Haßfurt — Probleme, Wünsche und Anregungen haben die Bürger von Haßfurt offenbar so gut wie keine. Zumindest keine, die sie Bürgermeister Günther Werner öffentlich vortragen möchten. So besuchten auch nur rund 40 Frauen und Männer die Bürgerversammlung in der FC-Stadion-Gaststätte, bei der der Bürgermeister über die Vorhaben der Stadt informierte und Gerhard Zösch, Geschäftsführer der Stadtwerk Haßfurt GmbH, über die Nahwärmeversorgung in den Baugebieten "Osterfeld II" und "Westlich der Sailershäuser Straße" aufklärte.

Dabei ging Günther Werner auch auf die Themen der Bürgerversammlung im letzten Jahr ein, die teils bis heute aktuell sind. So hat die Stadt auf Drängen der Anwohner östlich der Hofheimer Straße eine Parkzone ausgewiesen und gleichzeitig neue Parkplätze geschaffen. "Bis jetzt haben wir keine Beschwerden mehr erhalten", so der Bürgermeister, der aber auch angab, dass die Berufsschule von 2018 bis 2023 saniert werde und es dadurch Probleme geben könne. "Aber wir werden auch das schaffen", betonte Günther Werner.

Die Stadt habe auch einen Plan für die Verbreiterung des Geh- und Radwegs auf der Brücke in der Schweinfurter Straße beim Staatlichen Bauamt Schweinfurt eingereicht, um die Anbindung zu verbessern. Dafür brauche sie zudem die Genehmigung der Deutschen Bahn.
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Lebendiger Mittelpunkt

Die öffentliche Nutzung des Hauses in der Hauptstraße 35 in Haßfurt werde weiterverfolgt, zumal 70 Prozent Fördermittel zugesagt seien und sich sonst niemand an die umfangreiche Sanierung wagen würde. Dazu meinte Horst Hofmann, Vorsitzender des Kulturforums, dass beim Straßenfest rund 100 Bürger eine öffentliche Nutzung befürwortet hätten und man selbst dankbar sei, dass sich die Stadt um das Haus kümmern wolle. "Wir sehen nur eine kulturelle Nutzung als möglich an, damit dieses Haus ein lebendiger Mittelpunkt der Altstadt wird, und kündigen unsere Unterstützung an", sagte er. Der Bürgermeister ergänzte, dass die Stadt schon Vorstellungen habe und die Tourist-Information und das Kulturamt im Erdgeschoss unterbringen sowie Lesungen und kleinere Konzerte oder Wechselausstellungen veranstalten wolle und auch das Obergeschoss und das Dach kulturell genutzt werden könnten. "Dabei müssen wir weiter mit der Regierung zusammenarbeiten", merkte er an.


"Ich gehe davon aus, dass das klappt"

Er gab auch bekannt, dass sich die Sanierung der Flutbrücke noch hinziehen werde. Die Stadt möchte allerdings, dass die Ausweichstraße über die Zufahrt zum FC-Gelände, die für die Arbeiten auf 6,50 Meter Breite ausgebaut werde und einen zusätzlichen Geh- und Radweg erhalte, anschließend nicht zurückgebaut werde. "Ich gehe davon aus, dass das klappt", teilte er mit.

Er erläuterte weiter, dass man im Osterfeld keine Tempo-30-Zone habe ausweisen können. Zum einen sei der Osterfeldweg eine Verbindungsstraße und müsse vorfahrtsberechtigt sein. In einer Tempo-30-Zone hingegen gelte immer "Rechts vor Links". Zum anderen seien manche Einmündungen nur schwer zu erkennen, so dass Unfälle vorprogrammiert seien. Deshalb habe man so viele "30"-Schilder aufstellen müssen.

Den Wunsch, auf dem ehemaligen Möltergelände in der Zeiler Straße Parkplätze auszuweisen, könne man nicht erfüllen. "Es wäre zu gefährlich und würde auch, so kurz vor der Ritterkapelle, nicht schön aussehen", erklärte Günther Werner. Fortschritte machten auch der Bau des Wohnparks Rödersgraben auf dem ehemaligen Waldigelände, der Bau der Kinderkrippe im Osterfeld II und der Bau der Straße vom Gewerbegebiet zur HAS 10 von Haßfurt Richtung Ebern.


Verkehrszählungen

Diverse Verkehrszählungen im Großen Anger haben ergeben, dass der Verkehr nach der Erschließung des Baugebiets "Osterfeld II" deutlich angestiegen ist. Sind davor innerhalb von 24 Stunden 1167 Pkws und Lkws in der Ziegelei Richtung Uchenhofer Kreisel unterwegs gewesen, waren es heuer schon 1264 Fahrzeuge. In der Gegenrichtung stieg der Verkehr von 1393 Fahrzeugen auf 1589 Fahrzeuge an. 2016 haben Geschwindigkeitsmessungen einen Durchschnitt von 39 km/h bei PKW und 36 km/h bei LKW ergeben. Heuer lagen die Werte bei 43 km/h und 39km/h. "Das ist viel zu schnell", betonte der Bürgermeister, der auch Zählungen und Messungen an zwei Stellen im Osterfeldweg präsentierte. Auch hier hat der Verkehr stark zugenommen, wobei heuer auf Höhe der Kötznerstraße die Durchschnittsgeschwindigkeit der PKW bei 34 km/h und der LKW bei 30km/h lag. Allerdings gab es auch starke "Ausreißer" und Günther Werner sagte weitere Messungen zu.


