Eschenbach
Wirtschaft

Eschenbacher Privatbrauerei hat neuen Besitzer

Zum Jahresbeginn hat die Arcobräu aus Niederbayern die Traditionsbrauerei übernommen. Der bisherige Inhaber, Karl Wagner, nennt dafür familiäre Gründe.
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Blick auf einen Teil der Firmengebäude der Eschenbacher Privatbrauerei, die mit Brauerei und Immobilie in das Eigentum der Arcobräu überging.Günther Geiling
Blick auf einen Teil der Firmengebäude der Eschenbacher Privatbrauerei, die mit Brauerei und Immobilie in das Eigentum der Arcobräu überging.Günther Geiling
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"In Eschenbach am Main braut sich was Gutes zusammen." Dieser Werbeslogan der Eschenbacher Privatbrauerei Wagner verfehlte nicht seine Wirkung und machte mit dem Bier auch den Eltmanner Stadtteil Eschenbach bekannt. Mit Beginn des neuen Jahres weist er aber noch auf eine neue Entwicklung hin: Die Arco-Brauerei aus Moos bei Deggendorf hat die Privatbrauerei aus Eschenbach übernommen. Die Brauerei in Eschenbach bleibt aber als eigenständige Brauerei erhalten.


Keine Nachfolge

Die Verantwortlichen der beiden Brauereien präsentierten den Mitarbeitern in einer kleinen Feier diese neueste Entwicklung für ihren Arbeitsplatz. Der Inhaber der Privatbrauerei Wagner aus Eschenbach, Karl Wagner, bat um Verständnis, dass er den erfolgreichen Betrieb aus familiären Gründen abgeben müsse. Hintergrund sei einerseits ein familiärer Schicksalsschlag - sein 14-jähriger Sohn sei seit seiner Geburt schwerst behindert und könne damit das Familienunternehmen nicht übernehmen. Zum anderen habe er Vermögen in die "Karl-Wagner-Stiftung" eingebracht, wolle aber mit diesem weiteren Schritt gleichzeitig auch den Fortbestand der Traditionsbrauerei sichern.

"Mit den Verkaufsgesprächen ist es nun schnell gegangen und wir waren uns schnell einig, weil wir auf gleicher Wellenlänge verhandelten, was den Betrieb angeht. Die Arco-Brauerei aus Moos wird zu 100 Prozent die Eschenbacher Privatbrauerei mit ihren Immobilien übernehmen und die Brauerei weiterführen", lobte Karl Wagner, sichtlich zufrieden, das Verhandlungsergebnis.


Partnerschaft auf Augenhöhe

Laut Holger Fichtel, dem Geschäftsführer von Arco in Moos und nun auch der Eschenbacher Privatbrauerei, übernehme Arco als eine der modernsten Brauereien mit Eschenbacher die wohl modernste Brauerei Deutschlands und die größte des Landkreises Haßberge. "Es ist ja keine Übernahme im klassischen Sinne, sondern eher eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Wir haben uns kennen- und schätzen gelernt, sind beide Bierbrauer und gestandene Männer, wobei Karl Wagner schon mehr der Filigrantechniker ist. Aber die Eschenbacher Privatbrauerei passt hervorragend zu unserem Wachstumskonzept. Sie ist eine moderne, gut geführte Brauerei mit Qualität und interessanten Biermarken, die auch erhalten bleiben", betonte Holger Fichtel. "Die Eschenbacher Privatbrauerei ist wirklich ein toll geführter Betrieb und ich muss Herrn Wagner ein großes Kompliment aussprechen und ich ziehe den Hut. Dies war auch ein wichtiges Kriterium für die Übernahme dieser Brauerei. Auch andere Brauereien werden einem ja angeboten. Aber es muss auch passen und das ist hier der Fall."


Technik-Vorreiter

Das bestätigte auch Helmut Gaißmaier, Architekt für das Brauwesen, der seit langem Verbindung zum Hause Wagner in Eschenbach hat. "Schon der Vater des jetzigen Besitzers war ein Genie und ein Automationsfanatiker. Er hat schon 1974 seine Brauerei mit dem weltweit ersten Vollautomatik-Sudhaus ausgestattet." Dem sei dann 1982 noch ein neues Vollautomatiksudhaus gefolgt, das selbst die Tanks automatisch reinige. Jeder Tank passe hier zu jedem Sud und alles sei bestens aufeinander abgestimmt. Schließlich sei auch noch die modernste Abfüllanlage hinzugekommen.

Wie Brauereidirektor Holger Fichtel erläuterte hat Arcobräu In den letzten 15 Jahren den Ausstoß von 78 000 Hektoliter auf nunmehr 280 000 Hektoliter im Jahr gesteigert, auch durch den Zukauf der Irlbacher Schlossbräu und der Grünbacher Weißbiermanufaktur bei Erding. Trotzdem sei man sehr bodenständig und qualitätsorientiert. Zum anderen erachte man es für wichtig, dass auch die Belegschaft Spaß an der Arbeit habe. In diesem Zusammenhang teilte er mit, dass man in den letzten Jahren 50 neue Mitarbeiter eingestellt habe.


Mehr Ausstoß, mehr Personal

Die Eschenbacher Privatbrauerei habe derzeit einen Ausstoß von 80 000 Hektoliter im Jahr, habe aber noch Kapazitäten frei und diese wolle man mit Leben erfüllen. "Ich bin mir sicher, dass wir sehr schnell die 100 000 -Hektoliter-Grenze hier überschreiten werden". In fünf bis sieben Jahren würden in Eschenbach 160 000 Hektoliter Bier gebraut werden. "Hierfür werden wir auch zusätzlich Personal einstellen. Wir werden dabei in Eschenbach alle gebrauten Biersorten erhalten und auch alle Arbeitsplätze."


