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Wirtschaft

Hürden erschweren Frauen den beruflichen Wiedereinstieg

Die Unternehmen brauchen Mitarbeiterinnen. Aber den richtigen Job zu finden, ist für Frauen oft schwer.
Viele aktuelle Stellenangebote hatte die Arbeitsagentur zum Info-Tag "Frau und Beruf" mitgebracht. Nicht nur Sabine Joa-Franke  war vom breiten Spektrum überrascht.   Sabine Weinbeer
 
von SABINE WEINBEER
Die Chancen für Frauen, die sich beruflich umorientieren möchten oder nach einer Familienphase zurück in den Beruf streben, waren nie so gut wie derzeit - doch allerhand Hürden sind auf diesem Weg zu überwinden. Eine Hilfestellung dabei wollte der Info-Tag "Frau und Beruf" geben, den die Agentur für Arbeit Schweinfurt, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Haßberge, Christine Stühler, und das Mehrgenerationenhaus Haßfurt im Bibliotheks- und Informationszentrum (Biz) gestalteten. Ins Leben gerufen wurden diese Informationstage vom Netzwerk Wiedereinstieg Main-Rhön.

Landrat Wilhelm Schneider ermutigte die anwesenden Frauen, diese Hilfestellungen anzunehmen und ihre Chancen zu nutzen, denn "die Wirtschaft braucht Menschen wie Sie, die organisationsstark, flexibel, einfühlsam und teamfähig sind und auch in stressigen Zeiten den Überblick behalten". Er sprach damit die Qualifikationen an, die Frauen erwerben, wenn sie sich um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige kümmern und sich ehrenamtlich engagieren. Er betonte auch, wie wichtig es ist, dass Frauen sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse anstreben, damit sie nicht in die Altersarmut steuern.

"Diese Veranstaltungen haben sich in den vergangenen Jahren sehr bewährt", erklärte der Leiter der Agentur für Arbeit, Thomas Stelzer, auch "weil die Frauen hier im Landkreis Haßberge sehr pragmatisch eingestellt sind". Etwa 80 Teilnehmerinnen wurden in den Vorjahren jeweils beraten, und "viele von ihnen taten hier den ersten oder sogar die ersten beiden Schritte in eine neue Berufstätigkeit", so Stelzer. Aus den insgesamt sehr erfreulichen Statistiken seiner Behörde nimmt er einen besonderen Trend heraus: Obwohl die Bevölkerung im Arbeitsamtsbezirk Schweinfurt abnimmt, steigt die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen. "Das sind eindeutig die Frauen aus der so genannten stillen Reserve", erklärt er.

Was Thomas Stelzer mit Pragmatismus meinte, wurde beim Vortrag von Doris Küfner-Schönfelder deutlich. Jeder Landkreis hat nämlich seinen regionalen Arbeitsmarkt und der im Landkreis Haßberge hat einen ganz deutlichen Schwerpunkt mit den Metallberufen. Wer in den Verkauf oder ins Büro strebt, der steht hier trotz einer Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent in einem harten Wettbewerb. "Da bewerben sich bis zu 100 andere", machte Doris Küfner-Schönfelder deutlich.

Genau umgekehrt sieht es im Bereich der Gesundheitsberufe wie der Altenpflege aus. Hier fehlen nicht nur examinierte Fachkräfte, sondern "zunehmend auch Personal im Assistenzbereich. Außerdem bieten wir vielfältige Möglichkeiten, sich berufsbegleitend weiter zu qualifizieren", ermutigte sie die anwesenden Frauen, sich mit diesem Berufsspektrum intensiver auseinander zu setzen. Und auch mit dem Gedanken, die berufliche Qualifikation noch einmal zu verändern.

Viele individuelle Gespräche fanden an verschiedenen Beratungsplätzen im Biz statt. Das Mehrgenerationenhaus bot eine Kinderbetreuung an. Neben den passenden Stellenangeboten haben Frauen schließlich noch weitere Aspekte, wenn sie zurück in eine Vollzeit-Berufstätigkeit wollen: Oft muss Kinderbetreuung oder die Pflege von Angehörigen organisiert werden. Dazu gab es ebenso Informationen wie wertvolle Tipps zum Vorstellungsgespräch oder Informationen dazu, worauf Personalentscheider achten. Bewerbungsmappen konnten gecheckt werden und der Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur hatte eine aktuelle Stellenbörse aufgelegt.

Viele Frauen nutzten im Laufe des Tages die Beratungen und Hilfestellungen. Aus verschiedensten Gründen waren viele lange nicht mehr in ihrem eigentlichen Beruf beschäftigt - wegen der Kinder, aus gesundheitlichen Gründen oder weil sie gemeinsam mit ihrem Mann einen eigenen Betrieb führten wie Birgit Heigel. Die Ehe scheiterte, und ihr Diplom-Ingenieur der Agrarwissenschaften zähle jetzt nicht mehr viel, wurde ihr bei einschlägigen Bewerbungen erklärt. Sie ließ sich nicht entmutigen, ist inzwischen Heilpraktikerin für Psychotherapie und Mentaltrainerin für Reiter und hat sich gerade selbstständig gemacht. Für diese Eigeninitiative bekam sie von Doris Küfner-Schönfelder große Anerkennung. Die Fachfrau von der Arbeitsagentur weiß aber auch, wie steinig eine solche Selbstständigkeit ist; deshalb unterstützt sie Birgit Heigel gern in ihrem Ziel, zusätzlich eine Teilzeitanstellung zu finden.

Eines wird im Gespräch zwischen Heigel und Küfner-Schönfelder und auch mit anderen Frauen deutlich: Die Qualifikationen, die Landrat Wilhelm Schneider anfangs ansprach, haben die Frauen zwar in hohem Maße, doch man kann sie nicht anhand von Zertifikaten nachweisen und kommt so in vielen Auswahlverfahren gar nicht erst zu einem Vorstellungsgespräch. Diese Hürden abzubauen, daran arbeiten die Organisatorinnen dieser Info-Tage.
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