Knetzgau
Einweihung

Knetzgau hat eine neue Dorfmitte

Im Umfeld des Kriegerdenkmals ist ein Platz mit Buswartestelle und Turngarten entstanden. In diesen neuen Treffpunkt flossen 1,2 Millionen Euro.
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Die neugestaltete Dorfmitte mit Buswartehäuschen, dem angrenzenden Kriegerdenkmal und dem dahinterliegenden Turngarten.Christiane Reuther
Die neugestaltete Dorfmitte mit Buswartehäuschen, dem angrenzenden Kriegerdenkmal und dem dahinterliegenden Turngarten.Christiane Reuther
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"Passend zur Jahreszeit fährt Knetzgau die Ernte ein", brachte es Norbert Böhm von der Regierung von Unterfranken am Freitagvormittag auf den Punkt: Die neugestaltete Ortsmitte von Knetzgau rund um den Turngarten und Kriegerdenkmal wurde mit einem Festakt gefeiert. Zahlreiche Knetzgauer sowie Ehrengäste waren in den weitläufigen Park gekommen, um der Feierstunde beizuwohnen, die von den Kindern vom benachbarten Kindergarten ausgeschmückt wurde. Den ökumenischen Segen spendeten die Pfarrer Jürgen Schwarz und Kai-Thorsten Garben.

"Kein Projekt in der Gemeinde wurde mit einer solch starken Beteiligung der Bürger geplant und umgesetzt", sagte Knetzgau Bürgermeister Stefan Paulus in seiner Ansprache. Zahlreiche Workshops und Präsentationen mit vielen Diskussionen hätten letztendlich zu einem guten Ergebnis geführt, auf das nicht nur der Bürgermeister stolz sein könne, sondern alle Knetzgauer. Dass der neu gestaltete Turngarten mit dem Mahnmal und den angrenzenden Bereichen optisch sehr schön geworden ist, durfte Paulus bereits in vielen Gesprächen erfahren, wie er sagte.


Idealer Rückzugsort

Als idealen Rückzugsort für jung und alt bezeichnete das Gemeindeoberhaupt den weitläufigen Park, in dem wieder Feste gefeiert und Kinder spielen können. Die Voraussetzung für den Festbetrieb mit offener Gestaltung des "Raumes" wurde durch die Bereitstellung von Wasser- und Stromanschluss sowie einer öffentlichen Toilettenanlage und Parkmöglichkeiten geschaffen. So läge es nun an den Vereinen, den Turngarten mit verschiedenen Festivitäten wieder zum Leben zu erwecken. In der Geschichte Knetzgaus war und ist der Turngarten ein wichtiger Treffpunkt gewesen, in dem seit den 60er Jahren viele Bierfeste stattfanden.

Das Mahnmal wurde nach dem 1. Weltkrieg errichtet, um die Opfer von Krieg und Terror nicht zu vergessen. Dieser Menschen würdevoll zu gedenken, sei es auch in der heutigen Zeit sehr wichtig, wie Paulus sagte. Die Namen der Gefallenen und Vermissten würden mahnen, dass Krieg, Gewalt und Unterdrückung in der Gesellschaft kein legitimes Mittel wären, um damit irgendwelche politischen Ziele zu erreichen oder zu rechtfertigen. Für Paulus sei der Auftrag wichtig, dieses Gedenken wach zu halten und alles dafür zu tun, dass in der Gesellschaft Hass, Gewalt, Verfolgung und Menschenverachtung keinen Platz mehr haben. Glücklich zeigte sich der Bürgermeister, dass die Inschrift in Abstimmung mit dem Denkmalamt so geändert wurde, dass hier keine Verehrung von Helden stattfindet, die laut Paulus nie welche waren und auch nicht sein wollten.


Hitzige Debatten

Der Bürgermeister erinnerte an hitzige Debatten rund um die Umgestaltung des Platzes mit dem darin befindlichen Mahnmal. Es wurde letztendlich ein gelungener Kompromiss gefunden, der durch die Städtebauförderung von der Regierung von Unterfranken auf den Weg gebracht wurde. Paulus zeigte sich stolz, dass nach Seniorenheim und Schule innerhalb eines Jahres das dritte Großprojekt in Knetzgau fertiggestellt werden konnte. Einen besonderen Dank sprach das Gemeindeoberhaupt allen Beteiligten aus.

Als Abteilungsleiter "Planung und Bau" der Regierung von Unterfranken überbrachte Norbert Böhm Glückwünsche. Bei Investitionskosten in Höhe von 1,2 Millionen. Euro habe die Regierung das Geld gut investiert für viele schöne Begegnungen im Turngarten und um eine lebendige Ortsmitte zu erhalten, zu bewahren und fortzuentwickeln. Neben Fördergeldern in Höhe von 650 000 Euro bleibt für die Gemeinde Knetzgau noch ein großer Eigenanteil.


Gedenken an die Kriegstoten

Joachim Kaiser vom Würzburger Architekturbüro Kaiser und Juritza erinnerte an den Handlungsbedarf am Kriegerdenkmal, an dem über Jahrzehnte hinweg der Zahn der Zeit nagte. Das Kriegerdenkmal steht auf einer Aussichtsplattform und ist auf das Zeiler Käppele ausgerichtet. Um das Gedenken an die Kriegstoten und die damit verbundene Mahnung wieder näher ins Leben zu rücken, wurden die Umwehrungsmauern entfernt und das Kriegerdenkmal über Sitzstufen mit dem Turngarten verbunden. Somit konnte laut Architekt das Schattendasein von Kriegerdenkmal und Turngarten beendet und in einen Ort des Gemeindelebens gewandelt werden.


Ein Teil der Ehrengäste besuchte die Ausstellung im Rats- und Kultursaal der Gemeinde Knetzgau. Hier präsentiert Hilmar Schenk am Samstag und Sonntag eine Fotoausstellung zum Thema Kriegerdenkmal von 1924 bis heute mit Bildern über Gefallene und Vermisste aus den beiden Weltkriegen. Zudem erstellt die Gemeinde Knetzgau eine Broschüre über die Geschichte des Kriegerdenkmals. Diese soll Anfang Oktober erscheinen und kann auf Spendenbasis für die Kriegsgräberfürsorge im Rathaus erworben werden.
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