von Polizei und Staatsanwaltschaft Hof weiter intensiv fortgeführt.

Die Fahnder konzentrieren sich dabei auf den gestorbenen Busfahrer als möglichen Verursacher. Gegen andere Menschen werde nicht ermittelt, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Geprüft würden aber auch mögliche technische Fehler.

Im Zuge der Ermittlungen erfolgten am Firmensitz des Busunternehmens in Sachsen Durchsuchungsmaßnahmen sowie Sicherstellungen in Bezug auf den Reisebus und die beiden Busfahrer. Deren Auswertung wird mit Nachdruck betrieben.

Die Brandursache ist noch nicht geklärt. Zwei Sachverständige für Verkehrsunfälle und Brände hätten keine Hinweise darauf gefunden, dass der Reisebus schon vor dem Aufprall auf den Sattelzug gebrannt hat. "Vieles spricht dafür, dass bei dem Bus erst aufgrund der Kollision mit dem Anhänger Feuer ausgebrochen ist", hieß es.
Ein Großteil der betroffenen Angehörigen der Verstorbenen konnte zwischenzeitlich verständigt werden, berichtete die Polizei am Dienstagmittag. Bis zur Beendigung der Unfallaufnahme, Bergung der Fahrzeuge und Reinigung der Fahrstreifen, blieb die Fahrbahn in Richtung Süden bis in die Abendstunden des Montags komplett gesperrt.

Inzwischen konnten sieben leicht verletzte Businsassen die Krankenhäuser wieder verlassen, 23 weitere Personen befinden sich mit schweren Verletzungen noch in stationärer Behandlung. Bei drei von ihnen besteht weiterhin Lebensgefahr. Die meisten Fahrgäste kamen aus Sachsen. Angaben zur genauen Herkunft der Opfer machte die Polizei bislang nicht. Noch am Montag hätten Patienten die Heimreise angetreten, zumeist mit Hilfe von Angehörigen, teilte das Sozialministerium in Dresden mit. Für Mittwoch stehe ein weiterer Rücktransport fest. Notfallseelsorger hatten die Polizei in Sachsen begleitet, als sie mehr als einem Dutzend Angehörigen Todesnachrichten überbrachte. Der Lastwagenfahrer war körperlich unverletzt geblieben, erlitt aber einen Schock.



Video: Busunglück auf der A9 bei Münchberg

Das Unglück hat eine Debatte über schärfere Sicherheitsvorgaben für Busse ausgelöst. Zudem könnte nach dem Busbrand vom Montagmorgen zum ersten Mal die jüngste Gesetzesverschärfung gegen Gaffer angewandt werden. Danach reicht schon das Behindern von Rettungskräften aus, um sich strafbar zu machen. Allerdings griffen die Bußgeld-Pläne von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zu kurz, sagte der rechtspolitische Sprecher Johannes Fechner (SPD). "Wer aus Sensationslust die Rettung von Menschenleben blockiert, muss mit einer empfindlichen Geldstrafe oder Gefängnis bestraft werden."


Busunglück auf der A9 in Oberfranken: Das war passiert

Am Montagmorgen, kurz nach 7 Uhr, war der Reisebus bei sich stauendem Verkehr auf einen vorausfahrenden Sattelzug mit Anhänger auf. Bereits kurz darauf stand der mit 46 Fahrgästen und zwei Fahrern besetzte Bus in Flammen. Auch der Anhänger ging in Flammen auf. Ein Großaufgebot an Einsatzkräften von Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und Technischem Hilfswerk war schnell am Unfallort. Die Gesamtanzahl belief sich zeitweise auf über 200 Einsatzkräfte.

30 Fahrgäste hatten den Bus, der rasch in Vollbrand geriet, noch rechtzeitig verlassen können. Sie mussten mit zum Teil schweren Verletzungen notärztlich versorgt und mit Rettungshubschraubern und dem Rettungswagen in umliegende Krankenhäuser gebracht werden.

Suchmaßnahmen nach den vermissten, weiteren Fahrgästen, auch mit Unterstützung eines Polizeihubschraubers mit Wärmebildkamera, im näheren Umfeld der Unfallstelle verliefen zunächst ohne Ergebnis. Nach weiteren Untersuchungen in dem ausgebrannten Fahrzeugwracks bewahrheiteten sich die Befürchtungen, dass die verbleibenden 18 Personen in dem brennenden Reisebus ums Leben gekommen waren.

