Sand am Main
Ortsobmännertagung

Mehr Büromensch als Landwirt?

Die neue Düngeverordnung war Hauptthema beim Bauernverband in Sand. Die Nitratbelastung des Grundwassers soll sinken, der bürokratische Aufwand steigt.
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Rund 120 Ortsobmänner nahmen an der Tagung im Hotel-Weingut Goger in Sand teil. Christian Licha
Rund 120 Ortsobmänner nahmen an der Tagung im Hotel-Weingut Goger in Sand teil. Christian Licha
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Im vollen Saal des Hotel-Weingutes Goger ließen sich rund 120 Landwirte aus dem Landkreis Haßberge darüber informieren, welcher zusätzliche Aufwand mit der neuen Düngeverordnung auf sie zukommt.
Mit Heinz-Dieter Hofmann vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt hatte der BBV einen Fachmann gewonnen, der sehr verständlich und praxisorientiert die Änderungen vorstellte. Inhalt seines Vortrages waren der Bodenzustand, der Gewässerabstand, die Gerätetechnik und die Düngeplanung.
"Das habt ihr schon immer im Kopf gemacht, jetzt muss es eben zu Papier gebracht werden", beruhigte Hofmann die Teilnehmer der Versammlung, die sich einem großen Bürokratieaufwand ausgesetzt sehen. Die Änderungen der Düngeverordnung gelten bereits seit 2. Juni, wirken sich jedoch für die landwirtschaftlichen Betriebe erst Anfang 2018 aus.
So darf dann zum Beispiel nicht mehr bei geschlossener Schneedecke oder bei Frost gedüngt werden, um zu vermeiden, dass der Dünger vom Acker in das Oberflächenwasser läuft. Auch gibt es neue Sperrfristen. Grundsätzlich darf nach der Ernte der letzten Hauptfrucht bis zum 31. Januar eines jeden Jahres nicht mehr gedüngt werden, doch gibt es auch fachspezifische Ausnahmeregelungen.
Der größte Aufwand für die Landwirte aber ist die schriftliche Dokumentation der Düngeplanung. "Ohne Computer geht hier heute nichts mehr", sagte ein Versammlungsteilnehmer. Er fühle sich schon mehr als Büromensch denn als Landwirt.
In der Dokumentation muss festgehalten werden, was angepflanzt werden soll und welche Nährstoffe diese Pflanze benötigt. Davon wird der mineralische Stickstoff im Boden von der Vorfrucht abgezogen, ebenso die Verwendung von organischem Dünger (Stallmist). Als Ergebnis kommt heraus, in welchen Mengen noch zusätzlich Mineraldünger verwendet werden darf.
Ziel der ganzen Neuregelungen soll sein, die Nitratbelastung des Grundwassers zu verringern. Diese muss sich "im grünen Bereich" bewegen, da ansonsten damit gerechnet wird, dass die Düngeverordnung in Zukunft noch wesentlich verschärft wird.
Kreisobmann Klaus Merkel befürchtet, dass die Landwirte zum Sündenbock gemacht werden, obwohl sie sauber und vorschriftsmäßig vorgehen. "Wir arbeiten schon auf sehr hohem Niveau bei uns in Unterfranken, sozusagen in der Champions League", führte Merkel aus: "Die Natur kann man nicht in Gesetze packen." Er sieht das Klima und die Niederschläge als verantwortlich für die erhöhten Belastungswerte. Außerdem sind in Bayern mindestens 30 Prozent der Kanalnetze undicht, so dass auch von hier aus die Schadstoffe sich im Grundwasser sammeln.
Nicht zuletzt hofft Merkel, dass beim Erlass von künftigen Verordnungen und Gesetzen die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort mehr beachtet werden. Denn es könne nicht sein, dass am Schreibtisch in den Behörden etwas beschlossen wird, dass sich in der Praxis nicht oder nur schwer umsetzen lässt.
BBV-Geschäftsführer Manfred Kraus ging auf weitere wichtige Themen ein. Zum Beispiel müsse verhindert werden, dass die geplante P44-Wechselstromleitung quer durch den Landkreis verläuft. Dies würde eine erhebliche Beeinträchtigung der Landwirtschaft bringen, da es sich um eine Erdverlegung handelt. Der BBV lehnt die Trasse ab und verwies auf Alternativtrassen.
Außerdem sind laut Kraus die Auflagen des Landratsamtes Haßberge zur Absicherung von Mähdreschern im Straßenverkehr nicht hinnehmbar. Da würden zum Beispiel ein Begleitfahrzeug und andere kosten- und zeitintensive Sachen gefordert, die die Vermutung zulassen, dass das Landratsamt nur immer die Dinge sieht, die nicht gehen, sagte Kraus. Der Geschäftsführer meinte auch, dass es nicht sein könne, dass bayernweite Regelungen einfach von den Landratsämtern nach eigenem Ermessen verschärft werden. Zur Zeit stehen Verhandlungen mit der Politik an, um doch noch eine praktikable Lösung zu finden.
"Der BBV ist Ansprechpartner sowohl für den Betrieb als auch für die Familie", informierte Fachberater Klaus Pieroth. Es sei wichtig, Vorsorge für Unfall, Krankheit und Alter zu treffen. Die Geschäftsstelle Hofheim steht beratend zur Verfügung, etwa wenn es um Vollmachten oder Patientenverfügungen geht.
Abschließend wurde auf wichtige Termine aufmerksam gemacht. So findet vom 16. bis 18. Februar die "Kulinea" in der Tuchanger-Halle in Zeil statt. Ein bundesweiter "Tag des offenen Hofes" folgt am 9. und 10. Juni; ein Betrieb aus dem Landkreis macht mit. Ein weiterer Höhepunkt ist das historische Festwochenende in Zeil: Am 23. und 24. Juni wird hier zum 1000-jährigen Jubiläum der Stadt seitens des BBV eindrucksvoll die landwirtschaftliche Arbeit von damals und heute dargestellt.
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