Ebern
Flurbereinigungsverfahren

Renaturierungsmaßnahmen an der Baunach

Die Verfahrensfläche von "Ebern 3" umfasst 188 Hektar mit 400 Flurstücken. Betroffen sind die Kommunen Ebern und Markt Rentweinsdorf mit 171 Besitzständen.
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Die Baunach - das Foto zeigt den Bach an der Brücke zwischen Ebern und Sandhof in Richtung Rentweinsdorf - soll zwischen Eyrichshof-Specke und Rentweinsdorf renaturiert werden und nicht mehr so gerade dahinfließen wie in diesem Teilbereich.Helmut Will
Die Baunach - das Foto zeigt den Bach an der Brücke zwischen Ebern und Sandhof in Richtung Rentweinsdorf - soll zwischen Eyrichshof-Specke und Rentweinsdorf renaturiert werden und nicht mehr so gerade dahinfließen wie in diesem Teilbereich.Helmut Will
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Interesse war da. Das zeigte der relativ gute Besuch von Landwirten, die der Einladung gefolgt waren, um aus berufenem Munde Informationen darüber zu erlangen, wie sich das Amt für ländliche Entwicklung (AfLE) und das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Bad Kissingen vorstellen, was an der Baunach, zwischen der Brücke bei Eyrichshof bis Rentweinsdorf, passieren soll. Baudirektor Peter Doneis vom AfLE sowie Abteilungsleiter Frank Pilhofer und Sachgebietsleiterin Caroline Schmiedel vom Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen waren als fachkundige Referenten nach Ebern in die Rathaushalle gekommen, um entsprechende Informationen zu geben und sich den Fragen der Versammlungsteilnehmer zu stellen.
Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) hieß in der Rathaushalle zahlreiche Grundstückseigentümer willkommen. "Das Projekt ist bekannt, wurde schon einmal vorgestellt, und nun ist es so weit, dass es vorangehen kann", sagte das Stadtoberhaupt, um das Wort Baudirektor Peter Doneis zu erteilen. Dieser ist zuständiger Sachgebietsleiter für die Neuordnung des Flurbereinigungsverfahrens, das im Baunachgrund zwischen Eyrichshof im Norden und Rentweinsdorf im Süden angedacht ist.
Ohne Vorschriften geht es nicht. Das zeigte Doneis anhand gesetzlicher Grundlagen und Rahmenbedingungen auf. Demnach müssen vor Anordnung eines Verfahrens die beteiligten Grundstückseigentümer in geeigneter Weise informiert werden. "Das soll auch heute passieren", sagte Doneis. Eine Maßnahme müsse immer eine Verbesserung der Produktions- und Arbeitsbedingungen in der Land- und Forstwirtschaft dienen und die Landeskultur und Landesentwicklung fördern. Hier sei zu beachten, dass das Interesse der Beteiligten gegeben ist.
Grundlage für die Anordnung des Flurbereinigungsverfahrens "Ebern 3" sei unter anderem, die naturnahe Entwicklung von Gewässern, des Naturschutzes und der Landschaftspflege oder der Gestaltung des Orts- und Landschaftsbildes zu ermöglichen und auszuführen. Bei Durchführung einer Flurbereinigungsmaßnahme sei stets zu beachten, dass jeder Eigentümer mit Land von gleichem Wert abzufinden ist, wobei das in einer Wertermittlung der Flächen festzustellen sei.
"Nach Konzeption des WWA Bad Kissingen soll die Maßnahme an der Baunach auf einer Länge von 6,3 Kilometern ausgeführt werden", sagte Peter Doneis, was er entsprechend an einem Plan erläuterte. Notwendig sei eine "Bodenordnung" zur Durchführung von Renaturierungsmaßnahmen, Uferstreifen seien auszuweisen und Flächenverlegungen seien erforderlich. "Eine Zusammenlegung von Eigentumsflächen ist machbar, um notwendige und bedarfsgerechte Maßnahmen vornehmen zu können", sagte der Vertreter des AfLE.
Doneis warf einen Blick zurück, um die bisherigen Schritte aufzuzeigen. Demnach fanden bereits im Jahr 2011 verschiedene Abstimmungsgespräche und Ortsbegehungen statt. Im Jahr 2012 erteilte die Regierung von Unterfranken die Zustimmung für Vorplanungen durch das WWA. "Im März 2013 hatten wir hier in Ebern bereits eine Info-Versammlung mit gut 60 Personen, ähnlich wie auch heute", sagte Doneis. 2014/15 wurde beschlossen, eventuell die Bereiche "Krötenbach / Ruppacher Knockäcker" mit einzubeziehen. 2014 wurden Träger öffentlicher Belange angehört und ein Jahr später wurde ein integrales Hochwasserschutzkonzept der VG Ebern einbezogen, da es im Bereich der Baunach und des Mühlbaches Probleme mit Hochwasser gebe. 2016/17 wurde schließlich eine Gebietsabgrenzung für die Maßnahme vorgenommen.