Neue Vorhaben

Als neueste Vorhaben nannte er den Bau eines Aufzugs im Inneren des Rathauses, das Projekt "Barrierefreie Altstadtgassen", den Anschluss an den Verkehrs-Großraum Nürnberg, das Projekt Kernwegenetz der Allianz "Main & Haßberge" und den Mainausbau. "Wir werden die 200 Meter lange Liegestelle für Güterschiffe akzeptieren müssen, erhalten aber weiter hinten eine Anlegestelle für Hotelschiffe", teilte er mit. Die Mole werde zurückgebaut und der Main auf 3,10 Meter Tiefe ausgebaggert. Die Breite des Flusses werde auf 40 Meter ausgedehnt, hinzu kämen noch die Uferbereiche. Derzeit laufe die Vorplanung des Wasserwirtschaftsamtes für den Hochwasserschutz der westlichen Altstadt. Vorgesehen sei, den Bereich zwischen Kläranlage und der Mainmühle durch Dämme, Mauern und mobile Elemente zu schützen. Für das Baugebiet "Westlich der Sailershäuser Straße" mit seinen 35 Bauplätzen habe man inzwischen bereits 70 Bewerber.


Enge am Wertstoffhof

Von Willi Gröhling kam die Bitte, den Wertstoffhof an der Uchenhofer Straße zu erweitern. "Der Hof ist seit der Erschließung des Osterfelds viel zu klein geworden. Morgens um 10.30 Uhr ist die Grünschnittcontainer schon voll, außerdem sind diese Container nur sehr schwer zu erreichen. Weiterhin fehlen Parkplätze und die Zufahrt sollte ebenfalls verbessert werden", sagte er. Bürgermeister Günther Werner versprach, sich mit dem Landkreis um eine Lösung zu bemühen.
Gertrud Preiser wiederum klagte, dass man holzige Abfälle nicht mehr verbrennen dürfe und fragte an, ob eine Abholung durch die Stadt möglich sei. Der Bürgermeister sagte zu, sich Gedanken zu dem Problem zu machen. Willi Gröhling monierte auch, dass in der Brückenstraße PKW den Gehweg für Fußgänger zustellten. "Man hat das Gefühl, dass die Verkehrsüberwachung hier ein Auge zudrückt", meinte er. Doch Günther Werner widersprach und lobte die Arbeit der Überwacher. Er sagte aber zu, das Personal auf die Situation hinzuweisen. Auch Ludwig Memmel gab an, dass Fahrzeuge in der Hauptstraße immer wieder den Radweg widerrechtlich zuparkten.


Dezentrale Wärmeversorung

Die Bürgerversammlung nutzte Gerhard Zösch, Geschäftsführer der Stadtwerk Haßfurt GmbH, um die hocheffiziente dezentrale Wärmeversorgung über ein "kaltes" Nahwärmenetz in den Baugebieten "Osterfeld II" und "Westlich der Sailershäuser Straße" vorzustellen. So ist im "Osterfeld II" der Anschluss nicht zwingend, wurde aber von 70 Prozent der Bauherren wahrgenommen. Im neuen Baugebiet hingegen ist der Anschluss vorgeschrieben. Die Energie wird aus Sonne, Biomethan und Erdgas produziert und der Anteil der Wärme besteht zu 40,8 Prozent aus regenerativer Primärenergie. Ein 30 000-Liter-Pufferspeicher dient zur Energiespeicherung. Die installierte Leistung beträgt 965 kW; die Investitionen betrugen 1,4 Millionen Euro und die Leitungslänge 4,6 Kilometer.
Für den Endkunden bringt die Versorgung viele Vorteile. Unter anderem geringe Investitionskosten, hohe Versorgungssicherheit, Förderfähigkeit als "KfW-Effizienzhaus", Abrechnung nach dem tatsächlichen Verbrauch und keine Grundgebühren. Zudem ist der Wärmepreis auf zehn Jahre garantiert. Ein Basispaket kostet 3000 Euro netto, das Komplettpaket 5850 Euro.

Zösch stellte auch das von der EU geförderte Projekt "enCompass" vor, bei dem es um gemeinschaftliche Nutzer-Empfehlungen und lernfähige Steuerung für individualisierte Energieeinsparung geht. Beteiligt sind fünf Universitäten, sechs Unternehmen und Endverbraucher sowie neben dem Stadtwerk noch zwei Energieversorgungsunternehmen. Daran können noch private Haushalte teilnehmen, die sich bei Christoph Schneider, Telefon 09521/949496, anmelden können.