Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Ermittlungen

DNA von Uwe Böhnhardt bei toter Peggy entdeckt

An einem Gegenstand am Fundort der ermordeten Peggy aus Lichtenberg sind DNA-Spuren eines NSU-Terroristen gefunden worden.
An einem Gegenstand am Fundort der ermordeten Peggy aus Lichtenberg sind DNA-Spuren eines NSU-Terroristen gefunden worden. Foto: BKA/dpa/
 
von DPA JOHANNES GÖRZ
Überraschende Erkenntnis im Fall Peggy: Wie das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Erklärung am Donnerstagabend mitteilen, sind an einem Gegenstand am Fundort der sterblichen Überreste der ermordeten Peggy K. aus Lichtenberg DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden worden. Bei einem DNA-Abgleich von Datenbanken hat es am Donnerstag einen Treffer gegeben


Ermittlungen in alle Richtungen

Weiter heißt es in der Mitteilung, es sei noch unklar, wo die DNA-Spur entstanden sei und in welchem Zusammenhang sie genau stehe. Auch sei noch völlig unklar, ob sie in Verbindung mit dem Tod von Peggy K. stehe. Dies bedürfe weiterer umfassender Ermittlungen.

Diese Ermittlungen werden nun in alle Richtungen geführt. Neben dem Generalbundesanwalt sind auch das Bundeskriminalamt, das bayerische Landeskriminalamt sowie die thüringische Polizei über die neuen Erkenntnisse unterrichtet worden und sind in die Ermittlungen eingebunden.

Mit schnellen Erkenntnissen sei vorerst nicht zu rechnen, hieß es am Freitagvormittag. "Es gibt eine Vielzahl von Aufgaben", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel in Bayreuth. "Wir müssen erstmal sortieren, in welcher Reihenfolge wir das abarbeiten."

Böhnhardts DNA-Spuren wurden an einem Gegenstand gefunden, wie Potzel am Donnerstagabend mitteilte. Details nannte er nicht. Nach "Spiegel"-Informationen handelt es sich dabei um ein Stück Stoffdecke. Der Bayerische Rundfunk berichtete unter Berufung auf Polizeikreise, dass es sich um ein Stück Stoff von der Größe eines Fingernagels handele.


Die Staatsanwaltschaft schließt eine Verunreinigung der DNA-Probe nicht aus

Allerdings schließt die Staatsanwaltschaft eine Verunreinigung der Probe nicht aus. Die DNA-Spur wurde nach dpa-Informationen zwar beim Landeskriminalamt in München untersucht und nicht wie die Skelettteile Peggys in der Rechtsmedizin in Jena. Der Bayreuther Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel betonte aber am Freitag: "Es gibt mehrere Möglichkeiten der Verunreinigung." Details nannte er nicht. "Wir wollen den Weg der Spur genau und sicher überprüfen."

Wie das Nachrichtenmagazin "Spiegel" aus Ermittlerkreisen erfahren haben will, sei eine Verunreinigung der DNA-Proben theoretisch denkbar: Das Skelett von Peggy und die Leiche Böhnhardts seien laut "Spiegel" im gleichen rechtsmedizinischen Institut untersucht worden. Die Staatsanwaltschaft wolle eine mögliche Verunreinigung prüfen, sagte Potzel. Dazu müsse auch geklärt werden, in welchen Räumen die Leiche Böhnhardts, die Skelettteile von Peggy und die Fundstücke im Fall des Mädchens untersucht worden waren. Weitere Details nannte Potzel nicht.


Im Mai 2001 verschwand Peggy spurlos

Am 7. Mai 2001 verschwand die damals neunjährige Peggy aus Lichtenberg im Landkreis Hof. Wochenlange Suchaktionen blieben erfolglos. Zunächst wurde ein geistig behinderter Mann festgenommen, der zugab, sich an Peggy und drei weiteren Kindern vergangen zu haben. Er wurde 2004 für den Mord an Peggy K. verurteilt, jedoch 2014 nach der Wiederaufnahme des Verfahrens freigesprochen. Am 2. Juli dieses Jahres wurden schließlich Peggys sterbliche Überreste in einem Waldstück in Thüringen gefunden. Außerdem entdeckten die Ermittler damals neben Teilen des Skeletts Fetzen ihrer Kleidung sowie die Kunststoff-Uhr, die das Mädchen am Tag seines Verschwindens getragen hatte.

Klar ist für die Ermittler, dass der Fundort der Skelettteile nicht der Tatort war. Wie lange Peggy nach dem Verschwinden noch gelebt hat, war aber unklar. Die Knochen seien Peggy im Alter von neun Jahren zuzuordnen, stellte Potzel klar. Offen blieb auch, wie lange die Skelettteile in dem Waldstück gelegen hatten.


