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Kunstbetrieb

Kunst und Kultur im Kreis Haßberge: Zu Gast im Bildhaueratelier Nerowski

Ein Leben als Künstler, kein einfacher Weg dorthin: "Man macht das, was man meint, machen zu müssen", erklärt Bildhauer Gerhard Nerowski seine Entscheidung.
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Bildhauer Gerhard Neroswki empfing in seiner Königsberger Werkstatt den Kulturausschuss und gab Einblicke in die Welt eines Kunstschaffenden. Foto: Andreas Lösch
Bildhauer Gerhard Neroswki empfing in seiner Königsberger Werkstatt den Kulturausschuss und gab Einblicke in die Welt eines Kunstschaffenden. Foto: Andreas Lösch
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So einen Wortwechsel mit den Eltern als Kind oder vielleicht angehender Erwachsener hat vermutlich manch ein Leser noch in Erinnerung: "Wenn ich groß bin, will ich Schauspieler werden." "Schauspieler" kann man nun beliebig ersetzen durch "Fußball-Profi", "Rennfahrer", oder "Künstler". Letzteres steht sinnbildlich für das, was alle diese Berufe gemeinsam haben: Es soweit zu schaffen, dass man sein Leben davon bestreiten kann, ist eine Kunst für sich. Das ahnen Eltern und sagen dann sowas wie: "Lerne lieber 'was Gescheites!" - Bankkaufmann zum Beispiel, Bürofachkraft oder weiß der Teufel was, aber bloß nichts so Unsicheres und Unstetes!

Bei Gerhard Nerowski aus Königsberg war das so. Als er am vergangenen Montagnachmittag den Kulturausschuss des Landkreises Haßberge in seinem Atelier empfing, erzählte er ein wenig von sich und seiner Arbeit und dem Weg dorthin. Als junger Mann, der dem Vater seine Lebenspläne offenbarte, er wolle sich der Bildhauerei widmen, nein, nicht hobbymäßig, beruflich, bekam er erstmal ein Contra. "Meinem Vater hat es nicht so gut gefallen." Davon abbringen ließ sich der Sohn aber nicht: "Man macht halt das, was man meint, machen zu müssen", sagt Nerowski und heute kann er dabei recht entspannt lächeln - Lebensunterhalt bestreiten, investieren in die Selbstständigkeit, Aufträge an Land ziehen, sich einen Namen machen, sich behaupten in einem Umfeld, wo ganz wenige fast alles verdienen und ganz viele fast nichts - der Königsberger hat es geschafft.

In den Räumen seiner Werkstatt erzählte er dem Kulturausschuss von seinem Lebensweg. Und der Begann, von beruflicher Seite aus betrachtet, trotz allem bodenständig: Nerowski machte eine Schreinerlehrer. Vielleicht war das auch ein Grund, das Ziel mit der Künstlerkarriere mit der nötigen Ruhe angehen zu können, immerhin zeigte das solide Schreinerhandwerk ja so eine Art Plan B auf, darauf kann man aufbauen. Dass ihm diese Lehre in jedem Falle nützte, zeigt sich denn auch bis heute, seinen Vorlieben blieb er treu: "Ich arbeite hauptsächlich mit Holz", sagte er. Auch Stein ver- und bearbeitet der Bildhauer regelmäßig, bisweilen auch Metall, eine Sonderrolle nimmt bei ihm noch das Material Bronze ein: Hier modelliert der Bildhauer seine Motive zunächst in Ton, "daraus macht man dann eine Gipsform", erklärt Nerowksi. Die wiederum gibt der Künstler an den Bronzegießer weiter, der macht die finale Figur daraus. Das Resultat sind detailreiche Skulpturen, in seinen Werkstatträumen kann man sie betrachten, der Kultursenat zeigte sich beeindruckt von Nerowskis kunsthandwerklicher Bandbreite. Draußen, auf seinem Hof, hat er etwa eine ganze Reihe Plastiken aufgestellt, herausgearbeitet unter anderem aus dicken Holzstämmen zeigen sich dreidimensionale Gesichter, ganze Köpfe gar.

Dass er heute regelmäßig Aufträge bekommt, hat mit Beharrlichkeit und gutem Netzwerken zu tun, wie er erklärt, und auch die Reputation stimmt: Nach einer Lehre an der Akademie für bildende Künste in Nürnberg bei dem Bildhauer-Professor Wilhelm Uhlig und mehreren Auszeichnungen für seine Arbeiten (unter anderem Debütantenpreis des Freistaats Bayern und Kulturförderpreis der VR-Bank Coburg) hat er sich einen Namen in der regionalen Kunstszene gemacht. Als einen wichtigen Auftraggeber bezeichnete er auch die Kirche, an mehreren Altargestaltungen war und ist er beteiligt. Einen "Glücksfall" nannte er die Stadt Königsberg, in die der in Hamburg geborene Künstler nach Stationen in Augsburg und Nürnberg übersiedelte: Hier habe er am Salzmarkt ein Gebäude gefunden, in dem er Werkstatt und Atelier einrichten konnte, in einem passenden nachbarschaftlichen Umfeld: Dass er sägt, klopft und sonstwie handwerklich lärmt, wenn er seiner Arbeit nachgeht, hat bislang noch keinen gestört.
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