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DNA-Spur von NSU-Mitglied

Der Fall Peggy und der NSU: Was wir wissen und was nicht

Nach dem Fund der DNA-Spur von Uwe Böhnhardt wird eine Verbindung zum Fall Peggy geprüft. Viele Fragen sind ungeklärt. Was wir wissen und was nicht:
Ein Gedenkstein mit dem Porträt des Mädchens Peggy auf dem Friedhof in Nordhalben. Am Fundort von Peggys Knochen sind DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden worden. Foto: David Ebener/dpa
 
von DPA
Mehr als 15 Jahre haben die Ermittler nach Spuren im Fall der getöteten Peggy gesucht. Nun machen sie einen spektakulären Fund: DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt wurden am Fundort von Peggys Skelett festgestellt.

WAS WIR WISSEN

- Die neunjährige Peggy aus dem oberfränkischen Lichtenberg verschwindet am 7. Mai 2001 auf dem Heimweg von der Schule. Wochenlange Suchaktionen bleiben ohne Erfolg. Am 2. Juli 2016 findet ein Pilzsammler in einem Wald im thüringischen Saale-Orla-Kreis Skelettreste, die von Peggy stammen.

- Das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Bayreuth teilen mit, dass am Fundort der sterblichen Überreste des Mädchens DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden worden seien. Noch ist unklar, in welchem Zusammenhang die dabei gefundene DNA-Spur Böhnhardts steht und ob sie in Verbindung mit dem Tod von Peggy steht.

- Fest steht laut dem Bayreuther Oberstaatsanwalt Harald Potzel nur, dass die am Fundort entdeckten DNA-Spuren Böhnhardts an einem Gegenstand gefunden wurden. Nach "Spiegel"-Informationen handelt es sich dabei um ein Stück Stoffdecke. Der Bayerische Rundfunk berichtete unter Berufung auf Polizeikreise, dass es sich um ein Stück Stoff von der Größe eines Fingernagels handele.

- Uwe Böhnhardt starb am 4. November 2011 - mutmaßlich durch Schüsse seines Mittäters Mundlos, bevor dieser sich in einem Wohnmobil selbst tötete. Die mutmaßlichen Rechtsterroristen Mundlos, Böhnhardt und Beate Zschäpe sollen laut Bundesanwaltschaft jahrelang unerkannt gemordet haben. Das Trio aus Jena tauchte demnach nach einer Razzia in seiner Bombenwerkstatt 1998 ab und gründete die Terrorgruppe. Zwischen 2000 und 2007 erschoss die Gruppe nach Erkenntnissen der Ermittler zehn Menschen, neun davon ausländischer Herkunft. Mit Sprengstoffanschlägen sollen sie zudem Dutzende Menschen verletzt haben. In München läuft seit mehr als drei Jahren der Prozess gegen Beate Zschäpe - als einziges noch lebendes Mitglied des sogenannten "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU).

WAS WIR NICHT WISSEN

- Zwar wurden DNA-Spuren Böhnhardts am Fundort der sterblichen Überreste von Peggy gefunden - wie sie dorthin gelangten, ist aber weiter unklar. Ob die gefundene Spur möglicherweise in Verbindung mit dem Tod von Peggy steht, muss noch geklärt werden. Die Untersuchungen stehen den Ermittlern noch ganz am Anfang. Auch eine Verunreinigung der DNA-Probe ist theoretisch denkbar. Das Skelett von Peggy und die Leiche Böhnhardts seien im gleichen rechtsmedizinischen Institut untersucht worden. Eine mögliche Verunreinigung wird nun geprüft. Die DNA-Spur wurde nach dpa-Informationen zwar beim Landeskriminalamt in München untersucht und nicht wie die Skelettteile Peggys in der Rechtsmedizin in Jena. Der Bayreuther Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel betonte aber am Freitag: "Es gibt mehrere Möglichkeiten der Verunreinigung." Details nannte er nicht. "Wir wollen den Weg der Spur genau und sicher überprüfen."

- In dem ausgebrannten Wohnmobil wurden nach Informationen des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses Kindersachen gefunden, deren Herkunft bis heute unklar ist. Die meisten - darunter ein Paar Schuhe - seien nie auf DNA untersucht worden.

- Zwar wurden im vergangenen Mai Knochen gefunden, die die Ermittler Peggy zuordnen - das Skelett sei aber nicht vollständig. Weitere Knochenreste wurden bislang nicht gefunden. "Dies lässt sich mit dem Lebensraum und den Gewohnheiten von Waldtieren erklären", sagte der Leiter der Sonderkommission Peggy, Uwe Ebner, im vergangenen Juli. Die Ermittler suchten aber dennoch weiter nach Knochen. Außerdem fehlten Kleidungsstücke und der Schulranzen des Mädchens.

- Trotz der neuen Wende im Fall, ist noch nicht absehbar, wann es weitere Erkenntnisse geben wird. "Es gibt eine Vielzahl von Aufgaben", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel am Freitag in Bayreuth. "Wir müssen erstmal sortieren, in welcher Reihenfolge wir das abarbeiten."

- Ob und inwieweit es Auswirkungen auf den NSU-Prozess in München geben wird, ist noch offen. Für diese und kommende Woche sind keine Verhandlungstermine angesetzt. Mehrere Anwälte von Angehörigen der NSU-Opfer und Mitglieder diverser Untersuchungsausschüsse in Landtagen und im Bundestag haben schon Fragen aufgeworfen. Dabei geht es etwa darum, was Zschäpe zum Fall Peggy sagen könnte, ob es Zusammenhänge mit Vorwürfen des Kindesmissbrauchs gibt und ob alle ungeklärten Fällen, bei denen Kinder und Menschen mit Migrationshintergrund zu Tode gekommen seien, mit der DNA der mutmaßlichen NSU-Terroristen abgeglichen werden.

zum Thema "Fall Peggy"

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