Spielzeug im Wohnmobil

An Kindersachen aus dem Wohnmobil der mutmaßlichen NSU-Terroristen, die in der Asservatenkammer des Bundeskriminalamtes lagern, ist keine DNA-Spur der toten Peggy entdeckt worden. Das sagte BKA-Präsident Holger Münch am Freitag in Wiesbaden. Das BKA habe unter anderem eine Sandale aus dem Wohnmobil untersucht. Es sei eine weibliche DNA gesichert worden, aber nicht die von Peggy.

Ein solcher Fund wäre aber auch extrem unwahrscheinlich: Peggy verschwand im Alter von neun Jahren bereits 2001, die im Sommer 2016 gefundenen Knochen des Mädchens entsprechen ihrem damaligen Alter. Die erschossenen Leichen der mutmaßlichen Terroristen wurden erst zehn Jahre später - im Jahr 2011 - in dem Wohnmobil gefunden.

Im Wohnmobil, das Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos am Tag ihres Todes fuhren, hatte die Polizei einen Teddybär, eine Kindersandale sowie eine Spielzeug-Wasserpistole gefunden. Auf diese Funde hatte man sich bisher keinen Reim machen können.

Uwe Böhnhardt war Mitglied der rechtsterroristischen Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) und starb im November 2011 im Alter von 34 Jahren im thüringischen Eisenach. Er wurde mutmaßlich von seinem Mittäter Uwe Mundlos erschossen, bevor dieser Suizid beging. Die Rechtsextremisten Mundlos, Böhnhardt und Beate Zschäpe sollen jahrelang unerkannt gemordet haben. Das Trio aus Jena tauchte demnach ab und gründete die Terrorgruppe. In München läuft seit mehr als drei Jahren der Prozess gegen Beate Zschäpe.



Kinderpornos auf Beate Zschäpes Rechner

Laut Rechtsanwalt Yavuz Narin seien im Umfeld des NSU "mehrere Personen mit Sexualstraftaten an Kindern in Erscheinung getreten". So habe einer der mutmaßlichen NSU-Waffenbeschaffer Böhnhardt des Mordes an einem neun Jahre alten Jungen in Jena bezichtigt. Die Tatsache, dass gegen Beate Zschäpe wegen kinderpornographischer Dateien auf ihrem Rechner ermittelt worden war, könnte nun ebenfalls in einem anderen Licht erscheinen.


Hat der Fund Auswirkungen auf den NSU-Prozess?

Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler, Vertreter der Nebenklage im NSU-Prozess, forderte Zschäpe auf, sich zu den neuen Erkenntnissen im Fall Peggy zu äußern. "Ich würde mir wünschen, dass Frau Zschäpe auch in diesem Fall an der Aufklärung mitwirkt und auspackt, was sie dazu weiß", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Freitag). Irene Mihalic, Obfrau der Grünen-Bundestagsfraktion im NSU-Untersuchungsausschuss, sagte der Zeitung: "Das ist eine neue Dimension. Wir müssen dem nachgehen."
Daimagüler kündigte auch einen neuen Beweisantrag im NSU-Prozess an. Dabei sollten Einzelheiten über Kinderporno-Dateien auf einem Computer des NSU untersucht werden, sagte Daimagüler der Deutschen Presse-Agentur. Im Schutt der abgebrannten Fluchtwohnung des NSU-Trios in Zwickau war ein Datenträger mit Kinderpornomaterial gefunden worden. Man müsse herausfinden, sagte Daimagüler, "wer Kenntnis hatte und wer es draufgeladen hat - Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos, Beate Zschäpe oder alle drei".

Ob der NSU-Prozess wie geplant fortgesetzt wird, ist offen. Für diese und kommende Woche sind keine Verhandlungstermine angesetzt. 


Wegen Peggy: Thüringens Ministerpräsident lässt Mord neu prüfen

Wegen der Entwicklung im Fall Peggy lässt Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow die Akten eines anderen Kindsmordes komplett neu prüfen. "Es gab einen Tod eines neunjährigen Kindes in den neunziger Jahren in Jena und da war Herr Böhnhardt und sein Name schon einmal im Visier und das müssen wir alles viel, viel gründlicher betrachten", sagte der Linken-Politiker am Freitag in Berlin.

Der Jenaer Fall ist bis heute nicht aufgeklärt. Böhnhardt war damals wegen des Kindsmordes in Jena vernommen worden, wie Ramelow vor einer Sitzung des Bundesrates sagte. mit Informationen der dpa

zum Thema "Fall Peggy"

Newsletter kostenlos abonnieren
Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.