Auf die Kosten eingehend, sagte Peter Doneis, dass Verfahrenskosten, Verwaltungsaufwand für Vermessung und Ausarbeitung zu 100 Prozent der Freistaat Bayern trage. Weitere durch die Maßnahmen des WWA anfallende Baukosten für Grenzsteine, Feldgeschworene und Sachverständige sowie für die Wertermittlung würden vom WWA übernommen.
Zu den Ausführungskosten erläuterte der Baudirektor mögliche Zuschussmöglichkeiten, die bei etwa 85 Prozent lägen. "Das ist doch schon beachtlich", meinte Doneis. Für Flächen, die für wasserwirtschaftliche Maßnahmen benötigt werden, entstehe kein Flächenabzug; das trage das WWA zu 100 Prozent, da diese Flächen in die öffentliche Hand zu überführen seien.
"Alles ist vorher durch einen noch zu installierenden Vorstand mitzuregeln, dessen Vorsitz bei einem fachkundigen Beamten liege. Es wäre günstig, dass ein Vorstand bis Juni/Juli 2018 gefunden wird", sagte Doneis.
Nach seinen Worten umfasst die Verfahrensfläche 188 Hektar mit 400 Flurstücken. Betroffen sind die Gemeinden Ebern und der Markt Rentweinsdorf mit 171 Besitzständen.
Sachgebietsleiterin Caroline Schmiedel vom WWA Bad Kissingen erläuterte die Maßnahme im Verfahrensgebiet hinsichtlich des ökologischen Gewässerausbaus. Beidseitig der Baunach würden Uferstreifen von etwa 15 Metern Breite angelegt und die Durchgängigkeit an Wehren sei zu gewährleisten. Die Breite von 15 Metern sei nicht festgeschrieben und müsse, wo erforderlich, entsprechend angepasst werden, sagte Caroline Schmiedel auf Nachfrage.
"Uferstreifen können mitbewirtschaftet werden", ergänzte Frank Pilhofer. Für deren Nutzung gebe es in den Pachtverträgen Auflagen. "So darf dort keine Düngung stattfinden und auch kein Mist ausgebracht werden", sagte der Abteilungsleiter des WWA Bad Kissingen.
"Ziel ist es auch, soweit im Rahmen dieser Maßnahme möglich, eine Hochwasserverbesserung für die Stadt Ebern zu erreichen", sagte Caroline Schmiedel. Auf Frage von Robert Hermann, ob der Hochwasserschutz im Mühlenviertel von Ebern mitverbessert werde, sagte Frank Pilhofer: "Das ist finanzierungstechnisch nicht unter einen Hut zu bringen - ein wenig Verbesserung ja, aber Hochwasserschutz ist ein gesondertes Projekt."
Anhand einer Karte zeigte Caroline Schmiedel auf, welche Grundstücke bereits vom WWA erworben wurden. "Das sind 20 Hektar. Davon liegen einige Flächen allerdings etwas von der Baunach zurückgesetzt. Lieber hätten wir sie näher am Ufer", erläuterte die Sachgebietsleiterin.
Versammlungsteilnehmer stellten verschiedene Fragen hinsichtlich der Reinigung von Gräben entlang des Renaturierungsgebietes westlich der Bundesstraße B 279. "Alles, was gewünscht ist, können wir sicher nicht machen. Aber wir versuchen, möglichst vieles einzubeziehen", sagte Peter Doneis, der von der Versammlung eine "positive Grundstimmung" mitnahm.
Wenn sich im Rahmen der Maßnahme Flurstücksgrenzen ändern, könnten sich auch Jagdgrenzen ändern, sagte Doneis auf eine entsprechende Frage. Angemerkt wurde, dass eine "Schlängelung" der Baunach schon einmal vorhanden war und dann eine Begradigung stattfand. Das sei aufgrund schlechter Heuernten erfolgt, sagte ein Versammlungsteilnehmer, weshalb Wehre gestaut und die Wiesen bewässert worden seien. Ein anderer meinte süffisant: "Die Renaturierung finde ich gut. Es würde mich aber nicht wundern, wenn man in 100 Jahren die Baunach wieder begradigen würde."
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