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Fall Peggy

DNA von NSU-Terrorist an Peggys Leiche: Reaktionen

Nach dem Fund von DNA-Spuren des vermeintlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt in der Nähe von Peggys Leiche, gibt es zahlreiche Reaktionen dazu.
Abfall liegt am 14.10.2016 in einem Waldstück nahe Rodacherbrunn (Thüringen) am Boden. In dem Waldareal waren im Juli diesen Jahres Skelettteile der vermissten Peggy gefunden worden. In der Nähe desSkeletts der getöteten Peggy wurde auch eine DNA-Spur des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt sichergestellt. Foto: Nicolas Armer/dpa
 
von DPA
Peggys Mutter ist über die neue Entwicklung im Fall ihrer toten Tochter bestürzt. "Dass nunmehr eine DNA-Spur auf Uwe Böhnhardt und damit eventuell auf die NSU-Szene verweist, hat meine Mandantin tief erschüttert und viele neue Fragen aufgeworfen", teilte ihre Anwältin Ramona Hoyer am Freitag mit. "Meine Mandantin benötigt Zeit, diese neuen Entwicklungen zu verarbeiten." Seit dem Verschwinden Peggys 2001 und dem Auffinden der Skelettteile im Juli dieses Jahres hoffe ihre Mandantin, dass die Umstände des Todes ihrer damals neunjährigen Tochter vollständig geklärt werden können.

Fraglich sei unter anderem, was die Ermittler zum Alter der DNA-Spur wissen, ob es möglicherweise eine Verunreinigung der Spur gibt und wann, wo und vor allem wie sich Peggy und Uwe Böhnhardt begegnet sein könnten. "Es gibt derzeit noch zu viele Möglichkeiten, wie die Spur an den Fundort von Peggys sterblichen Überresten gelangt sein kann", so Hoyer. Weitere Erklärungen würden nicht abgegeben.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) setzt nach der Entdeckung von DNA-Spuren auf Klärung in weiteren Ermittlungen. "Zunächst will man das nicht glauben, dass da ein Zusammenhang bestehen kann", sagte Seehofer am Freitag in Berlin. Es wäre schrecklich, wenn es der Fall wäre. Man müsse aber abwarten, was man wirklich handfest schlussfolgern könne. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte bereits neue Ermittlungen angekündigt.

Nach dem Fund von DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt am Fundort der getöteten Schülerin Peggy hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) neue Ermittlungen angekündigt.

Man gehe allen denkbaren Hinweisen nach, sagte Herrmann am Freitag am Rande eines Termins nahe Herzogenaurach. "Da liegt jetzt ganz einfach sehr viel Arbeit vor uns." Im Vordergrund stehe dabei zunächst, zu klären, ob eine Verunreinigung der DNA-Probe ausgeschlossen werden könne. Man wolle etwaige Fehler oder Missverständnisse vermeiden, betonte der CSU-Politiker.

Der Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat die Entwicklungen im Fall Peggy als ein "bemerkenswertes Ergebnis" der Kriminaltechnik bezeichnet. "Dass jetzt der Verdacht besteht, dass einer der NSU-Terroristen auch noch der Mörder der kleinen Peggy sein könnte, ist unfassbar", sagte der Minister am Freitag in Wiesbaden.

Am Donnerstag war bekanntgeworden, dass am Fundort der Skelettteile des 2001 verschollenen Mädchens Peggy aus Oberfranken Genmaterial des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt entdeckt worden war. Ob es einen direkten Zusammenhang zu dem damals neunjährigen Mädchen gibt, blieb zunächst unklar.

Die Bundesanwaltschaft steht in engem Austausch mit den Ermittlern vor Ort. Auch das Bundeskriminalamt sei hinzugezogen worden, sagte ein Sprecher am Freitag. Nun müsse man aber das Ergebnis der weiteren Ermittlungen abwarten. Zu möglichen Folgen und Auswirkungen wollte der Sprecher deshalb keine Stellung nehmen.

Die neue Spur im Kriminalfall Peggy ist für den Bürgermeister ihres bayerischen Heimatorts ein Hoffnungsschimmer. "Ein Weg aus der Misere" könnte dies sein, sagte der erste Bürgermeister von Lichtenberg, Florian Knüppel, am Freitag. Würde sich bewahrheiten, dass der Rechtsterrorist Uwe Böhnhardt etwas mit dem Verschwinden der neunjährigen Peggy vor 15 Jahren zu tun habe, wäre die Frage überflüssig, ob der Täter in Lichtenberg zu finden sei.

Dass die braune NSU-Zelle Verbindungen in seine Stadt gehabt haben könnte, schloss Knüppel aus. "Das hätten wir gemerkt, wir haben 1000 Einwohner, 90 Prozent kenne ich persönlich." Die Ermittler haben die DNA Böhnhardts, einem mutmaßlichen Mitglied der rechten Terrorgruppe NSU, auf einem Gegenstand gefunden, den sie am Fundort von Peggy entdeckten. Teile ihres Skeletts hatte im Juli ein Pilzsammler im südlichen Thüringen gefunden. Die Schülerin war im Mai 2001 verschwunden. Seither suchen die Ermittler nach einem Täter.


Die Obfrau der Linken im Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss, Katharina König, fordert nach dem Fund eine Erweiterung des Untersuchungsauftrags für das Gremium. Der Auftrag des Ausschusses müsse so gestaltet werden, dass die Abgeordneten diese neue Entwicklung mit prüfen könnten, sagte König am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Sie bezweifele, dass der aktuelle Untersuchungsauftrag des Ausschusses es zulasse, Verbindungen zwischen dem Nationalsozialistischen Untergrund und dem Fall Peggy aufzuklären.

Zuvor hatte die Landtagsabgeordnete darauf hingewiesen, dass beim Auffliegen des NSU am 4. November 2011 in Eisenach Kindersachen gefunden worden waren, deren Herkunft bis heute ungeklärt ist. In dem ausgebrannten Wohnmobil, in dem damals die Leichen von Böhnhardt und Mundlos lagen, wurden unter anderem Kinderschuhe gefunden.

Wegen der Entwicklung im Fall Peggy lässt Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow die Akten eines anderen Kindsmordes komplett neu prüfen. "Es gab einen Tod eines neunjährigen Kindes in den neunziger Jahren in Jena und da war Herr Böhnhardt und sein Name schon einmal im Visier und das müssen wir alles viel, viel gründlicher betrachten", sagte der Linken-Politiker am Freitag in Berlin. Der Jenaer Fall ist bis heute nicht aufgeklärt.

Am Donnerstagabend war bekannt geworden, dass Ermittler DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt an einem Gegenstand in der Nähe des Skeletts der getöteten Peggy gefunden hatten. Böhnhardt war damals wegen des Kindsmordes in Jena vernommen worden, wie Ramelow vor einer Sitzung des Bundesrates sagte. Bislang ist unklar, ob Böhnhardt überhaupt in die Ermordung der beiden Kinder verstrickt ist. Die Ermittlungen stehen am Anfang.

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