Haßfurt
Betrugsprozess

Oma betrogen - ein Jahr auf Bewährung

Ein süchtiger Vorbestrafter hatte fleißig Waren im Internet bestellt - und mit dem Girokonto der Oma bezahlt. Ein Jahr auf Bewährung lautete das Urteil.
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Wegen Betrugs musste sich ein 35-Jähriger vor dem Amtsgericht Haßfurt verantworten.Matthias Hoch/Archiv
Wegen Betrugs musste sich ein 35-Jähriger vor dem Amtsgericht Haßfurt verantworten.Matthias Hoch/Archiv
Immer wieder Ware im Internet einkaufen - und jedes Mal mit dem Girokonto der 84-jährigen Oma bezahlen, hinter deren Rücken! Das ist nicht nur dreist und skrupellos, sondern zeugt auch, wie Strafrichterin Ilona Conver betonte, von einer "erheblichen kriminellen Energie". Der bereits mehrfach vorbestrafte Angeklagte (35), ein Handwerker, kam beim Prozess am Amtsgericht mit einem letzten Warnschuss davon: Ein Jahr Freiheitsstrafe, die, wie die Richterin und der Staatsanwalt übereinstimmend sagten, letztmals zur Bewährung ausgesetzt wird, lautete das Urteil.
Vor Gericht vermittelte der Angeklagte aus dem Maintal das Bild eines geläuterten Sünders, der seine Fehltritte aufrichtig bereut und sein Leben völlig umkrempeln will. Die Vorwürfe des Staatsanwalts Wedekind räumte er ohne Zögern vollumfänglich ein. Die von der Anklagebehörde aufgelisteten 53 Betrugsfälle ereigneten sich alle im ersten Halbjahr 2017. Dabei handelte es sich in 43 Fällen um Bestellungen hauptsächlich von Sportbekleidung von dem Internethändler Amazon und in zehn Fällen um Handy-Rechnungen von Vodafone. Der Gesamtschaden lag bei gut 3100 Euro.
Die Machenschaften des betrügerischen Enkels kamen ans Licht, als die Oma einen guten Bekannten bat, ihre Kontoauszüge zu überprüfen. Dieser erläuterte im Zeugenstand, dass er nach Aufdeckung der Schadensfälle mit der Kontoinhaberin zu deren Bank gegangen sei. Dort habe die Rentnerin schriftlich erklärt, dass sie mit der Einziehung der Geldbeträge nicht einverstanden sei. Daraufhin habe das Geldinstitut die Beträge wieder zurückgebucht. Insofern blieb nicht die Oma, sondern die Internethändler auf dem Schaden sitzen.
Ebenfalls als Zeugin wurde die schon gebrechlich wirkende Oma befragt. Sie sei erst einmal sehr erbost und aufgebracht gewesen, nachdem offensichtlich war, dass ihr Enkel sie hintergangen hatte. Deshalb fuhr sie damals mit diesem Beistand zur Polizei und erstattete Anzeige. Schon tags darauf bereute sie diesen Schritt, rief bei der Polizeidienststelle an und wollte die Anzeige rückgängig machen. Aber dafür war es schon zu spät: Die polizeilichen Ermittlungen waren bereits angelaufen.
Der Angeklagte schilderte bereitwillig, wie er nach dem Tod seines Vaters immer tiefer in den Alkohol- und Drogensumpf geschlittert war. Im Oktober dieses Jahres lieferte ihn der Rettungsdienst in ein Krankenhaus ein, wo er sofort auf die Intensivstation verlegt wurde. "Das hat mir die Augen geöffnet", bekannte der Drogensüchtige.
Er hat bereits etliche Termine bei der Suchtberatung der Caritas wahrgenommen und ernsthafte Schritte für eine stationäre Drogentherapie in die Wege geleitet. Auch hat er begonnen, Ratenzahlungen an die Inkassofirmen zu leisten, die die Forderungen eintreiben. Zudem erledigt er für seine Oma die Einkäufe, kocht und wäscht für sie, was die Frau bestätigte.
In ihrer Urteilsbegründung bescheinigte die Vorsitzende dem Verurteilten, dass er "viele Schritte in die richtige Richtung" gemacht habe. Sie warnte ihn allerdings davor, rückfällig zu werden: "Beim nächsten Mal ist Schicht im Schacht. Da sehen Sie die Gitterstäbe vor der Nase." Der Richterspruch ist bereits rechtskräftig.
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