Ebern
Bürgernetz-Gemeinschaft

Wie Senioren einander zur Hand gehen können

In Ebern wird die Idee diskutiert, innerhalb der Baunach-Allianz eine Selbsthilfegemeinschaft für ältere Mitbürger, die noch zu Hause leben, aufzubauen.
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Das einstige Geschäftshaus eines Eisenwarenhändlers in der Kapellenstraße, früher fürwahr ein Kommunikations-Zentrum,, könnte als Anlaufstelle für die Bürgernetzgemeinschaft dienen.   Foto: Ralf Kestel
Das einstige Geschäftshaus eines Eisenwarenhändlers in der Kapellenstraße, früher fürwahr ein Kommunikations-Zentrum,, könnte als Anlaufstelle für die Bürgernetzgemeinschaft dienen. Foto: Ralf Kestel
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Die Situation kenn' ich, dass ein Senior krank wird und jemanden sucht, der mit seinem Hund Gassi geht." Claudia Hempfling von der Diakonie kennt viele solcher Situationen, da ältere Menschen, die noch im gewohnten Umfeld leben, kurzfristig auf kleine Hilfen angewiesen sind. Und auch Sabine Paeth von der Caritas weiß von vielen kleineren Arbeiten, die nicht über irgendwelche Pflegesätze abgedeckt sind. Gartenarbeiten, Schnee räumen, Behörden-Korrespondenz etwa.

Für solche Fragen will Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) eine Bürgernetz-Gemeinschaft nach Kronacher Vorbild aufbauen, das er am Dienstag bei einem Treffen von Seniorenleitern aus dem Stadtgebiet vorstellte. Die Idee stammt von Norbert Barth, der selbst einige Monate lang in der Seniorengemeinschaft Kronach mitarbeitete und nun so eine Selbsthilfeeinrichtung auch in Ebern etablieren möchte.

In Kronach existiert dazu seit sieben Jahren ein Verein, der den gesamten Frankenwald abdeckt und über 900 Mitglieder verfügt, die alle einen Jahresbeitrag zahlen. "Jeder macht das, was er kann." So habe er selbst für andere den Rasen gemäht und Hecken geschnitten, sich im Gegenzug jemanden geholt, der seine Fenster putzte. Darüber hinaus gebe es ein weites Aufgabenfeld - vom Behördengang bis zur Vorlesestunde.

Koordiniert wird dies alles über eine hauptamtliche Geschäftsführerin, die die Kontakte vermittle und die Gebühren berechne. Jede Arbeitsstunde koste 8 Euro. Zwei Euro davon erhalte die Seniorengemeinschaft, sechs der Helfer, der sich die Summe aber auch gutschreiben lassen könne, wenn er selbst einen Unterstützer benötige.

Bürgermeister Hennemann hatte dazu schon weitergehende Informationen eingeholt. So gebe es vom Sozialministerium eine Anschubfinanzierung in Höhe von 30 000 Euro, aber nur für gemeindeübergreifende Konstellationen. "Deswegen werde ich das Thema in der Baunach-Allianz vorbringen."

Hennemanns Ziel ist es, möglichst viele ältere Leute zusammen zu bringen, die sonst alleine zu Hause darben müssten. "Das hilft gegen eine Vereinsamung und der Bedarf an Hilfen im täglichen Leben ist vorhanden."

Welche Unterstützung notwendig wäre, will der Bürgermeister mittels eines Fragebogens, der in den Seniorengruppen verteilt und ausgefüllt werden soll, eruieren, aber auch durch Informationen bei der Senioren-Weihnachtsfeier am Sonntag wie auch über das Amtsblatt.

Und die Gedankenspiele gehen noch weiter. "Auch Schüler könnten über dieses Projekt ihr Taschengeld aufbessern, durch Fahrten zum Wertstoffhof, Tragen der Einkaufstaschen oder Einweisung am Computer."

Eventuell lasse sich so eine Bürgernetz-Gemeinschaft auch an eine bestehende Organisation andocken, sinnierte Hennemann. Etwa an die Baunach-Allianz oder einen Sozialverband. "Wie ich heraushöre, gibt es jedenfalls einen Bedarf."

Auch eine "Zentrale" wurde schon ins Auge gefasst: Der neue Eigentümer des Mangold-Hauses in der Kapellenstraße habe Räumlichkeiten für so eine Aktion "Senioren helfen Senioren" angeboten. Die Idee stehe in keinster Weise in Konkurrenz zu bestehenden Angeboten auf Kreisebene oder in Untermerzbach. "Damit ergänzen wir die Sozialdienste nur." Und die Kommunikation unter Senioren werde gefördert.

Eine der Zielsetzungen, die sich der Bürgermeister wie auch die Referentin für soziale Fragen, Isabell Zimmer, (JL), auf die Fahnen geschrieben haben. Dazu soll auch die Idee von Senioren-WGs oder eines gemeinsamen Mittagessen-Angebots weiter verfolgt werden. "Da könnten sich auch unsere Gastwirte im wöchentlichen Wechsel einbringen."

Dass es sich dabei um schwierige Herausforderungen handelt und manche Schwellenängste überwunden werden müssen, lässt sich an einem anderen Thema erkennen: Der Bürgerbus, der jede Woche dienstags für Fahrten zur Verfügung stand, wurde nicht einmal angefordert. Eine Bedarfsabfrage im Amtsblatt ergab nur vier Rückmeldungen. Hennemann: "Entweder die Nachbarschaftshilfe funktioniert bei uns noch so gut, oder es hängt an anderen Sachen, weil sich die Menschen nicht trauen. Vielleicht war auch der Dienstag der falsche Wochentag."

Beim Barrierefreiheit wurde erneut das Pflaster am Marktplatz angesprochen. "Wir wollen größere Platten verlegen, die ein vernünftiges Befahren zulassen, aber das dauert, weil die
die alte Pflastermaßnahme, die 1980 begonnen wurde, mit der Städtebauförderung noch nicht abgerechnet wurde. Eher dürfen wir nicht anfangen." Hennemann beklagte die aktuelle Situation, da ein Mann des Bauhofes nur noch damit beschäftigt sei, das Pflaster auszubessern.

Bruno Deublein verwies auf Versammlungsräume, die nur über Treppen zu erreichen seien, wie beispielsweise in der Schule in Reutersbrunn. "Wir werden nicht in jedes Gemeinschaftshaus einen Aufzug einbauen können", antwortete der Bürgermeister. Isabell Zimmer ergänzte, dass diese Vorgaben bei neueren Bauten berücksichtigt werden. "Legen Sie Ihre Treffen halt dorthin, wo's gut geht. In der Kaserne gibt es mehrere Möglichkeiten."
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