Todesopfer des Busunglücks waren zwischen 66 und 81 Jahre alt

Nach weiteren umfangreichen kriminalpolizeilichen Maßnahmen erfolgten am Nachmittag die Bergung und der Abtransport der sterblichen Überreste. Die Opfer unter den Reisegästen waren im Alter von 66 bis 81 Jahren. Spezialisten der Rechtsmedizin Erlangen übernahmen mit Unterstützung von Beamten des Bundeskriminalamts die Identifizierung der Toten, unter denen auch der 55-jährige Fahrer des Busses ist. Der Fahrer des Lastwagens blieb körperlich unverletzt, erlitt jedoch einen Schock.

Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft kamen sowohl ein Verkehrsunfallsachverständiger als auch ein Brandsachverständiger an die Unfallstelle und unterstützten die aufnehmenden Beamten der Verkehrspolizei Hof bei der Klärung der Unfallursache. Nach vorläufiger Einschätzung beider Sachverständiger liegen bisher keine Hinweise darauf vor, dass der Reisebus bereits vor dem Aufprall auf den Anhänger gebrannt hat. Vieles spricht dafür, dass bei dem Bus erst aufgrund der Kollision mit dem Anhänger Feuer ausgebrochen ist.

Zwei Staatsanwältinnen aus Hof führten vor Ort in Abstimmung mit den drei Sachverständigen und den Einsatzkräften die Ermittlungen. Mitarbeiter eines Kriseninterventionsteams kümmerten sich um Verletzte, Angehörige und Einsatzkräfte.

In den frühen Abendstunden des Montags erfolgte die aufwendige Bergung der beiden Fahrzeugwracks, bei der unter anderem ein Kran zum Einsatz kam. Die Fahrzeuge sind auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Hof für weitere Begutachtungen sichergestellt.

Nach umfangreichen Reinigungsarbeiten der Fahrspuren durch eine Spezialfirma sowie der Autobahnmeisterei Münchberg, die zudem für weitere Verkehrsmaßnahmen im Einsatz war, konnte die Fahrbahn in Richtung Süden gegen 20.45 Uhr wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Polizei ermittelt gegen andere Verkehrsteilnehmer - Seehofer kritisiert Gaffer

Inwieweit es durch das Verhalten von Verkehrsteilnehmern im Zusammenhang mit der Anfahrt von Einsatz- und Rettungskräften zu erheblichen Behinderungen oder zu strafbarem Verhalten gekommen ist, wird derzeit mit den Einsatzkräften abgeklärt. Sollte sich ein Anfangsverdacht hierfür ergeben, wird auch in diese Richtung mit Nachdruck ermittelt werden.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bezeichnete den Brand als "Inferno". Der CSU-Chef machte sich am Montagabend ein Bild von der Unglücksstelle nahe Münchberg. Die Helfer, die die Leichen bergen mussten, würden dieses Erlebnis ihr Leben lang nicht vergessen können, sagte Seehofer.

Mit Blick auf Autofahrer, die im Stau keine ausreichende Rettungsgasse gebildet hatten, sagte Seehofer: "Die Disziplin der Leute ist ärgerlich." Er habe selbst erlebt, dass hier neue Regeln nötig seien. Der CSU-Chef appellierte an die Autofahrer, Vernunft walten zu lassen, denn auch sie selbst könnten einmal betroffen sein.
Verkehrs-Staatssekretärin Dorothee Bär (CSU) sagte, die Strafen für Gaffer müssten erhöht werden. Bloße Geldstrafen reichten nicht aus - möglich seien eventuell ein Führerscheinentzug und Punkte. Auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) erwiegt - angesichts des Vorfalls - das Bußgeld für Gaffer zu erhöhen. "Es ist in der Tat unverantwortlich und beschämend, wenn auf der Gegenfahrbahn die Geschwindigkeit drastisch vermindert wird, um zu sehen, was passiert ist", sagte er am Montag im ARD-"Brennpunkt" nach dem schweren Unglück.
"Ich bin auch bereit, die Bußgelder zu erhöhen, wenn wir noch mehr abschreckende Wirkung brauchen - das ist die eine Seite. Das andere ist, den Autofahrern bewusst machen, was sie durch ihr Verhalten auslösen können", so Dobrindt. Wer die Einsatzkräfte behindere, könne auch mit Gefängnis bestraft werden.



Video: Busunglück in Oberfranken: Polizei rechnet mit "etlichen Toten"

Schon einmal hatte es auf der A9 nahe Münchberg ein schweres Unglück gegeben: Vor 27 Jahren kam es dort wegen dichten Nebels zu einer der schlimmsten Massenkarambolagen, die es je auf deutschen Straßen gegeben hat. Rund 100 Autos waren damals in den Unfall verwickelt - zehn Menschen starben, 122 wurden verletzt.
Verwandte Fotoserien
Noch keine Kommentare

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.