Wagner bleibt Brauerei treu

Die Übernahme sei also wie eine schöne Partnerschaft und Karl Wagner werde weiterhin in Eschenbach als Braumeister, möglicherweise aber auch als Berater in den Braustätten in Moos und Irlbach tätig werden. "Wir sind nämlich froh über jede gute Idee und es ist gut, wenn auch einmal gute Ideen von außen kommen."

Mit Stolz teilte Holger Fichtel mit, dass die Arcobräu in den letzten Jahren die beste Entwicklung unter den Mittelstandsbrauereien genommen habe. Mit der "Mooser Liesl" sei man die einzige Brauerei mit der kleinen 0,33-l-Flasche in Euroform und diese sei im Jahre 2016 zur "Neuheit des Jahres" gekürt worden. Noch im Januar erhalte man für das gleiche Produkt die Auszeichnung "Getränk des Jahres", praktisch als bestes Produkt von Deutschland. Die "Mooser Liesl" setze sich also in ganz Deutschland durch.

Die Arcobräu sei zweifellos eine der modernsten Mittelstandsbrauereien mit neuem Flaschenkeller, neuer Abfüllung und modernster Fassabfüllung. "Wir sind ein topmoderner Betrieb, der nach alten Grundsätzen braut. Die Hefe wird im Prozess nur einmal verwendet und das Produkt muss von guter Qualität sein und schmecken."


Erlös fließt in Stiftung

Beim Verkauf der Brauerei hatte auch der Stiftungsrat der "Karl-Wagner-Stiftung" ein gewichtiges Wort mitzureden, denn vor einiger Zeit wurde die Brauerei in die Stiftung eingebracht. Der Stiftungsvorstand Karl Wagner und sein Stellvertreter Werner Stegemann mit den Stiftungsräten Ute Seitz, Jürgen Wagner, Werner Stegemann und Jürgen Rößler hatten in einer längeren Sondierungsphase die Angebote verschiedener Interessenten geprüft. Dabei sei es vor allem um das Fortbestehen der Brauerei gegangen. Der Verkaufserlös fließe nun in die "Karl-Wagner-Stiftung", entsprechend dem Stiftungszweck, behinderten Kindern und Menschen zu helfen.

Bürgermeister Michael Ziegler gestand ein, dass er von dem Anruf des Verkaufs erst geschockt war. Allerdings müsse man auch einsehen, dass solch ein Familienbetrieb an die Grenzen der Schaffenskraft gehe. "Ich habe Hochachtung davor, was die Eltern und ihr auf die Beine gestellt habt." Natürlich müsse man auch an die Nachfolgeregelung denken und deswegen sei er namens der Stadt dankbar, dass die Arcobräu die Brauerei übernehme und damit von den einst 20 Brauereien im Stadtgebiet die letzte produzierende Brauerei bestehen bleibe. Damit hätten sich hier zwei Partner auf Augenhöhe getroffen und würden dafür sorgen, dass es an der Braustätte weitergehe.

"Ich danke Ute Seitz und Karl Wagner, dass sie sich bemüht haben, einen adäquaten Partner zu finden und wünsche mir, dass die "Eschenbacher-Privatbrauerei" und "Arco-Bräu" gute Umsätze machen, ein gutes Miteinander pflegen und vielleicht auch etwas mehr Steuereinnahmen in die Stadtkasse fließen", sagte Ziegler. Die Unterstützung der Stadt Eltmann bei allen Maßnahmen könne er zusichern.


Kleine Historie der beiden Brauereien

Arco ist der Name eines alten und edelfreien Adelsgeschlechtes, das ursprünglich aus dem Fürstbistum Trient im heutigen Trentino-Südtirol stammt. Der Stammsitz war die Burg Arco nördlich des Gardasees. Das Geschlecht wird im Jahre 1124 mit Fridericus de Archo erstmals urkundlich erwähnt.
Die Geschichte der Marke "Arcobräu" ist mit der Geschichte der Grafen Arco-Zinneberg verbunden. Die heutige Firma "Arcobräu Gräfliches Brauhaus" entstand aus der Schlossbrauerei Moos, welche 1567 von Warmund Graf von Preysing gegründet wurde. Durch Erbschaft seiner Mutter Gräfin Maria-Theresia von und zu Arco-Zinneberg, geborene Gräfin Preysing-Lichtenegg und Moos, die eine Enkelin des letzten bayerischen Königs Ludwig III. ist, gelangte die Brauerei 2003 an ihren Sohn Graf Riprand von und zu Arco-Zinneberg. Dieser ist heute der alleinige Eigentümer von Arcobräu. Er ist seit 1980 mit Maria-Beatrice, Erzherzogin von Österreich-Este, verheiratet, sie haben sechs Töchter.

Die Eschenbacher Privatbrauerei nahm ihren Anfang mit Georg Johann Wagner (1710-1775), der erstmals im Jahre 1750 braute. Den ersten größeren Umschwung leitete dann Karl Andreas Wagner (1898-1966) ein, als er mit seinen Bieren über die Grenzen von Eschenbach hinausging, und Karl Georg Wagner (geb. 1929) führte die Aufwärtsbewegung explosiv weiter, als er 1961 die Brauerei übernahm. Ab dieser Zeit erfolgte eine stete Vergrößerung und Modernisierung des Betriebes. Seit 1992 war nun Karl Werner Wagner Geschäftsführer und seit Januar 1995 Alleininhaber der Eschenbacher Privatbrauerei.
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